Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?58362

Ostdeutschland

CSDs in Thüringen: Die Unbeschwertheit ist weg

Auch in Thüringen werden Christopher Street Days von steigenden Anfeindungen begleitet. Warum sich Organisator*innen dennoch für mehr Akzeptanz einsetzen und welche Herausforderungen sie sehen.


Archivbild: Menschen beim CSD Ilmenau 2025 (Bild: IMAGO / Müller-Stauffenberg)

Auch in Thüringen laufen die Vorbereitungen für die diesjährigen Christopher Street Days (CSDs). Bis in den Spätsommer hinein sind im Freistaat insgesamt 13 Veranstaltungen geplant – zudem ein Dyke March in Weimar, um für lesbische Sichtbarkeit zu demonstrieren.

Neben Städten wie Jena (20. Juni), Weimar (27. Juni) und Erfurt (5. September) gibt und gab es Regenbogen-Paraden auch in kleineren Kommunen wie Neustadt/Orla, Sonneberg, Suhl oder Mühlhausen.

"Das Ziel ist es, mehr Akzeptanz für queere Personen aufzubauen, damit sich niemand verstecken muss", sagte Matthias Gothe vom Verein QueerWeg in Jena.

Die Organisator*innen sehen sich dabei zunehmenden Herausforderungen gegenüber. Eines der größten Probleme sei die zunehmende Bedrohung vor allem aus dem rechtsextremen Spektrum, hieß es etwa von den Sprechern des CSD Gera, Mühlhausen, Weimar und Erfurt.

"Für unseren CSD in Mühlhausen macht uns die teilweise gegen uns aufgehetzte Stimmung Sorgen", sagte eine Sprecherin des Orga-Teams. "Allerdings bekommen wir auch viel Zuspruch und Unterstützung – was umso mehr zeigt, dass unser Engagement richtig ist."

- Werbung -

Wenn Sichtbarkeit Schutz braucht

Vor allem die kleineren CSDs seien unverhältnismäßig stark von Störungen und Anfeindungen betroffen, sagte Gothe vom Jenaer Verein. Im vergangenen Jahr habe es bei zehn der elf Demos für die Rechte queere Menschen im Freistaat Zwischenfälle in Form von Beschimpfungen oder gar Übergriffen gegeben. "Dieses Problem ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen."

Dies wirke sich auch auf die Teilnehmer*innen aus, so Gothe. Während einige aus Angst fernblieben, gebe es auch immer wieder Menschen, die sich selbst nicht als queer definierten, aber sich aus Solidarität an den friedlichen Demonstrationen beteiligten.

Vor allem die An- und Abreise der Teilnehmer*innen geschehe aus Angst vor Anfeindungen mittlerweile oft in Gruppen oder "inkognito". Bei den LGBTI-Demonstrationen selbst würden inzwischen auch Sicherheitskonzepte erstellt, sagte Gothe. "Das ist eine neue Dimension, die es früher nicht gab."

Teilweise sorgen auch ausbleibende Hilfen bei der Finanzierung für Probleme. Unter anderem für den CSD in Gera gebe es mittlerweile keine finanzielle Unterstützung durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" mehr. Während dieser Ausfall in anderen Städten durch Spenden habe aufgefangen werden können, sei das in Gera deutlich schwieriger, hieß es aus dem Vorstand.

In Weimar kritisieren die Veranstalter*innen eine mangelnde Unterstützung durch die Stadt. Die aktuellen Entwicklungen seien sehr bedauerlich, meinte Gothe. "Die Unbeschwertheit ist teilweise verschwunden. Es gibt mehr Bedenken und Vorsicht."

Vom Protest zur festen Tradition

Den ersten CSD im Freistaat gab es laut Gothe 1999 in Jena. Die dortige Veranstaltung ist auch die größte ihrer Art in Thüringen. Neben den Umzügen finden im Zuge der CSDs in Thüringen auch Lesungen, Workshops oder andere Veranstaltungen statt.

Der CSD erinnert an die Aufstände der queeren Community in der Christopher Street in New York City (USA) von 1969 und steht für die Sichtbarmachung und Gleichstellung queerer Menschen. Die deutschlandweite CSD-Saison 2026 begann bereits am 11. April in Angermünde (queer.de berichtete). Den Abschluss bilden Emmendingen, Herzogenaurach, Kaiserlautern, Landshut und Stendal am 26. September. Alle CSD-Termine 2026 gibt es hier. (cw/dpa)

-w-

-w-

-w-