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Hass auf dem Stadtbus

Pantisano kritisiert Werbung für queer­feindliches Magazin bei der BVG

Ausgerechnet zum Pride Month wirbt ein queerfeindliches Hetzportal im öffentlichen Nahverkehr der Bundeshauptstadt. Der Queerbeauftragte ist sauer.


Alfonso Pantisano wirft den Berliner Verkehrsbetrieben Pinkwashing vor (Bild: Fionn Grosse)

Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) hat auf Instagram die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) scharf kritisiert, weil es Werbung für das "rechtspopulistischen Empörungsportal NIUS" betreibe. So wirbt "Nius" laut einem "taz"-Bericht derzeit etwa auf einem BVG-Bus mit dem Slogan: "Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird." Damit spielt das Portal auf die eigene Verschwörungstheorie an, dass öffentlich-rechtliche Nachrichten wie die "Tagesschau" das Publikum ideologisch erziehen wollten, statt neutral zu berichten.

Laut Pantisano hetze das Online-Magazin "täglich gegen Minderheiten, gegen queere Menschen und gegen eine offene Gesellschaft". Die BVG kreiere damit einen Widerspruch, da sie sich auch im Pride-Monat Juni für die queere Community unter Nutzung des CSD-Mottos "Haltung ist hot" engagiere. "Das ist kein kleiner Betriebsunfall! Das ist ein politischer Widerspruch! Und ein Schlag ins Gesicht auch gegen queere Menschen!", so Pantisano.

- Werbung -

BVG: "Wir vermieten die Flächen nicht selbst"

Die BVG gibt sich gegenüber der "taz" unschuldig: "Wir vermieten die Flächen nicht selbst, sondern haben die Werberechte an einen externen Vermarkter gegeben." Das städtische Unternehmen dürfe Werbung nicht einfach ablehnen, wenn es diese nicht gut fände. Nur bei Rechtsverstößen sei dies möglich.

Pantisano lässt diese Antwort nicht gelten: "Wer im Pride Month Regenbogenfarben trägt, wer beim CSD mitfahren will, wer sich als Teil der weltoffenen Regenbogenhauptstadt Berlin inszeniert, kann nicht gleichzeitig sagen: Für die Inhalte auf unseren Flächen sind wir nicht verantwortlich", erklärte der 51-Jährige. "Natürlich ist Werbung nicht automatisch die Meinung der BVG. Aber wer öffentliche Räume vermarktet, entscheidet mit, welche Botschaften täglich hunderttausenden Berliner*innen zugemutet werden."

Die queere Community brauche keine Unternehmen, "die uns feiern, solange es für sie gut aussieht, und uns aber im Stich lassen, sobald rechte Empörungsmaschinen zahlen", so Pantisano. Er bezeichnete dies als "Pinkwashing", also also Marketingstrategie, bei der Unternehmen nur vorgeben, sich für queere Rechte einzusetzen. "Ich erwarte von der BVG eine klare Antwort: Welche Standards gelten für Werbung auf euren Flächen? Wo zieht ihr die Grenze, wenn Minderheiten gezielt zur Zielscheibe gemacht werden? Und seid ihr bereit, aus diesem Fehler Konsequenzen zu ziehen?", so Pantisano weiter. "Berlin ist nicht neutral, wenn Menschenverachtung normalisiert wird. Öffentlicher Raum ist kein rechtsfreier Werbemarkt. Und Haltung ist nur dann hot, wenn sie auch etwas kostet."

"Nius" und sein Chefredakteur Julian Reichelt sind bereits mehrfach wegen queerfeindlicher Falschberichterstattung von Gerichten verurteilt worden. Reichelt unterlag etwa vor einem halben Jahr gegen Pantisano und darf eine Falschbehauptung über den Queerbeauftragten nicht wiederholen (queer.de berichtete). Erst kürzlich wurde das Magazin auch wegen Bloßstellung einer trans Frau verurteilt (queer.de berichtete). In Artikeln bezeichnet das Magazin "queere Vielfalt" unter anderem als "linksradikale Ideologie".

Gegen die "Nius"-Werbung bei der BVG gibt es auch eine Online-Petition, die bereits von mehr als 130.000 Menschen unterzeichnet worden ist. Darin heißt es: "Falsche und hetzerische Behauptungen wie diese haben in den Berliner U-Bahnen nichts verloren!" (cw)

Update 14:10h: Pantisano ruft BVG zum Rückzug vom CSD auf

Alfonso Pantisano hat auf Instagram gegen die BVG nachgelegt. "Solange die BVG die NIUS-Werbung auf ihren Flächen hinnimmt, Verantwortung von sich weist und keine glaubwürdigen Konsequenzen zieht, sollte sie wenigstens so viel Anstand haben und in diesem Jahr ihre Teilnahme beim Lesbisch-schwulen Stadtfest und beim Berliner CSD zurückziehen", forderte der Queerbeauftragte. Einschränkend schrieb er: "Das wäre für mich kein Unerwünschtsein für immer. Aber Vertrauen braucht mehr als Plakate und einen geschmückten Wagen."

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