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San Francisco

Christliche Baseball-Spieler protestieren gegen Pride-Spiel

Ausgerechnet in San Francisco und ausgerechnet am Jahrestag des "Pulse"-Massakers haben Profis einer Baseballmannschaft gegen ein Pride-Spiel protestiert.


Landen Roupp – hier in einem Spiel im Mai – gehörte zu jenen Starspielern, die gegen die Pride Night protestierten (Bild: IMAGO / ZUMA Press)

Beim jährlichen "Pride Night"-Spiel des Baseball-Erstligateams San Francisco Giants am Freitag ist es zu einer sichtbaren Protestaktion durch mehrere Spieler des eigenen Teams gekommen. Vier der fünf Pitcher (Bällewerfer) weigerten sich entweder, die offiziellen Kappen mit dem in Regenbogen­farben gestalteten Vereinslogo zu tragen, oder versahen diese mit handschriftlichen religiösen Botschaften, die gegen queere Menschen gerichtet waren.

Die Pitcher Landen Roupp und JT Brubaker und der Reliever (Ersatzbällewerfer) Ryan Walker schrieben gut sichtbar den Verweis auf einen Bibelvers im Ersten Buch Mose (Verse 11-16 oder 12-16) auf die Vorderseite ihrer Kappen, direkt neben das Regenbogen-Logo. In dem Bibelvers verbündet sich Gott mit Noah nach der Sintflut und gibt dem Überlebenden den Regenbogen als Zeichen: "Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde", heißt es in Vers 13. Das Zitat steht als sichtbares Versprechen Gottes, dass die Erde nie wieder durch eine Flut zerstört wird. In der christlich-konservativen Community in den USA wird genau dieser Verweis gezielt genutzt, um zu signalisieren, dass der Regenbogen rein als religiöses Symbol Gottes zu verstehen sei – und queere Menschen das eigentlich göttliche Symbol missbrauchten.

/ JonnyRoot_ | Queer­feindliche christliche Aktivist*­innen feierten die Aktion der Spieler

Reliever Sam Hentges verzichtete sogar komplett auf das Pride-Modell und lief stattdessen mit der regulären orangefarbenen Vereinskappe auf. Er ist der erste Spieler der Giants seit Einführung der Regenbogen-Trikotelemente im Jahr 2021, der das Tragen der Pride-Kappe verweigerte.

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Roupp: Hinter Aktion stehe "keinerlei Hass"

Nach dem Spiel, das die Giants mit 1:5 gegen die Chicago Cubs verloren, äußerte sich Startwerfer Landen Roupp zu der Aktion. Er betonte, es stehe "keinerlei Hass" dahinter, sondern es gehe ihm lediglich darum, "wofür ich einstehe".

Die San Francisco Giants galten in der Major League Baseball (MLB) historisch als Vorreiter bei der Unterstützung der queeren Community. Sie waren 2011 das erste Profiteam, das sich am queeren Anti-Mobbing-Projekt "It Gets Better" beteiligte, und integrierten 2021 als erstes MLB-Team dauerhaft Regenbogenfarben in ihre Spielkleidung für die Pride Night, die ausschließlich im Pride Month Juni stattfindet. Inzwischen haben fast alle Baseball-Erstligisten derartige Pride Nights etabliert.

Das Nachrichtenportal SFGATE berichtete, dass es nun Pläne für Protestaktionen bei den nächsten Giants-Spielen geben werde. Es zitierte auch den langjährige Giants-Fan William Ferreira mit den Worten: "Ich denke, die San Francisco Giants sind eine Institution in San Francisco und ein sehr prominenter Teil der Community hier. Wenn man für die Giants arbeitet, hat man meiner Meinung nach eine gewisse Pflicht oder Verpflichtung, sich darüber auszutauschen, wie man die Menschen in San Francisco repräsentiert, die das Team unterstützen."

Schwuler Senator kritisiert Spieler

Kritik gab es auch vom offen schwulen kalifornischen Landessenator Scott Wiener: Er erklärte, dieser Protest der christlichen Spieler sei besonders hinterhältig gewesen, weil er ausgerechnet am zehnten Jahrestag des Massakers im queeren "Pulse"-Nachtclub mit 49 Toten vorgefallen sei. "Um es klarzustellen: Diese Spieler hätten den Regenbogen-Bibelvers an jedem der anderen 364 Tage des Jahres zitieren können", schrieb der in San Francisco lebende Politiker auf X.

Die Giants-PR-Abteilung veröffentlichte unterdessen eine Standard-Pressemitteilung, in der sie die Spieler wegen ihrer offensichtlich homosexuellenfeindlichen Aktion nicht verurteilten: "Wir verstehen, dass die Entscheidungen einzelner Spieler bei vielen in der LGBTQ+-Community Schmerz und Wut ausgelöst haben, und das tut uns leid. Diese Entscheidungen ändern nichts an dem Engagement unserer Organisation für Inklusion, Zugehörigkeit und die Schaffung eines einladenden Umfelds für alle.

MLB verwarnt Spieler

Immerhin: Laut "Outsports" hat die Führung der Major League Baseball die drei Spieler, die Bibel-Botschaften auf ihre Kappen geschrieben haben, vor Strafen gewarnt, sollten sie die Aktion wiederholen: "Die Beschriftung auf der Kappe verstößt gegen unsere Regeln, und in Übereinstimmung mit der üblichen Praxis haben wir die Spieler vor zukünftigen Verstößen gewarnt", erklärte MLB-Pressesprecher Pat Courtney gegenüber "Outsports".

Christliche Queerfeindlichkeit auch im deutschen Sport

Auch in Deutschland haben sich christliche Sportler in der Vergangenheit abfällig über queere Menschen geäußert. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha teilte etwa 2023 ein transphobes Video eines amerikanischen Rechtsextremisten (queer.de berichtete). Da er ein guter Spieler ist, redete sein neuer Verein Borussia Dortmund die Queerfeindlichkeit seines Star klein (queer.de berichtete).

Nach einem guten Spiel Nmechas bei dem WM-Spiel Deutschlands gegen Curaçao teilte der 25-Jährige ebenfalls religiös-evangelikale Botschaften ("Thank you Jesus!"), allerdings ohne queerfeindlichen Bezug. Von Rechten wurde er dafür gefeiert. Die queerfeindliche AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch zeigte sich auf Social Media etwa ganz entzückt: "Deutsche Nationalspieler im Namen des Herrn. Es geschehen noch Zeichen und Wunder." (cw)

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