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Amateur-Fußball
Niedersachsen: Kreisligist bricht Fußballspiel nach "Schwuchtel"-Beschimpfung ab
Der niedersächsische Fußballverein VfL Sittensen brach ein Spiel nach einer homophoben Beschimpfung durch einen Gegenspieler ab – und wird jetzt des Rassismus bezichtigt.

Symbolbild: Die homophobe Attacke soll nach einem Streit über ein Tor gefallen sein (Bild: Chaos Soccer Gear / Unsplash)
- 9. Juni 2026, 16:01h 3 Min.
Am letzten Spieltag der 1. Kreisklasse Rotenburg (Wümme) Süd in Niedersachsen kam es zu einem vorzeitigen Spielabbruch. Nach homosexuellenfeindlichen Beleidigungen weigerte sich laut der "Kreiszeitung Wesermarsch" (Bezahlartikel) das Team des VfL Sittensen am Samstag, die Partie gegen den bereits feststehenden Meister SV Horstedt weiterzuspielen.
Obwohl es sportlich bei den beiden Neuntligisten um nichts mehr ging, eskalierte die Situation auf dem Platz nach einem Tor für Horstedt. Als Sittensens Kapitän Thian Evers und ein Mitspieler auf Abseits reklamierten, kam es laut Evers zu einer verbalen Entgleisung eines gegnerischen Spielers. "Er hat zu uns gesagt, ihr seid ja kleine Schwulis. Ich fragte nach, was sind wir? Er wiederholte seine Äußerung", erklärte Evers.
Gegenspieler wurde noch aggressiver
Der Sittenser Kapitän versuchte daraufhin, den Spieler zur Rede zu stellen und Grenzen aufzuzeigen. Anstatt einer Einsicht folgte jedoch eine weitere, noch aggressivere Beleidigung. Evers: "In der nächsten Situation habe ich zu ihm gesagt, dass ich solche homophoben Äußerungen nicht in Ordnung finde, so etwas hätte hier nichts zu suchen. Seine Antwort: Ich soll mich verpissen, weil ich eine Schwuchtel bin."
Nachdem der Vorfall an das Trainerteam weitergegeben wurde, zog die Mannschaft des VfL Sittensen beim Stand von 1:3 geschlossen die Konsequenz und verließ das Spielfeld. Die Vereinsführung des VfL stellte sich umgehend voll und ganz hinter die Entscheidung der Mannschaft, das Spiel nicht fortzusetzen. Ein solches Verhalten dürfe auf Sportplätzen keinen Platz haben.
Horstedt: Nicht wir waren homophob, sondern ihr wart rassistisch
Der Meister SV Horstedt reagierte mit Unverständnis auf den Spielabbruch. Der Vereinsvorsitzende Bernd Sager erklärte, dass der betroffene Spieler die homofeindlichen Aussagen bestreite. Stattdessen wirft der SV Horstedt dem VfL Sittensen seinerseits Fehlverhalten vor. "Laut ihm wurde einer unserer Spieler selbst von einem VfL-Akteur rassistisch beleidigt", erklärte Sager.
Zudem stellt Horstedt die Rolle des Schiedsrichters infrage, der die Vorfälle selbst nicht akustisch wahrgenommen hatte. Der Verein kündigte bereits rechtliche Schritte an, sollte es zu Sanktionen durch den Verband kommen.
Der Fall wird nun ein Nachspiel vor einem Sportgericht haben. Unabhängig vom Ausgang am grünen Tisch zeigt der Vorfall jedoch, dass Fußball-Amateurteams nicht mehr bereit sind, queerfeindliche Beleidigungen als legitime "Emotionen" zu akzeptieren.
Immer wieder kam es im Amateurfußball in den letzten Jahren zu queerfeindlichen Zwischenfällen: Letztes Jahr untersagte etwa ein Ordner des baden-württembergischen Vereins Türkspor Neckarsulm einem gegnerischen Fan, eine Regenbogenfahne mit ins Stadion zu nehmen (queer.de berichtete). Zuvor hatte ein Spieler der zweiten Mannschaft des Dülkener FC aus Nordrhein-Westfalen T-Shirts angefertigt, in denen er gegnerische Mannschaften mit homophoben Sprüchen provozierte – der TSV Boisheim wurde etwa als "TSV Gay Boys-Heim" bezeichnet (queer.de berichtete). (cw)















