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Sachsen
"Das Patriarchat muss brennen!": Diskussion über Motto des CSD Freiberg
Ein CSD-Motto über den Kampf gegen das Patriarchat im tiefsten Sachsen hat nicht nur Fans: Das Motto sei zu martialisch und zu theoretisch für den CSD einer kleinen Stadt. Die Organisator*innen sehen das anders.

Der CSD in Freiberg findet am 11. Juli statt (Bild: Instagram / CSD Freiberg)
- 19. Juni 2026, 11:11h 4 Min.
Der CSD im mittelsächsischen Freiberg hat mit seinem diesjährigen Pride-Motto "Farbe bekennen – das Patriarchat muss brennen!" Diskussionen ausgelöst. Das vom ehrenamtlichen Bündnis "Buntes Freiberg" bereits im April vorgestellte Motto soll Ungleichheiten, die im politischen System angelegt sind, und traditionelle Geschlechterrollen hinterfragen. Die Pride-Demo soll am 11. Juli stattfinden.
Die Organisator*innen des CSD in der 41.000 Einwohner*innen zählenden Universitätsstadt erklärten, das Patriarchat – also die Dominanz von Männern in Familie, Politik, Wirtschaft und Kultur – sei keine abstrakte Theorie, sondern ein gemeinsames Fundament, auf dem Frauen, inter, nichtbinäre und trans Personen gleichermaßen Marginalisierung erfahren würden. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen zur Ankündigung heißt es dazu: "Wir wollen gemeinsam zeigen, dass unsere Kämpfe miteinander verknüpft sind und wir uns nicht spalten lassen." Mit dem Motto wollen die Organisator*innen systematische Ursachenforschung von verschiedenen Formen von Diskriminierung – etwa auch Rassismus oder Klassismus – in den Vordergrund rücken. Dieser Ansatz wird als Intersektionalität bezeichnet.
Neben viel Zuspruch aus der queeren Szene und den transfreundlichen Teilen der feministischen Bewegung formiert sich jedoch auch inhaltliche Kritik an der Schwerpunktsetzung. "Finde das Motto viel zu theoretisch und sperrig für eine Kleinstadt. Damit holt man die Leute, die man eigentlich aufklären will, überhaupt nicht ab", kritisierte eine Person auf Instagram das Motto. Auch der martialische Ton stieß manchen sauer auf: "Ein wundervoller Aufruf zu Gewalt. Was genau soll denn da brennen?"
"Wir fordern damit nicht zu Brandstiftung auf"
Als Reaktion auf die Kritik verteidigte "Buntes Freiberg" das Motto diese Woche: "Wir fordern damit nicht zu Brandstiftung auf. Das wäre auch schwer möglich, da es sich beim Patriarchat nicht um einen physisch existenten Gegenstand handelt, als viel mehr um ein System", schrieb das Bündnis auf Instagram. Dieses System sei "seit ewiger Zeit von Männern perfektioniert" worden, "um Frauen und queere Personen zu unterdrücken und sich selbst die gesellschaftliche Vormachtstellung zu sichern". Diesem System wolle man den Kampf ansagen: "Und ja, dafür braucht es von Zeit zu Zeit auch radikale Sprache, da sich Systeme die auf Gewalt gebaut wurden nicht durch freundliches Zureden beseitigen lassen."
Ein solcher CSD müsse sich "zwangsläufig als antifaschistisch verstehen, "da der Faschismus und Rechtsextremismus in Form der AfD heute mehr als je zuvor gegen die Rechte von Frauen und [queeren Menschen] steht und damit aktiv das System Patriarchat unterstützt". Bei der letzten Bundestagswahl hatte die AfD in Freiberg über 36 Prozent der Stimmen geholt – und damit mehr als CDU, SPD und Grüne zusammen.
Insbesondere der Begriff "Antifaschismus" steht derzeit unter Anfeindungen. Die Trump-Regierung und die AfD betrachten die sogenannte Antifa als "linksterroristisches Netzwerk", obwohl es sich um einen dezentralen Sammelbegriff handelt und nicht um eine Organisation. Mitte-Links-Parteien wie die SPD oder Grünen, die sich voll und ganz zum Antifaschismus als demokratischer Grundhaltung bekennen, haben teilweise Probleme mit dem Label Antifa, weil darunter auch militante, gewaltbereite Gruppen agieren. Zuletzt gab es Kritik aus der SPD am "antifaschistischen" CSD im schleswig-holsteinischen Quickborn, da dieser auch Parteien von der Teilnahme an der Demo ausschloss (queer.de berichtete).
Großstadtmottos weniger spezifisch
Viele große CSDs setzen im Gegensatz zu Freiberg auf Mottos, die allgemeiner den Zusammenhalt in der queeren Community ansprechen oder eher abstrakt vor AfD und Co. warnen. In Köln gibt es den Slogan "Für Queerrechte – Viele. Gemeinsam. Stark!", in Hamburg "Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!" und in Stuttgart "Ohne Uns kein Wir! Füreinander laut, miteinander stark". München setzt unterdessen auf "Unsere Vielfalt. Unsere Stärke". Berlin will mit dem Slogan "Haltung ist hot" vor allem jüngere Menschen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl an die Urnen locken, während Frankfurt/Main mit "Demokratie braucht keine Alternative" vor dem politischen Rechtsextremismus warnt.
Im vergangenen Jahr demonstrieren laut "Buntes Freiberg" rund 750 Menschen bzw. nach Polizeiangaben 550 Menschen unter dem Motto "Vielfalt verteidigen! Glitzer gegen Hass!" beim Freiberger CSD. Eine rechtsextreme Gegendemo kam nach Polizeiangaben auf rund 90 Teilnehmende. Es kam auch zu Zwischenfällen: Eine Rechtsextremisten soll verfassungswidrige Kennzeichen gezeigt haben. Ebenfalls aufseiten der Rechtsextremen seien zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen die Versammlungsauflagen eingeleitet worden. (dk)















