https://queer.de/?58404
"Einseitige Darstellung dient nur der Stimmungsmache"
CSD Offenbach zu queerfeindlicher Gewalt: Nicht Herkunft der Täter entscheidend
Angesichts neuer schwulenfeindlicher Gewalt in Offenbach erklären die Veranstalter*innen des ersten CSDs, dass der einseitige Blick auf die potenzielle Herkunft der Täter nicht hilfreich sei.

Symbolbild: In Offenbach kam es zu Attacken auf Nutzer schwuler Dating-Apps (Bild: Gemini)
- 16. Juni 2026, 12:59h 2 Min.
Der in diesem Jahr neu gegründete CSD Offenbach appelliert an die Öffentlichkeit, angesichts steigender Zahlen queerfeindlicher Gewalt nicht in rassistische Denkmuster zu verfallen. Anlass ist, dass in der 133.000 Einwohner*innen zählenden Großstadt kürzlich mehrere schwule Männer offenbar gezielt über Dating-Apps in Hinterhalte gelockt und brutal angegriffen wurden (queer.de berichtete). Die Täter sollen zwischen 15 und 20 Jahre alt sein und laut Polizei einem "arabischen oder südländischen Phänotyp" entsprechen (Phänotyp ist eine Umschreibung für das äußere Erscheinungsbild einer Person).
"Dies ist kein Problem, das sich mit der Herkunft der Täter erklären lässt. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und muss auch so angegangen werden", erklärte Mars Weikert, der stellvertretende Vorsitzende des CSD Offenbach. "Die Herkunft der Täter spielt eine untergeordnete Rolle. Das zeigen auch die Statistiken der Polizei. Eine einseitige Darstellung dient nur der Stimmungsmache."
Hendrik Klemme, der Chef des CSD Offenbach, forderte die Politik auf, Projekte zu fördern, "die queere Lebensmodelle in der Gesellschaft sichtbar und normal machen". Aufklärung an Schulen wäre etwa ein "wichtiger Schritt".
Großteil der queerfeindlichen Hasskriminalität ist rechtsmotiviert
Im vergangenen Jahr hat queerfeindliche Hasskriminalität in Deutschland laut der gerade veröffentlichten Statistik des Bundesinnenministeriums und des Bundeskriminalamts deutlich zugenommen (queer.de berichtete). Die Gefahr geht demnach zu einem sehr großen Teil von Rechtsextremismus aus: Von den Taten, die einer Ideologie zugeordnet werden konnten, waren im Bereich "sexuelle Orientierung" 84 Prozent rechtsmotiviert, im Bereich "geschlechtsbezogene Diversität" sogar 89 Prozent. Eine ausländische Ideologie wurde lediglich in sieben bzw. vier Prozent der Fälle vermerkt.
Der CSD Offenbach wurde erst Mitte Mai gegründet. Der erste Pride wird am 19. September stattfinden. Die CSD-Demo soll um 13 Uhr beginnen. (cw)
Mehr zum Thema:
» Alle CSD-Termine 2026 auf queer.de













