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Netflix-Hitserie
Karamo Brown: Hinter den Kulissen war "Queer Eye" ein toxischer Sumpf
Die Fab Five halfen jahrelang locker und stets freundlich Menschen, die es schwer hatten. Wenn die Kameras aus waren, war es aber offenbar mit der fröhlichen Kumbaya-Atmosphäre vorbei.

So kuschelig ging es offenbar nur zu, wenn die Kameras an waren. Die Original-Netflix-Fab-Five (v.l.n.r.): Jonathan Van Ness (Pflege), Karamo Brown (Kultur und Self-Image), Tan France (Mode), Bobby Berk (Design) und Antoni Porowski (Essen und Wein)
- 8. Juni 2026, 16:32h 4 Min.
"Queer Eye" warb jahrelang für Akzeptanz, doch hinter den Kulissen ging es offenbar recht rau zu. Nachdem Kultur-Experte Karamo Brown bereits im Januar die Reißleine zog und die Pressetour zur zehnten und letzten Staffel von "Queer Eye" schwänzte, packte er nun in einem hochexplosiven Interview mit dem US-Magazin "People" aus. Seine Vorwürfe wiegen schwer: Er spricht von jahrelangem emotionalem Missbrauch, einer toxischen Arbeitsatmosphäre und einem tiefen Riss, der die scheinbar unzertrennlichen Fab Five schon seit der ersten Staffel spaltete.
Laut Brown war die Fassade der perfekten queeren Geschwisterschaft von Anfang an brüchig. Der Ursprung des Konflikts liege in einer Anschuldigung wegen sexueller Belästigung, die in den ersten Drehwochen gegen ihn erhoben wurde. Brown hatte während des Casting-Prozesses eine, wie er es nennt, "spaßige und kokette" Beziehung zu einem anderen – unbenannten – Mitglied der Fab Five.
Obwohl eine Untersuchung ihn von jedem Fehlverhalten freigesprochen habe, habe der Vorfall irreparablen Schaden hinterlassen, da Brown zunächst vermutete, der betroffene Co-Star selbst habe sich beschwert. Später stellte sich heraus, dass es ein anonymer Dritter war. "Es hat uns zerbrochen", erinnert sich Brown im Interview. "Wir alle kannten den Graben zwischen uns."
Brown: Produktionsfirma mobbte die Fab Five
Neben dem Drama untereinander wirft Brown auch den Produktionsfirmen ITV America und Scout Productions systematisches Mobbing vor. In der ersten Staffel habe ihm ein leitender Produzent unverblümt gesagt, er sei "kein Star". Das Team sei ständig daran erinnert worden, dass man jeden "morgen loswerden" könne.
Der psychische Druck war seiner Aussage nach so immens, dass Brown in der dritten Staffel einen schweren Drogen- und Alkoholrückfall erlitt, nachdem er zuvor zwölf Jahre trocken war: "Ein Drink führte zu Gras, Kokain, Pillen", sagte er. "Ich bin nicht richtig damit umgegangen, aber ich habe so getan, als ob. Ich war so am Ende."
Die Tränen seiner Mutter brachten das Fass zum Überlaufen
Den endgültigen Wendepunkt markierte ein Vorfall am Set im vergangenen Jahr, als Browns Mutter zu Besuch war und belauschte, wie Jonathan Van Ness, Tan France und Antoni Porowski hinter seinem Rücken über ihn lästerten. "Das Einzige, was ich weiß, sind die Tränen, die ich in den Augen meiner Mutter sah", offenbarte Brown emotional. "Sie wiederholte immer wieder: 'Ich dachte, sie wären deine Freunde.' Da wurde mir klar, dass ich nicht länger darüber schweigen kann, wie oft ich das Gefühl hatte, ein Außenseiter zu sein."
Brown betonte jedoch, dass er nicht unfehlbar sei: "Ich erkenne meinen Teil an und weiß, wie Dinge, die ich getan habe, Menschen beeinflusst haben. Wenn ich verletzt wurde, habe ich zurückgeschlagen."
Einige Cast-Mitglieder haben auf das Interview reagiert. Antoni Porowski zeigte sich distanziert und sichtlich überfordert mit der Situation: "Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass ich mit mehr Fragen als Antworten zurückbleibe", erklärte er gegenüber "Variety". Jonathan Van Ness, dem in der Vergangenheit Mobbing vorgeworfen war, reagierte laut Insider*innen zurückhaltend, aber unterstützend bezüglich Browns mentaler Gesundheit. Tan France hat sich bislang nicht geäußert.
Die Produktionsfirmen wiesen die Vorwürfe einer toxischen Arbeitsumgebung in einer offiziellen Stellungnahme strikt zurück: "Wir widersprechen vehement jeder Darstellung, dass Bedenken, die während der Produktion von 'Queer Eye' geäußert wurden, ignoriert, abgetan oder ungeprüft gelassen wurden. Die Produktion hat konsequent ein respektvolles und professionelles Umfeld für Cast und Crew gefördert."
Bereits 2023 hatte es Gerüchte gegeben, dass Designexperte Bobby Berk wegen eines Streits "Queer Eye" verlassen habe. Er wurde in der neunten Staffel durch Jeremiah Brent ersetzt. Berk wies diese Gerüchte jedoch zurück (queer.de berichtete). Die Gerüchte waren aufgenommen, weil Berk zeitweise seinem Co-Star Tan France auf Instagram entfolgt war und ihn auf Fotos nicht mehr markiert hatte. Berk gab jedoch offen zu, dass es gekriselt habe: "Wir sind wie Geschwister geworden – und Geschwister streiten sich nun mal."
Die zehnte und letzte Staffel von "Queer Eye" war am 21. Januar diesen Jahres auf Netflix angelaufen (queer.de berichtete). Die für das Streamingportal relativ günstige Sendung war nicht nur ein Publikumserfolg, sondern auch ein Liebling der TV-Kritik: Bei den Primetime Emmy Awards stellte die Serie einen historischen Rekord auf: Sie gewann siebenmal in Folge den Emmy für die "Outstanding Structured Reality Program" (Beste strukturierte Reality-Sendung). (cw)
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