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Warnung vor "Kiffer-Jungs"
US-Pastor: Cannabis macht schwul, Nikotin macht männlich
Der einflussreiche Pastor Joel Webbon wünscht sich heterosexuelle "Nikotin-Männer", sieht aber überall nur schwule "Kiffer-Jungs".

Pastor Joel Webbon (li.) wünscht sich ein Amerika voller Marlboro-Männer (Bild: X)
- 5. Juni 2026, 11:50h 3 Min.
Der christlich-evangelikale US-Pastor Joel Webbon, der Chef der Covenant Bible Church in der Nähe von Austin (Texas), sorgt mit homophoben und wissenschaftlich unbelegten Aussagen über das Rauchen für Empörung. In einem auf X veröffentlichten Video behauptete er, Marihuana mache Männer "weniger männlich", "weicher" und "zumindest spirituell schwul". Stattdessen sollten christliche Männer zu Tabak und Nikotin greifen, um ihre Männlichkeit zurückzugewinnen.
Webbon, der keinerlei medizinische Ausbildung genossen hat, erklärte weiter, Cannabis mache Menschen unkonzentriert, antriebslos und unambitioniert. "Das sorgt dafür, dass Männer – die Führer der Gesellschaft – schwächer und leichter zu kontrollieren sind", so seine Theorie. Zugleich stellte er die gesundheitlichen Risiken des Rauchens infrage und bezeichnete jahrzehntelange Warnungen vor Tabak als angebliche "Propaganda". Krebs werde seiner Ansicht nach nicht durch das Rauchen selbst, sondern durch Chemikalien und Pestizide auf Tabakpflanzen verursacht.
Webbon: Rauchen macht stark und männlich
Der Pastor verknüpfte seine Aussagen mit einem kulturkämpferischen Männlichkeitsideal. Unter dem Slogan "Hard times create nicotine men" ("Harte Zeiten schaffen Nikotin-Männer") stellte er "Nikotin-Männer" als leistungsstark und gesellschaftstragend dar, während er sogenannte "weed boys" (Kiffer-Jungs) für gesellschaftlichen Niedergang verantwortlich machte. Zudem behauptete er, Regierungen hätten ein Interesse daran, Tabakkonsum zurückzudrängen, weil nikotinkonsumierende Männer angeblich schwerer zu kontrollieren seien.
In sozialen Medien und den Kommentarspalten stießen die Aussagen überwiegend auf Spott und Kritik. Viele Nutzer*innen warfen Webbon vor, Homosexualität als Schimpfwort zu verwenden und zugleich eine Suchterkrankung zu verherrlichen. Einige kommentierten zudem ironisch, der Pastor klinge eher wie ein Werbeträger der Tabakindustrie als wie ein Geistlicher.
Joel Webbon gilt als eine wichtige und wachsende Stimme am extremen, fundamentalistischen Rand der christlich-nationalistischen Bewegung in den USA. Diese hat durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten Ende 2024 erheblichen Auftrieb erfahren. Allein auf der Plattform X (ehemals Twitter) folgen ihm über 100.000 Menschen. Seine Videos und Podcast-Ausschnitte erreichen durch bewusste Provokationen regelmäßig virale Reichweiten.
Webbon will weiße christliche Diktatur errichten
Kritiker*innen befürchten, dass er mit seinen Äußerungen die Positionen des Sagbaren verändere und die Gesellschaft weiter radikalisiere. Seine Positionen gelten selbst unter Evangelikalen als extrem: So spricht er sich für die Abschaffung der Demokratie aus und engagiert sich für einen christlichen Führer. Zumindest sollte Frauen das Wahlrecht entzogen werden, forderte er mit Verweis auf die Bibel. Die amerikanische Gesellschaft solle sich auch sonst nur nach biblischem Recht richten – das würde etwa zu einem strikten Abtreibungsverbot und einem Verbot der Ehe für alle führen.
Zudem behauptet er etwa, die Bibel-Geschichte des Turmbaus von Babel zeige, dass Gott eine Vermischung von Kulturen und Ethnien ablehne. Seiner Ansicht nach sei damit göttlich begründet, dass weiße christliche Menschen mehr Macht haben sollten als etwa schwarze oder jüdische Menschen. Gleichheit und universelle Nächstenliebe zwischen den "Rassen" bezeichnet er als "toxische Empathie", die unbiblisch sei, wenn sie das Überleben der eigenen Familie oder Ethnie gefährde. (dk)
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