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Australien

Ex-Rugby-Star Kane Evans outet sich als schwul

Kane Evans spricht erstmals öffentlich über seine Homosexualität – und wie er jahrelang unter dem Versteckspiel litt.


Kane Evans im Trikot der Parramatta Eels in einem Rugby-Spiel 2019 (Bild: IMAGO / AAP)

Ein emotionaler und historischer Moment für den australischen Sport: Der ehemalige Rugby-Spieler Kane Evans (34) hat sich öffentlich als schwul geoutet. Damit ist er erst der zweite männliche Profi in der Geschichte der National Rugby League (NRL), der diesen Schritt wagt – und der erste seit Ian Roberts im Jahr 1995.

In einem hochemotionalen Interview in der Sendung "100% Footy" im australischen Fernsehsender Channel Nine sprach der ehemalige Spieler der Sydney Roosters und Parramatta Eels offen über den immensen psychischen Druck, den das jahrelange Versteckspiel mit sich brachte, sowie über seinen Kampf mit Sucht, Obdachlosigkeit und Suizidgedanken.

Evans schilderte eindringlich, wie ausweglos ihm seine Situation als junger Mann in der hypermaskulinen Welt des Profisports erschien: "Ich hatte drei Ziele im Leben: in der NRL zu spielen, meinen Eltern ein Haus zu kaufen und mich umzubringen, weil ich [wegen meiner Homosexualität] von klein auf in Verleugnung lebte."

Seine ersten beiden Ziele erreichte er, vom dritten ließ er sich abbringen wegen Unterstützung aus dem sportlichen Umfeld. Der frühere Spieler Joe Galuvao, der heute das Übergangsprogramm für Ex-Spieler der Rugby-Liga leitet, habe ihm die Augen geöffnet: "Joe sagte: 'Du verdienst es, ein gutes Leben zu führen, und du verdienst Heilung.' Ich saß da und dachte darüber nach, was ein gutes Leben oder Heilung überhaupt bedeutet. Als er das sagte, fing ich an zu hinterfragen, ob der Tod vielleicht doch noch nicht im Plan für mich vorgesehen ist. Vielleicht verdiene ich es ja wirklich, mir Hilfe zu holen."

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Zusätzlich erwies sich sein ehemaliger Trainer bei den Sydney Roosters, Trent Robinson, als wichtige Stütze. Nach einem Entzug finanzierte Robinson dem vertragslosen Spieler sogar privat die Miete: "Er rief mich an, um mich wissen zu lassen, dass die Roosters immer noch mein Zuhause sind und sie hinter mir stehen, egal, womit ich konfrontiert bin. Das hat mir die Welt bedeutet", so Evans. "Er hat uns in sein Büro geholt und mir praktisch gesagt, dass die Roosters für meine mentale Gesundheit bezahlen. Robbo hat aus eigener Tasche vier Wochen meiner Miete bezahlt."

Ein Meilenstein für queere Sichtbarkeit

Das Coming-out löste in Australien eine Welle der Solidarität aus. Ian Roberts, der vor über 30 Jahren als Pionier den gleichen Schritt ging, zeigte sich den Tränen nahe: "Alles, was er sagte … ich dachte: 'Dieser arme Junge', ich weiß genau, wo er in seinem Kopf ist, was er durchmacht, diese Extreme der Unsicherheit über das eigene Selbstwertgefühl und die Wahrnehmung anderer Menschen." Roberts outete sich damals noch als aktiver Spieler – obwohl es einige Unterstützung gab, musste er einen Preis dafür zahlen: Die gegnerischen Fans und Stadien reagierten teilweise extrem feindselig, homophobe Beschimpfungen waren damals an der Tagesordnung.

Direktlink | Ian Roberts erzählte in einem Podcast letztes Jahr seine Geschichte
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Evans erklärte in dem Interview auch, dass er jahrelang versucht habe, den psychischen Druck des Ungeoutetseins durch den Missbrauch von Alkohol und Drogen zu betäuben. Zudem geriet er in die Abwärtsspirale, weil Personen aus seinem Umfeld versucht hätten, ihn zu erpressen oder ungefragt zu outen. Nachdem Evans im Mai vier Monate ohne Drogen und Alkohol feierte, blickt er nun erleichtert und voller Hoffnung in die Zukunft.

Seine Botschaft soll vor allem anderen Mut machen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: "Ich habe dieses Versteckspiel mein ganzes Leben lang mit mir herumgetragen. Ich bin heute hier, um den Menschen zu zeigen, dass man so nicht leben muss", sagte er. Schon jetzt fühle er sich ein Stück freier. "Ich bin ein bisschen stolz auf mich, und wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, werde es ich mit einem Lächeln tun und nicht mehr diese schlechten Gedanken haben." (cw)

Hilfsangebote bei Suizidgedanken

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Spreche mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist etwa anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und 1110222 erreichbar. Weitere Angebote gibt es bei spiegel.de.

In mehreren deutschen Großstädten gibt es spezielle Beratungs- und Gesprächsangebote für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Speziell für queere Jugendliche, aber oft auch Ältere, gibt es in Deutschland zudem viele Anlaufstellen und Jugendgruppen, bei denen du Gesprächsangebote und Hilfe, aber auch Freizeitaktivitäten und Freund*­innen finden kannst. Eine kurze Anfrage in Suchmaschinen lohnt sich.
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