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Auch Deutsche dabei
1.100 Menschen haben 2025 nach Bekenntnis zu "traditionellen Werten" Russland-Visum erhalten
Das Putin-Regime wirbt mit Verweis auf seine queerfeindliche Politik gezielt Menschen aus dem Ausland an. Im letzten Jahr nahmen mehr als 1.100 Menschen offenbar die Einladung an.

Wladimir Putin sucht nach ausländischen Heterosexuellen, die gerne nach Russland ziehen würden (Bild: Wikipedia / Кремль)
- 17. Juni 2026, 16:57h 3 Min.
Russland hat offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr mehr als 1.100 Ausländer*innen Visa ausgestellt, nachdem sie sich zu "traditionellen russischen Werten" bekannt hatten. 2025 hätten insgesamt 1.112 Menschen über einen entsprechenden Erlass des russischen Präsidenten Wladimir Putin Einreisevisa erhalten, sagte der Direktor der Konsularabteilung im russischen Außenministerium, Alexej Klimow, laut einem Bericht der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti vom Mittwoch.
Ein Erlass Putins aus dem Jahr 2024 bietet "humanitäre Unterstützung" und Einreisevisa für Menschen aus einer bestimmten Gruppe von Ländern an, die "eine destruktive neoliberale ideologische Politik verfolgen, die im Widerspruch zu traditionellen russischen geistigen und moralischen Werten" stünden. Dem Erlass zufolge können sich Bürger der betroffenen Länder nach der Einreise um einen Aufenthaltstitel in Russland bewerben.
168 Deutsche nach Russland umgezogen
Die meisten dieser Länder liegen in Europa, zu ihnen zählen aber auch die USA, Japan, Südkorea oder Neuseeland. 2025 wurden den Angaben zufolge insgesamt 168 dieser Visa an deutsche Staatsbürger*innen vergeben, die damit an erster Stelle standen. Danach folgten Französ*innen mit 140 und dann US-Bürger*innen mit 105 erhaltenen Visa.
Unter den Visumsempfänger*innen waren den Angaben zufolge auch Bürger aus Italien, den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und Australien. Wie viele von ihnen sich noch in Russland aufhielten, teilte Klimow nicht mit.
Putin hatte sich kürzlich positiv über das Programm geäußert. "In mehreren Ländern wird leider versucht, traditionelle Familienwerte abzuschaffen", sagte er bei einer Preisverleihung für den Erhalt sogenannter Familienwerte. "Und wir werden diejenigen unterstützen, die wegen dieses Drucks nach Russland kommen, um hier zu leben, zu arbeiten und um ihre Kinder zu erziehen."
Putin brandmarkt seit langem alles, was nicht seinem Verständnis "traditioneller Familienwerte" entspricht, als unrussisch – das schließt insbesondere queere Menschen ein. Er wertet deren Akzeptanz als Zeichen westlicher Dekadenz.
Mit dem Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Jahr 2022 hat Moskau seine Kampagne gegen "schädliche Ideologie" aus dem Westen noch verstärkt. Ende 2022 wurde etwa das Gesetz gegen sogenannte "LGBT-Propaganda" noch verschärft (queer.de berichtete).
Realität von Ausgewanderten: Ab an die Front
Zu den Ausgewanderten gehörte unter anderem die christliche Familie Huffman aus Texas, die unter anderem als Grund für ihren Umzug angegeben hatte, dass es in den USA Aufklärung über queere Menschen an Schulen gibt. Das Ehepaar zog mit drei Kindern in die Nähe von Moskau. Dann kam allerdings eine Überraschung: Der 46-jährige Derek Huffman wurde direkt zum Militärdienst eingezogen. Eigentlich wurde dem Mann, der kein Russisch sprach und keinerlei militärische Vorerfahrung hatte, versprochen, nicht in den Krieg ziehen zu müssen.
Die Realität sah anders aus: Nach nur rund drei Wochen Basistraining wurde seine Einheit aus ausländischen "Freiwilligen" direkt in Richtung der ukrainischen Front verlegt. Seine Ehefrau DeAnna postete daraufhin ein emotionales (später gelöschtes) Video in den sozialen Medien, in dem sie um Gebete bat und sagte, ihr Mann fühle sich, "als ob er den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird". Trotz des dramatischen Starts überlebte Derek die ersten Einsätze. (AFP/cw)














