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Norwegen
Bisexuelle Prinzessinnen-Tochter berichtet von "Unsicherheit und Scham"
Maud Angelica Behn spricht über Schwierigkeiten bei ihrem Coming-out. Geholfen hätte ihr damals mehr queere Sichtbarkeit, etwa durch die Regenbogenfahne.
- 24. Juni 2026, 13:39h 3 Min.
Letztes Jahr hatte sich Schriftstellerin und Künstlerin Maud Angelica Behn, die Tochter von Prinzessin Märtha Louise von Norwegen, anlässlich des Pride Month als bisexuell geoutet (queer.de berichtete). In diesem Jahr erzählt die 23-Jährige auf Social Media über ihr Coming-out.
"Als ich ins Teenageralter kam, begann ich, sehr verwirrt darüber zu sein, wer ich war und in wen ich mich verlieben konnte. Ich hatte viele Fragen, spürte Unsicherheit und Scham", erklärte Behn auf Instagram in einem mit Herz- und Regenbogenemojis gespickten Text. Dazu veröffentlichte sie ein Kinderbild von sich.
Weiter schrieb die Nummer vier in der norwegischen Thronfolge: "Es gab eine Zeit, in der ich versuchte, Seiten an mir zu unterdrücken", so Behn. "Es war eine lange Reise, aber mit der Zeit fand ich heraus, dass ich mich in den Wörtern 'queer' und 'bisexuell' sehr wiederfinde. Und nach und nach fing ich an, diese Seiten an mir zu akzeptieren und stolz darauf zu sein! Dass Liebe niemals falsch ist!"
Durch die queere Community habe sie viel Unterstützung erfahren. "Ich hatte großes Glück, tolle Menschen um mich herum zu haben. Leider hat nicht jeder dieses Glück", so Behn weiter.
"Es hätte mir viel bedeutet, schon früh Regenbogenflaggen zu sehen"
Das Mitglied der Königsfamilie appellierte auch, Regenbogenfahne offener zu zeigen, gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen: "Es hätte mir viel bedeutet, schon früh Regenbogenflaggen zu sehen und zu hören, dass es nicht falsch ist, Dinge zu hinterfragen und sich selbst zu finden. Die Regenbogenflagge ist mehr als nur eine Fahne, sie repräsentiert Sicherheit, Stolz und Akzeptanz! Dass man sein kann, wer man ist, und lieben kann, wen man liebt!"
Behns Großvater, der 89-jährige Harald V., ist seit 1991 König von Norwegen. Sie ist die Tochter von Prinzessin Märtha Louise (54) und dem verstorbenen Schriftsteller und Künstler Ari Behn (1972-2019). Inzwischen ist Märtha Louise erneut verheiratet – mit dem 51-jährigen US-Schamanen Durek Verrett, der wie seine Stieftochter offen bisexuell ist (queer.de berichtete). Die Prinzessin, die ihre Tochter stets unterstützt, ist in der Bevölkerung umstritten, weil sie ihren royalen Status für private Geschäftszwecke nutzte und ihr neuer Mann esoterische Verschwörungstheorien verbreitet.
Maud Angelica Behn genießt in der norwegischen Bevölkerung dagegen ein sehr hohes Ansehen, das auch auf eine Trauerrede nach dem Suizid ihres Vaters zurückzuführen ist: Die damals 16-Jährige sprach offen über ihn und psychische Erkrankungen. So sagte sie: "Papa muss so erschöpft gewesen sein, dass er das Gefühl hatte, keinen anderen Ausweg zu haben, als diese Welt zu verlassen. Aber ich glaube, da lag er falsch. Es gibt immer einen Ausweg."
Später arbeitete sie als Künstlerin: Sie veröffentlichte 2021 "Tråder av tårer", eine Sammlung von Gedichten und Illustrationen, die sich mit dem Thema Trauer und Verlust auseinandersetzt. Behn war an dem Werk auch als Illustratorin beteiligt. Im Oktober 2022 trug sie unter anderem drei Ölgemälde zu einer Kunstausstellung im Kulturhaus der 35 Kilometer von Oslo gelegenen Stadt Ås bei. Im Herbst 2022 nahm sie an der dritten Staffel der Musikshow "Maskorama" (norwegische Version von "The Masked Singer") teil.
Im Sommer 2025 brachte Behn gemeinsam mit ihrer Schulfreundin Helena Stålnacke das Buch "Plutselig – personlige fortellinger om ung sorg" (Plötzlich – persönliche Erzählungen über die Trauer junger Menschen) heraus. Da beide im Jugendalter einen Elternteil verloren haben, teilen sie darin ihre persönlichen Erfahrungen, um anderen Betroffenen eine Stütze zu sein und das Tabu rund um das Thema Trauer weiter zu brechen. (cw)















