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Köthen

Eine linke Bürgermeisterin auf Kriegsfuß mit dem CSD

Im vergangenen Jahr ließ die Stadt Köthen beim CSD den Strom abstellen, Oberbürgermeisterin Christina Buchheim (Die Linke) stellte Strafanzeige gegen die Organisator*innen. Jetzt läuft die Planung für den Pride 2026 auf Hochtouren – mit andauernden Spannungen.


Menschen beim CSD Köthen 2025 (Bild: Ferdinand Uhl)

In vielen deutschen Städten sehen sich CSD-Veranstaltungen mit rechtsextremen Gegenprotesten konfrontiert. Auch in Köthen in Sachsen-Anhalt. 2024 gab es am Tag vor dem Pride einen Buttersäure-Anschlag mutmaßlich von Mitgliedern der Neonazi-Partei "Der III. Weg" (queer.de berichtete). Statt Unterstützung gab es von den Behörden ein Jahr später Schikanen: 2025 sprach der Landkreis ein Verbot von Toilettenwagen und Versorgungsständen aus, das Ordnungsamt stellte am Veranstaltungstag sogar den Strom ab (queer.de berichtete).

Auch Köthens Oberbürgermeisterin Christina Buchheim will mit dem CSD nichts zu tun haben. Die ehemalige Landtagsabgeordnete gehört nicht der CDU oder der AfD an, sondern der Linken. Gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung" (Bezahlartikel) stellte Buchheim im Dezember 2025 klar, mit den Pride-Veranstalter*­innen nicht einmal mehr reden zu wollen. Die hatten zuvor um ein Gespräch gebeten. "Die Auseinandersetzung mit der Stadt Köthen ist weiterhin nicht abgeschlossen", drückt es Mitorganisator Falko Jentsch gegenüber queer.de diplomatisch aus.

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Linke Oberbürgermeisterin erstattete Strafanzeige


Christina Buchheim ist seit Juli 2023 Bürgermeisterin von Köthen (Bild: Steffen Prößdorf / wikipedia)

Jentsch war im September 2025 zusammen mit Julian Miethig von der linken Oberbürgermeisterin wegen übler Nachrede und Verleumdung angezeigt worden (queer.de berichtete). Hintergrund war der Streit über die Auflagen für den CSD Köthen im letzten Juli. Nachdem der Landkreis ein Verbot von Toilettenwagen und Versorgungsständen verhängt hatte, reichten die Organisator*­innenen dagegen Klage ein – mit Erfolg. In einem Instagram-Post kritisierten sie Schikane, bürokratische Hürden und fehlende Kooperationsbereitschaft bei Ordnungsbehörden, der Stadt Köthen und dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Die Stadt widersprach und erklärte laut MDR, eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem CSD auszuschließen. Einige Wochen später folgten die Strafanzeigen gegen Falko Jentsch und Julian Miethig.

Zu einer Anklage kam es nicht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden bereits im Januar eingestellt, dennoch erwarten die beiden Pride-Organisatoren weiterhin keine konstruktive Unterstützung von Seiten der Stadt. In einer Region, die für queere Menschen kaum Räume bietet, kämpfe der frisch gegründete Verein CSD Köthen e.V. allein um Sichtbarkeit und Orte der Community. Das sei jedoch "keine völlig neue Situation", so Jentsch – auch bei den ersten beiden CSDs in Köthen habe es "keine echte Zusammenarbeit" gegeben.

Für die beiden Organisatoren setzt sich damit der Eindruck fort, dass die Anzeigen vor allem als Druckmittel und der öffentlichen Diskreditierung dienen sollten. Aus diesem Grund läuft auch ihre eigene Klage gegen die Stadtverwaltung weiter – eine Fortsetzungsfeststellungsklage vor dem Verwaltungsgericht Halle, um gerichtlich klären zu lassen, ob die Auflagen für den CSD Köthen 2025 zulässig waren. Die Stadtverwaltung hätte eine ordnungsgemäße Prüfung der Sondernutzung durch den CSD durchführen müssen, argumentieren Jentsch und Miethig. Der Ausgang des Verfahrens ist offen.

Gerne hätten wir mit Christina Buchheim über den destruktiven Streit in ihrer Stadt und einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation gesprochen. Auf eine schriftliche sowie vier telefonische Anfragen von queer.de hat die Oberbürgermeisterin leider nicht reagiert.

Trotz allem: Volles Programm rund um den CSD Köthen

Von den Konflikten im letzten Jahr lässt sich der CSD Köthen indes nicht aufhalten. Schon im September letzten Jahr meldeten Falko Jentsch und Julian Miethig ein Pride-Festival für den 11. Juli 2026 an. Los gehten soll es um 12 Uhr auf dem Marktplatz Köthen, wo auch dieses Jahr das Straßenfest mit anschließender Demonstration geplant ist – unter welchen Auflagen, ist noch unklar. Darüber hinaus findet eine Aktionswoche statt, die queere Themen sichtbar machen und Menschen in Köthen und Umgebung erreichen soll (zum Programm). Neben Falko Jentsch und Julian Miethig engagiert sich mittlerweile ein Dutzend weiterer Menschen in der Planung.

Zwar sei die größte Unsicherheit aus Sicht der Organisator*innen weiterhin der Umgang von Stadt und Landkreis mit der angemeldeten Veranstaltung. Gleichzeitig mache man seine Arbeit nicht davon abhängig, so Jentsch: "Der CSD Köthen entsteht aus der Community heraus."

Der CSD 2026 steht unter dem Motto "Trotz Widerstand – Vielfalt gewinnt".

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