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Fußball-WM 2026

Ägypten gegen Iran: Das eigentlich unmögliche "Pride Match"

Die WM-Ausrichterstadt Seattle feiert am Wochenende den CSD und will Vielfalt auch im Stadion beim Spiel Ägypten gegen Iran zeigen. Die beteiligten Länder protestierten gegen das bereits vor der Auslosung geplante "Pride Match".


Regenbogentrikots bei einer Pride-Wochen-Veranstaltung des CSD in Seattle (Bild: seattle pride / facebook)

Im offiziellen Spielplan des Fußball-Weltverbandes FIFA wird die WM-Partie zwischen Ägypten und Iran schlicht als "Match 63" gelistet. Die 63. Begegnung war bei den Weltmeisterschaften von 1998 bis 2022 jeweils das Spiel um Platz drei und ist nach der Erweiterung von 32 auf 48 Nationen nun eines von 72 Vorrundenspielen.

Doch "Match 63" ist besonders. In der Ausrichterstadt Seattle wird an diesem Wochenende der Pride ausgerichtet, unter anderem mit einer Parade durch die Innenstadt und zahlreichen Konzerten. Als WM-Begegnung in der deutschen Nacht zum Samstag (5.00 Uhr/MESZ) wurde nach der Auslosung Ägypten gegen Iran angesetzt – das sind zwei Nationen, die weit davon entfernt sind, die Werte des "Pride" auch nur im Ansatz zu teilen.

Die demokratisch geprägte Stadt hatte die Partie schon vor der Auslosung sogar als "Pride Match" ausgerufen (queer.de berichtete). Warum genau dieses Spiel – und nicht die Parallelbegegnung Neuseeland gegen Belgien in Vancouver – nach Seattle gegeben wurde, begründete die FIFA auf Anfrage nicht. Der iranische und der ägyptische Verband reagierten mit scharfer Kritik. Rund um das Spiel drohen sprichwörtlich Welten aufeinanderzuprallen.

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Regenbogenflaggen vor und im Stadion erwartet

"Wir haben keinen Einfluss darauf, was auf dem Spielfeld oder im Stadion passiert – das ist Sache der FIFA. Was wir jedoch beeinflussen können, ist, wie Seattle die Welt während des Pride-Wochenendes willkommen heißt", sagte Hana Tadesse von den WM-Organisator*innen der Stadt der Deutschen Presse-Agentur.

Für die Zuschauer*innen ändert sich zunächst wenig – abgesehen von atmosphärischen Bildern, die die Sender aus der Stadt oder dem Stadion zeigen könnten. Seattle kann für den Anlass die Stadt in Regenbogen-Farben hüllen, auf dem Spielfeld selbst beteiligt sich die FIFA nicht an dem Aktionswochenende. "Wir erwarten viele Regenbogenfahnen im Stadion sowie T-Shirts mit Regenbogenfahnen darauf", sagte eine Organisatorin gegenüber Outsports.


Die Seattle-26-Website verspricht diverse Aktionen in der Stadt inklusive queeren Watchpartys

Beide Nationen hatten vor dem Turnier erfolglos bei der FIFA gegen das Vorhaben der Stadt, das Spiel als "Pride Match" zu zelebrieren, protestiert (queer.de berichtete). "Wir wollen das unbedingt verhindern und werden dies auch tun", hatte Irans Verbandspräsident Mehdi Tadsch kurz nach der Auslosung gesagt. Ob zwischenzeitlich im Raum stand, die Partie doch noch mit der Begegnung in Vancouver zu tauschen, ist offen. Die FIFA hatte Fragen dazu in den vergangenen Monaten nicht kommentiert.

Kontroversen um das Thema hatte es auch bei der WM 2022 in Katar gegeben. Dort hatten mehrere europäische Teams geplant, mit der sogenannten "One-Love-Binde" ein Zeichen für die LGBTQI+-Gemeinschaft zu setzen. Mit großem Druck auf die Teams untersagte die FIFA das mit Verweis auf das Reglement, wonach die Spielkleidung keine politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften enthalten darf (queer.de berichtete); das deutsche Team oder auch die damaligen Innenministerin Nancy Faeser zeigten dennoch einen Protest vor Ort (queer.de berichtete). Zu Beginn des Turniers hatten Ordner zudem Fans mit Regenbogensymbolen den Einlass in die Stadien verweigert (queer.de berichtete). In Seattle sind Regenbogenfahnen auf den Rängen erlaubt.

