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Ungarn
Regierungschef Magyar hat keine Zeit für den Budapest Pride
Nach der Abwahl des queerfeindlichen Ministerpräsidenten Viktor Orbán kann der Budapest Pride in diesem Jahr ohne jede Behinderung stattfinden. Nachfolger Péter Magyar wird jedoch nicht selbst vorbeischauen – seine Queerpolitik bleibt unklar.

Archivbild: In Budapest hatte 2025 trotz des Demo-Verbots eine Rekordzahl von bis zu 200.000 Menschen für LGBTI-Rechte demonstriert (Bild: IMAGO / ZUMA Press / Bob Reijnders)
- 25. Juni 2026, 12:02h 3 Min.
Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar wird am 31. Budapest Pride am Samstag nicht teilnehmen. Wie Magyar zu Wochenbeginn im Parlament klarstellte, hält seine Tisza-Regierung an dem Wochenende eine mehrtägige auswärtige Klausurtagung ab. Die queere Demonstration könne in diesem Jahr aber ohne jede Behinderung stattfinden, betonte der konservative Regierungschef.
Sein queerfeindlicher Vorgänger Viktor Orbán hatte den Budapest Pride im vergangenen Jahr verboten (queer.de berichtete). Dennoch beteiligten sich an dem Marsch so viele Menschen wir noch nie (queer.de berichtete).
Ob sich unter der neuen Regierung die Rechtslage für queere Menschen in Ungarn grundlegend verbessern wird, bleibt indes unklar. Zu gesellschaftlich umstrittenen Fragen wie der gleichgeschlechtlichen Ehe oder der Adoption von Kleinkindern durch homosexuelle Paare wolle die Regierung eine breite öffentliche Debatte führen, kündigte Magyar an.
Budapests Bürgermeister: Alle sind frei – oder niemand
Die Pride-Demonstration startet am Samstag um 15 Uhr an der Budapester Oper und führt über die Elisabethbrücke. Zehntausende Teilnehmer*innen werden erwartet. Budapests Oberbürgermeister Gergely Karácsony rief dazu auf, geschlossen für ein offenes Budapest einzustehen. "Der Pride handelt in erster Linie von denen, deren sexuelle Identität von jener der Mehrheit abweicht, aber in Wirklichkeit von allen – denn wenn wir nicht alle zusammen frei sind in dieser Stadt, dann ist es in Wahrheit keiner von uns", erklärte der linksgrüne Stadtchef.
Für Aufsehen hatte kurz vor der Veranstaltung ein Vorfall auf der Elisabethbrücke gesorgt: Ein 58-jähriger Mann aus Mogyoród riss dort von der Stadt gehisste Regenbogenflaggen herunter und warf sie in die Donau. Der Mann gestand die Tat und erklärte, er habe nur seine "Pflicht als Familienvater" erfüllt. Ihm droht eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.
Die rechtsextreme Partei Mi Hazánk kündigte an, dem Mann die zu erwartende Geldstrafe zu erstatten. Parteivize Előd Novák erklärte, es sei eine Provokation, wenn "aggressive politische Bewegungen" eine Brücke für ihre Zwecke in Beschlag nähmen. Bürgermeister Karácsony bedankte sich daraufhin sarkastisch für die kostenlose Werbung für den CSD und kündigte an, die Flaggen auf der Brücke würden rechtzeitig zur Pride-Demo erneut gehisst.
Der CSD fällt auf den Gedenktag des Heiligen Ladislaus
Auch aus dem Parlament kam Widerstand gegen den Budapest Pride: Neben Mi Hazánk lehnen auch die Christdemokraten, Bündnispartner von Orbáns Fidesz, das Event ab. Sie stören sich u.a. am Termin: Die queere Demo fällt in diesem Jahr auf den Gedenktag des Heiligen Ladislaus, ein in Kirchenkreisen hochgehaltenes Patronatsfest.
44 diplomatische Vertretungen und Kulturorganisationen, darunter das deutsche Goethe-Institut, begrüßten dagegen in einem offenen Brief die Haltung der neuen Regierung. Damit habe Budapest bekräftigt, "dass Ungarn für jeden Ungarn eine Heimat sein wird". (cw)
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