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CSD Köln
Queere Kunst als Form des Widerstands
Mit ihrer Kulturshow "WeArtHere! – Queer Resistance" schaffen Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic einen Ort, an dem Menschen auf der Bühne zusammenkommen, miteinander essen, lachen, diskutieren und Kunst erleben.

Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic bringen mit "WeArtHere! – Queer Resistance" Kunst, Gespräche und queere Perspektiven auf die Bühne des COMEDIA Theaters (Bild: Carolin Windel)
- 25. Juni 2026, 08:01h 4 Min.
Der ColognePride ist jedes Jahr ein Fest der Vielfalt: Menschen feiern, demonstrieren, tanzen und zeigen, dass queeres Leben selbstverständlich zu unserer Gesellschaft gehört. Doch zwischen Regenbogenflaggen, Partys und politischen Forderungen stellt sich in diesem Jahr auch eine andere Frage: Wie fühlt sich queeres Leben gerade an?
Mit ihrer Kulturshow "WeArtHere! – Queer Resistance" wollen Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic darauf keine fertigen Antworten geben. Stattdessen schaffen sie am Samstag, 4. Juli, im Comedia Theater Köln einen Ort, an dem Menschen auf der Bühne zusammenkommen, miteinander essen, lachen, diskutieren und Kunst erleben.
Das Besondere an "WeArtHere!" ist das Format: Die Künstler*innen sitzen gemeinsam auf der Bühne. Zwischen Musik, Comedy, Spoken Word und Tanz entstehen Gespräche über das Leben, über Erfahrungen und darüber, was Menschen verbindet. Das Publikum ist dabei nicht bloß Zuschauer, sondern Teil eines empowernden Abends.
Kunst als Form des Widerstands
Dass das diesjährige CSD-Special den Titel "Queer Resistance" trägt, ist kein Zufall. "Viele queere Menschen spüren, dass sich die gesellschaftliche Stimmung verändert hat", sagt Oyindamola Alashe. "Seit Jahren erleben wir, dass der Ton rauer wird und queerfeindliche Gewalt zunimmt. Menschen diskutieren plötzlich wieder darüber, ob bestimmte Lebensrealitäten überhaupt sichtbar sein sollten. Das macht etwas mit einem."
Auch Gianni Jovanovic beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. "Viele Menschen erleben im Alltag, dass sie vorsichtiger geworden sind. Manche überlegen sich zweimal, ob sie Händchen haltend durch die Stadt gehen oder auf Dating-Plattformen jemandem vertrauen. Wir hören immer wieder von schwulen Männern, die in Fallen gelockt und überfallen werden – teilweise sogar in ihrer eigenen Wohnung. Gleichzeitig steigen die Zahlen queerfeindlicher Straftaten."
Für Alashe und Jovanovic ist das kein Grund, sich zurückzuziehen, sondern einer, sichtbarer zu werden. "Queer Joy heißt feiern, aber auch, dass wir ernste Gespräche führen und uns gegenseitig immer wieder stützen und Mut machen", sagt Jovanovic. Seit Jahren bringt "WeArtHere!" gezielt Menschen auf die Bühne, deren Perspektiven selbst innerhalb der queeren Community oft übersehen werden – etwa Schwarze Queers, Romnja, trans Menschen oder Menschen mit Behinderungen.

Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic sehen einen klaren Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und dem politischen Klima der vergangenen Jahre. Der gesellschaftliche Rechtsruck, eine zunehmend polarisierte Debattenkultur und konservative Vorstellungen davon, wie Menschen leben sollten, hätten spürbare Auswirkungen im Alltag. Besonders trans Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie queere Menschen, die Rassismus erfahren, geraten immer stärker unter Druck.
"Diese Menschen holen wir auf die Bühne", sagt Alashe. "Wir wollen mit ihnen sprechen, statt über sie. Das ist für uns der beste Weg, Ausgrenzung etwas entgegenzusetzen."
Trotzdem soll "Queer Resistance" kein Abend der Schwere werden. "Widerstand bedeutet für mich nicht, den ganzen Tag wütend zu sein", sagt Jovanovic und lacht. "Widerstand bedeutet manchmal auch, mit Freund*innen an einem Tisch zu sitzen, laut zu lachen und sich den Raum zu nehmen, den andere einem absprechen wollen."
Kein Abend der Schwere
Genau deshalb setzt "WeArtHere!" bewusst auf Kunst statt auf Podiumsdiskussionen. "Musik, Comedy oder Tanz erreichen Menschen oft viel unmittelbarer als politische Reden", sagt Alashe. "Kunst schafft Nähe. Sie berührt, ohne einfache Antworten zu liefern."
Mit dabei sind Autorin und Moderatorin Maria Popov, Aktivistin und Drag-Künstlerin Mieze McCripple, Musikerin Fayim, Sänger Cale Kalay, Comedian Tobias Born, Tänzer Eray Gülay sowie die trans Aktivistin Berfin, bekannt als KurdischeKween, mit Spoken Word. Gemeinsam erzählen sie von ihren Erfahrungen, feiern ihre Kunst und zeigen, wie vielfältig queeres Leben ist.
Am Ende geht es um weit mehr als einen Abend am CSD-Wochenende. "Wir wünschen uns, dass die Menschen nach Hause gehen und denken: Ich bin nicht allein", sagt Alashe. Und Jovanovic ergänzt: "Queerer Widerstand bedeutet für mich vor allem eines: füreinander da zu sein. Gerade dann, wenn die Welt draußen feindseliger wird." (dd/pm)
WeArtHere! – Queer Resistance
Samstag, 4. Juli 2026 19:30 Uhr im COMEDIA Theater Köln
Tickets ab 8,20 Euro mit Ermäßigung, 31 Euro Vollzahler
Links zum Thema:
» Infos und Tickets für "WeArtHere! – Queer Resistance"
» Offizielle Website von Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic
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