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"Sebastian" ist zurück

US-Schauspieler Simon Rex: Schwule Pornovergangenheit erobert Social Media

Viele kennen US-Schauspieler Simon Rex aus den "Scary Movie"-Filmen. Doch er hatte zu Beginn seiner Karriere Anfang der Neunziger auch Sex-Videos für schwule Fans gedreht. Jetzt tauchen diese Frühwerke plötzlich wieder auf Social Media auf.


Simon Rex machte als 19-Jähriger einen Ausflug in die schwule Pornografie (Bild: Gabriel Hutchinson / Wikipedia, X)

Manchmal holt die digitale Realität die Vergangenheit mit großer Wucht ein – so auch die des 51-jährigen US-Schauspielers Simon Rex. Es ist Sommer 2026, und auf den Bildschirmen vieler Schwuler ploppt sein vertrautes Gesicht plötzlich in denkbar intimen Posen auf. Der Mann, der als MTV-VJ Teenie-Herzen brach, in "Scary Movie" den liebenswerten Trottel mimte und 2021 mit dem Indie-Meisterwerk "Red Rocket" eine triumphale cineastische Wiedergeburt feierte, ist im Internet mal wieder im Trend. Der Grund? Über 30 Jahre alten Sex-Szenen für das schwule Adult-Entertainment-Studio "Club 1821". Das Social-Media-Portal X ist plötzlich voll von Nacktbildern und Rubbel-Videoszenen des 1974 geborenen Schauspielers.


Diese Bilder von Simon Rex geistern durch Social Media (Bild: X)

Woher kommen die Bilder? Wir schreiben das Jahr 1993. Ein 19-jähriger (heterosexueller) Simon Rex zieht nach Los Angeles, ist pleite und steht kurz vor dem Rauswurf aus seiner Wohnung. Unter dem Pseudonym "Sebastian" nimmt er ein Angebot des Fotografen Brad Posey an. Er zieht sich aus. Es folgen drei Videos (Young, Hard & Solo #2 & #3, sowie Hot Sessions III). Die Videos beinhalten keine Interaktion mit anderen Männern, sondern reine Solo-Masturbation, vermarktet für ein schwules Publikum.

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MTV war besorgt

Heutzutage wäre so ein Video wohl eine klassische Gen-Z-OnlyFans-Story. Damals war es das potenzielle Ende jeder Mainstream-Karriere. "Ich dachte, ich könnte vier Pornofilme drehen, berühmt werden und in einer Welt leben, in der diese Vergangenheit nicht ans Licht kommt", so erinnerte sich Rex bei einer Pressetour an seine damalige Naivität. Weiter erklärte er: "Ich dachte damals nicht, dass es ein Internet geben würde, also dachte ich, ich könnte diese Dinge einfach tun und niemand würde es je herausfinden. Schnitt zu zehn Jahren später, und es läuft auf einem Bildschirm vor den MTV-Chefs."

Damit spielt Rex auf die Zeit nach seiner Entdeckung im Mainstream-Entertainment-Business der USA an: Als er zwei Jahre nach dem Porno-Dreh als MTV-VJ durchstartete, zitierte ihn der Musiksender schnell zum Krisengespräch. Die Studiobosse fragten damals laut Rex mit ernster Miene, ob er Sex mit anderen Männern gehabt habe. Da es "nur" Solo-Szenen waren, durfte er bleiben. Doch das Stigma klebte an ihm fortan wie billiges Gleitmittel. Er erhielt zwar noch Jobs in Hollywood, allerdings keine großen Rollen.

Wenn das Leben das Drehbuch schreibt

Dass wir heute im Jahr 2026 überhaupt wieder über "Sebastian" sprechen, liegt an einer der faszinierendsten popkulturellen Schleifen der letzten Jahre. 2021 castete Regisseur Sean Baker Rex für den Film "Red Rocket". Die Rolle? Mikey Saber, ein abgehalfterter, narzisstischer Pornostar, der mittellos in seine texanische Heimatstadt zurückkehrt und sich durchs Leben schnorrt.

Rex spielte im Grunde das Zerrbild dessen, was aus ihm hätte werden können. Der Film brachte ihm den Durchbruch als Charakterdarsteller und stehende Ovationen in Cannes. Im Interview mit dem "Guardian" gab Rex offen zu, dass seine reale Vorgeschichte der beste PR-Motor für den Film war: "Sean erzählte mir: 'Ich habe dich wegen deines Talents besetzt, aber es gibt definitiv eine Meta-Ebene mit deiner Hintergrundgeschichte.' Ich bin okay damit." Nun hat auch die Generation TikTok dank alten VHS-Rips von Rex' Videos diese Hintergrundgeschichte für sich entdeckt.

In dem Buch "Idol Worship: A Shameless Celebration of Male Beauty in the Movies" aus dem Jahr 2004 wird übrigens eine Szene beschrieben, die heute auf Social Media viel diskutiert wird. Nach dem Ende eines seiner Solos – sichtlich erschöpft und offenbar im Glauben, die Kamera liefe nicht mehr – schaut der junge Simon Rex direkt in die Linse und sagt: "Das ist mir egal. Solange mich niemand anfasst, macht es nichts. Ich hoffe nur, das kommt nicht zurück, um mich zu verfolgen, wenn ich erst berühmt bin!" (cw)

Direktlink | Simon Rex in einem "Scary Movie"-Film
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