Das Thema wird weiter eine Rolle spielen: Die WM 2030 findet neben Portugal und Spanien auch im Verfolgerstaat Marokko statt, und selbst der DFB stimmte für die Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien, das queere Menschen mit der Todesstrafe bedroht (queer.de berichtete).

Wie ist die Lage im Iran und in Ägypten?

Im Iran lebt die LGBTQI+-Gemeinschaft unter einer der härtesten Repressionen weltweit. Homosexualität wird vom theokratischen System als "moralische Verderbtheit" und daher "schwere Sünde" gebrandmarkt. Nach islamischen Rechtsvorschriften kann auf gleichgeschlechtliche Handlungen sogar die Todesstrafe stehen. Transgeschlechtlichkeit ist vom Staat zwar offiziell anerkannt, doch auch trans Personen sind massiven gesetzlichen und sozialen Diskriminierungen ausgesetzt.

Seit der Islamischen Revolution 1979 bis in die Neunziger Jahre sollen tausende Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet worden sein. Auch danach soll die Todesstrafe mehrfach ausgesprochen und vollzogen worden sein. Eine genaue Einschätzung über entsprechende Hinrichtungen ist aber schwierig, weil die iranischen Gerichte in ihren Urteilen Formen von unehelichem oder gleichgeschlechtlichem Sex mit sexueller Gewalt vermischen. Zudem ist eine unabhängige Berichterstattung oft nicht möglich.

In Ägypten steht Homosexualität offiziell zwar nicht unter Strafe. Unter Gesetzen zu Prostitution und "Ausschweifungen" werden Angehörige der LGBTQ+-Gemeinde aber trotzdem verfolgt und verhaftet. Sie werden Menschenrechtler*innen zufolge auch im Internet zunehmend belästigt, von Ermittlern in Fallen gelockt und dann festgenommen. Zudem gibt es Berichte von Misshandlungen und Gewalt in Haft. Die meisten queeren Menschen leben ihre Sexualität und Identität in Ägypten deshalb nicht offen aus.

Wie ist das politische Verhältnis der beiden Länder?

Nach der Islamischen Revolution 1979 wurden die bilateralen Beziehungen abgebrochen, und für über zwei Jahrzehnte herrschte zwischen Teheran und Kairo eine diplomatische Eiszeit. Ausschlaggebend dafür war einerseits Ägyptens Friedensvertrag mit Israel im Rahmen des Camp-David-Abkommens, den das neue islamische System im Iran als Verrat an der palästinensischen Sache und an der islamischen Welt wertete.

Andererseits sorgte die Ermordung des damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat durch Islamisten, denen Ägypten eine Nähe zu iranischen Kreisen zuschrieb, für politische Missstimmung. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich beide Länder jedoch schrittweise angenähert. Inzwischen prüfen sie sogar die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen, einschließlich eines Botschafteraustauschs.

Für Spannungen zur WM sorgte auch der Krieg zwischen den USA und Iran. Der Mit-Gastgeber setzte scharfe Visa-Regelungen durch und verbot Teilen des Teams die Einreise. Zudem forderte der Iran die FIFA auf, gegen iranische Flaggen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution im Stadion und weitere Proteste gegen das Regime vorzugehen.

Wie ist die Lage in den USA?

Die Lage von queeren Menschen in den USA ist seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump Anfang 2025 verstärkt Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Die Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie" erlassen, die insbesondere trans Personen betreffen. Dazu gehören Vorgaben, wonach der Bund nur noch zwei Geschlechtseinträge anerkennt, größtenteils gemäß dem Eintrag zur Geburt, sowie Einschränkungen bei geschlechtsangleichenden Behandlungen für Minderjährige sowie Entlassungen und Ausschlüsse für trans Personen in Bereichen wie Militär und Sport.

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Was steht sportlich auf dem Spiel?

Für beide Teams geht es in der umkämpften Gruppe G noch ums Weiterkommen. Ägypten hat mit vier Punkten als Tabellenführer die beste Ausgangslage und würde schon mit einem Remis das Sechzehntelfinale erreichen. Für den Iran ist die Konstellation nach bislang zwei Remis komplizierter. Das Weiterkommen hängt unter Umständen auch vom Parallelspiel ab. (dpa mit ergänzungen)

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