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Florida

Attentat auf "Pulse"-Club mit 49 Toten jährt sich zum zehnten Mal

Vor zehn Jahren tötete ein islamistischer Attentäter im queeren Club "Pulse" 49 Menschen und anschließend sich selbst. Heute erinnern queere Organisationen an den schlimmsten Anschlag auf die queere Community.


Das "Pulse"-Schild und das Club-Gebäude wurde vor zwei Monaten abgerissen (Bild: flickr / Daniel Ruyter / by 2.0)

Am Freitag jährt sich zum zehnten Mal der Terroranschlag auf den queeren Nachtclub "Pulse" im amerikanischen Orlando. Angehörige und Aktivist*­innen gedenken weltweit der Opfer. Bei dem Attentat am 12. Juni 2016 hatte ein schwer bewaffneter Angreifer während einer "Latin Night" 49 Menschen getötet und 53 weitere verletzt (queer.de berichtete). Es handelte sich zum damaligen Zeitpunkt um das tödlichste Schusswaffen-Attentat eines Einzeltäters in der modernen US-Geschichte. Die meisten der Opfer waren junge Menschen aus der lateinamerikanischen Community. Ein Jahrzehnt nach der Tat ist der Anschlag weiterhin ein zentraler Bezugspunkt in den Debatten über Hass­kriminalität, Waffenrecht und den Schutz queerer Räume.

Der 29-jährige Attentäter hatte sich in den frühen Morgenstunden Zugang zu dem gut besuchten Club verschafft, Geiseln genommen und das Feuer eröffnet, bevor er nach einer dreistündigen Belagerung von einer Spezialeinheit der Polizei erschossen wurde. Der Täter hatte sich während der Tat zum Islamischen Staat (IS) bekannt. Er erklärte, dass die Tat eine Vergeltung für die US-Luftangriffe im Irak und in Syrien sei. Unklar ist bis heute, ob er aus Queer­feindlichkeit das Pulse ausgewählt hatte oder weil dort die Sicherheitsmaßnahmen schwächer waren als an anderen belebten Orten.

Facebook | Die Community erinnert in Orlando an den zehnten Jahrestag
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Unmittelbar nach der Tat bildete sich die Solidaritätsbewegung "Orlando United". Gleichzeitig entbrannten kontroverse Debatten: Während queere Verbände und linkliberale Politiker schärfere Waffengesetze sowie Maßnahmen gegen queer­feindliche Hetze forderten, fokussierten sich konservative Kreise primär auf den islamistischen Hintergrund des Täters, einem US- und afghanischen Doppelstaatsbürger.

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Mahnmal soll 2027 eröffnet werden

Die juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung der Tat zieht sich bis in die Gegenwart. Die Stadt Orlando hat das Gelände inzwischen aufgekauft, um ein kommunales Mahnmal zu errichten. Im März wurde das Club-Gebäude sowie ein Nachbargebäude vollständig abgerissen und das Gelände eingeebnet. An der Stelle soll ein permanentes Denkmal entstehen. Die Planungsarbeiten hatten sich in den letzten Jahren verzögert. Der aktuelle Entwurf sieht ein Spiegelbecken, eine elliptische Anlage mit einzelnen Gedenkpfeilern für die 49 Todesopfer, einen leuchtenden Turm, der optisch an das alte Pulse-Schild erinnert, sowie ein Besucherpavillon vor. Die geplante feierliche Eröffnung ist für Ende 2027 anberaumt.


So soll das Mahnmal einmal aussehen (Bild: pulseorlando.org)

Der Florida-Gouverneur Ron DeSantis will hingegen die Erinnerung an den Anschlag unterdrücken: Letztes Jahr ordnete seine Regierung an, einen in Abstimmung mit dem Bundesstaat errichteten Gedenk-Zebrastreifen für Opfer des "Pulse"-Attentats übermalen zu lassen (queer.de berichtete). Der Republikaner DeSantis ist für seine Queerfeindlichkeit berüchtigt und hat seit seinem Amtsantritt mehrere gegen die Community gerichtete Gesetze unterzeichnet, darunter das "Don't say gay"-Gesetz (queer.de berichtete).

Queere Organisationen fordern Konsequenzen

LGBTI-Organisationen forderten angesichts des zehnten Jahrestags endlich Konsequenzen aus dem Attentat. "Heute vor 10 Jahren erlitt unsere Community im 'Pulse'-Nachtclub eine unfassbare Tragödie, als wir während der 'Latin Night' 49 wunderschöne Seelen verloren haben", erklärte die Human Rights Campaign, die größte queere Organsation der USA, auf Facebook. "Heute widmen wir uns aufs Neue dem Kampf für Gleichberechtigung und dafür, dass unsere Gemeinschaft ohne Angst aufblühen kann. Denn eine vernünftige Reform der Waffengesetze ist ein LGBTQ+-Thema."

"Wir müssen die 49 Opfer mit Taten ehren", forderte auch die lokale LGBTI-Organisation Equality Florida. "Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist Florida sowohl zum Epizentrum von Anti-LGBTQ-Angriffen als auch zur vordersten Front des Widerstands dagegen geworden. Immer und immer wieder haben LGBTQ-Floridianer und unsere Verbündeten reagiert, indem sie sich organisiert, starkgemacht und füreinander eingestanden haben. Wir haben Trauer in Entschlossenheit und Schmerz in Fortschritt verwandelt." Dazu veröffentlichte die Organisation Fotos aller 49 Todesopfer. (dk)

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