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Er wurde 88 Jahre alt

Schwule Kunstikone David Hockney ist tot

Die Kunstwelt verliert ein Genie, die queere Community einen ihrer mutigsten Pioniere: David Hockney ist im Alter von 88 Jahren in London gestorben.


David Hockney 2016 bei der Frankfurter Buchmesse (Bild: IMAGO / Hoffmann)

Der britische Maler, Grafiker und Fotograf David Hockney ist tot. Wie seine Publizistin Erica Bolton am Freitag mitteilte, starb der Künstler am Vortag nur wenige Wochen vor seinem 89. Geburtstag. Er sei "friedlich zu Hause" in seiner Londoner Wohnung eingeschlafen. Hockney galt als einer der einflussreichsten und populärsten Künstler der Gegenwart und als prägende Figur der Pop-Art. Für die queere Community war er zudem ein Pionier, der homosexuelles Begehren und queeren Alltag zu einer Zeit selbstverständlich auf die Leinwand brachte, als Homosexualität in seiner britischen Heimat noch strafbar war.

Geboren 1937 im englischen Bradford, zog es Hockney nach seinem Studium am Londoner Royal College of Art in den Sechzigerjahren nach Südkalifornien. In Los Angeles fand er nicht nur das gleißende Licht und die Swimmingpools, die zu seinem Markenzeichen werden sollten, sondern auch eine spürbare gesellschaftliche Befreiung vom Muff der britischen Gesellschaft.

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Während die Kunstwelt der Ära von abstrakten Strömungen dominiert wurde, entschied sich Hockney ganz bewusst für die figurative Malerei – und für eine radikale Offenheit. Schon in seinen frühen Londoner Arbeiten verarbeitete er homoerotische Themen und Gedichte von Konstantinos Kavafis. In Kalifornien schuf er schließlich Meisterwerke wie "Peter Getting Out of Nick's Pool" (1966) oder das weltberühmte Doppelporträt "Christopher Isherwood and Don Bachardy" (1968). Hockneys Darstellungen von schwulen Männern in häuslichen, intimen oder alltäglichen Situationen verzichteten auf das damals übliche Pathos von Schuld oder Tragik. Er zeigte queeres Leben mit einer bis dato ungekannten, feierlichen Selbstverständlichkeit.


Hockneys Werk "Peter Getting Out of Nick's Pool"

Pop-Art, Rekorde und digitale Pionierarbeit

Hockney blieb bis ins hohe Alter stilistisch extrem wandlungsfähig. Er experimentierte mit Fotocollagen, Bühnenbildern für die Oper und war einer der ersten weltweit renommierten Künstler, die das iPad als vollwertiges Medium für die Malerei entdeckten.

/ SkyNews

Auch auf dem Kunstmarkt brach er Rekorde: Sein Gemälde "Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)", das ebenfalls seinen damaligen Lebensgefährten Peter Schlesinger zeigt, wurde 2018 für über 90 Millionen US-Dollar versteigert (queer.de berichtete). Bis heute hat kein anderes Bild eines lebenden Künstlers so viel Geld eingebracht.


Hockneys "Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)" (Bild: Christie's)

Mit David Hockney verliert die Kunstwelt und die queere Kulturgeschichte eine ihrer mutigsten und farbenfrohsten Stimmen, der sich selbst wenig aus Ruhm und Pomp machte. So lehnte er mehrfach ein Angebot von Königin Elisabeth II. ab, zum Ritter geschlagen zu werden – eine Einladung, ein Porträt der Queen zu malen, ließ er ebenfalls liegen. Später sagte er darüber: "Ich glaube nicht, dass es im Leben um Preise geht. Ich lege sie alle in die unterste Schublade und lasse sie dort liegen. Ich lege keinen Wert auf Preise jeglicher Art. Ich schätze meine Freunde." (cw)

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