https://queer.de/?58517
Bayern
"Chiemsee Reggae Summer" ohne Hasssänger Capleton
Der Sänger sagte seinen Auftritt selbst ab. Das Musikfestival hatte die Teilnahme des Jamaikaners, der unter anderem in Lyrics Schwule und Lesben verbrennen wollte, zuvor verteidigt.
- 25. Juni 2026, 10:44h 3 Min.
Kurz vor Beginn des dreitägigen Festivals an diesem Wochenende hat der "Chiemsee Reggae Summer" den Auftritt seines umstrittenen Headliners Capleton abgesagt – allerdings nicht wegen dessen Queerfeindlichkeit. Der Sänger habe seine Verpflichtung "aufgrund von selbst verschuldeten Visaproblemen" selbst zurückgezogen, teilte das Festival vor wenigen Tagen auf seiner Webseite mit.
"Wir sind ziemlich sprachlos, weil er ja fast ein Jahr Zeit gehabt hatte, sich darum zu kümmern", so das erstmals seit zehn Jahren wieder stattfindende Festival weiter. "Maximum Disrespect!" Als "mindestens gleichwertigen Ersatz" habe man kurzfristig Mr. Vegas verpflichten können.
Die Verpflichtung von Capleton war bereits im letzten Jahr bekannt geworden und hatte für Kritik gesorgt (queer.de berichtete). Wie weitere jamaikanische Reggae- und Dancehall-Sänger hatte Capleton in Liedern von der Ermordung Homosexueller gesungen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags listet etwa sechs Lieder auf (PDF), in denen er dazu aufrief, Schwule und Lesben zu töten, zu verbrennen oder aufzuhängen.
Zwar hatte Clifton George Bailey III, wie der Sänger bürgerlich heißt, 2007 den Reggae Compassionate Act unterzeichnet und versprochen, keine homofeindlichen Lieder mehr zu singen. Allerdings sang er sie danach dennoch auf einigen Konzerten.
Festival hatte Verpflichtung verteidigt
Man nehme "jegliche Bedenken gegen die Buchung des Künstlers Capleton sehr ernst", hatte der "Chiemsee Reggae Summer" im letzten Dezember zur Kritik erklärt (queer.de berichtete). "Gleichzeitig möchten wir aber auch betonen, dass wir uns mit der Thematik bereits vor mehr als 10 Jahren sehr intensiv auseinandergesetzt haben". Schon damals sei man zu dem Ergebnis gekommen, "dass eine Buchung des betroffenen Künstlers verantwortet werden kann", da es bei ihm ein Umdenken gegeben habe.
"Wir haben den hier betroffenen Künstler und sein geändertes Verhalten sehr genau beobachtet und sind nun auch noch einmal aktuell zu dem Ergebnis gekommen, dass der Künstler seine vormalige Einstellung zu der hier betroffenen Thematik nachvollziehbar und nachhaltig geändert hat und er sich – nicht zuletzt auch aufgrund der bereits vor mehr als einem Jahrzehnt geäußerten Kritik an seinen Texten und seiner 'Attitüde' – mehr als einsichtig zeigte", so Martin Altmann, Geschäftsführer der Aloha Promotion GmbH & Co. KG. Er hatte in der Erklärung queeren Organisationen angeboten, Stände aufzubauen, "um die aus unserer Sicht sehr wichtige Informationsarbeit in Bezug auf Toleranz und die Rechte der LGPTQ+ fortzuführen".
Das Festival hatte in der Vergangenheit mehrfach trotz Kritik queerfeindliche Künstler angekündigt, einige der Konzerte fanden statt. Capleton trat bereits 2007 und 2011 auf – als die Band Frittenbude deswegen ihren Auftritt 2011 absagte, reagierte der Veranstalter darauf mit Unverständnis (queer.de berichtete). (cw)















