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Fußball-WM 2026
Fall Nmecha: Queere Fußballfans fordern klare Haltung des DFB
Homophober Glauben dürfe im Sport keinen Platz haben, fordert das Netzwerk Queer Football Fanclubs.

Felix Nmecha und Jonathan Tah betete am 14. Juni mit Jonathan Ta und Gegenspielern nach dem deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao (Bild: IMAGO / Ulmer/Teamfoto)
- 25. Juni 2026, 13:59h 5 Min.
Das öffentliche Ausleben seiner Religion durch Deutschlands Fußball-Star Felix Nmecha bei der WM 2026 sorgt weiter für Diskussionen. Auslöser über die breite Debatte über Religion und Sport war ein Foto von Nmecha und seinem Nationalmannschaftskollegen Jonathan Tah, wie sie nach dem deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao (7:1) zusammen mit mehreren Gegenspielern beten.
"Wir sind im Spiel Gegner. Und nach dem Spiel sind wir alle Christen", sagte Nmecha der ARD dazu. Das öffentliche Gebet wurde von vielen Gläubigen positiv aufgenommen. "Glaube und Sport haben viel gemeinsam", sagt Präses Thorsten Latzel, der Sportbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deutschen Presse-Agentur: "Es geht bei beiden um Haltung, Werte, Gemeinschaft, Teamgeist, Fairness über Grenzen hinweg." Die Aktion wurde aber auch von vielen rechten bis rechtsextemen Medien und Akteuren regelrecht gefeiert, während fortschrittliche Fans und viele queere Menschen sich besorgt zeigten. Denn Nmecha hatte mit seinem Glauben mehrfach die Ablehnung queerer Menschen zelebriert.
2023 teilte der Spieler etwa das Video eines amerikanischen Rechtsextremisten, der sich über ein trans Kind und dessen Vater lustig machte (queer.de berichtete). Nach Kritik verteidigte Nmecha seine transfeindliche Haltung (queer.de berichtete). Später teilte er sogar noch ein weiteres Posting auf Instagram, das die queere Community und den Begriff "Pride" mit dem Teufel verglich (queer.de berichtete). Einige BVB-Anhänger hatten sich 2023 wegen der queerfeindlichen Ausbrüche gegen eine Verpflichtung Nmechas ausgesprochen, der Club ignorierte jedoch die Bedenken und lässt ihn bis heute auflaufen (queer.de berichtete).
QFF: DFB muss Haltung zeigen
Sven Kistner ist Sprecher von Queer Football Fanclubs, einem europäischen Netzwerk schwul-lesbischer Fußball-Fans und Anti-Diskriminierungs-Organisationen. Er meint: Die religiösen Überzeugungen Nmechas und die propagierten Werte des Deutschen Fußball-Bundes passen nicht zusammen.
Er erwarte deshalb, dass "der DFB sich da eindeutig äußert und sagt: Diese Art des Glaubens, diese äußerst konservative und eben auch in Teilen homophobe Haltung des Glaubens, hat im DFB keinen Platz", so Kistner gegenüber der dpa. Denn der DFB stehe ja "für Werte wie Offenheit und Menschlichkeit".
Der DFB hatte hingegen betont, dass Nmecha Homophobie-Vorwürfe immer zurückgewiesen habe. "Wir haben seinerzeit diese Berichterstattung im DFB auch verfolgt, wir haben seine Einlassungen dazu gehört. Er hat das zurechtgerückt, auch sich klar positioniert und distanziert von solchen Vorwürfen der Homophobie", sagte Präsident Bernd Neuendorf in einem Interview von RTL/ntv (queer.de berichtete). Er beteuerte auf Nachfrage, dass er dem 25 Jahre alten Mittelfeldspieler voller Überzeugung glaube. "Ja, das würde ich schon so sagen. So wie ich ihn kenne oder erlebe, das sehe ich so."
Religiöse Netzwerke nutzen WM
Bereits früher hatte Religion im Zusammenspiel mit Fußball für Schlagzeilen gesorgt, etwa durch brasilianische Ex-Stars wie Ronaldinho oder Kaka, deren evangelikaler Hintergrund auch mit einer offenen Unterstützung des rechtsgerichteten, auch queerfeindlichen und mittlerweile verurteilten Präsidenten Jair Bolsonaro einherging.
Glauben und Religion sind bei dieser Weltmeisterschaft dennoch so sichtbar wie noch bei keinem anderen vergleichbaren Turnier zuvor. "Ballers in God" ist ein 2015 gegründetes Netzwerk christlicher Fußballer, das viele dieser Aktionen in den sozialen Medien aufnimmt und verbreitet: Frankreichs früherer Bundesliga-Profi Maxence Lacroix (Crystal Palace), wie er mit der Bibel in der Hand in die Kabine geht. Oder Panamas gesamte Mannschaft, wie sie nach der Niederlage gegen Ghana einen Kreis bildet und betet.
"Ballers in God" wurde 2015 vom Ex-Profifußballer John Bostock gegründet und hat einen evangelikalen und oft queerfeindlichen Hintergrund. Nmecha war u.a. schon im Podcast der Gruppe zu Gast. Auch andere Gruppen waren zuletzt im deutschen Fußball aktiv.
Missionierung am Stadiontor
Die WM, bei der queere Themen und Regenbogenflaggen trotz des "Pride Matches" am Wochenende zuletzt auf dem Rückzug sind, ist gerade für evangelikale Gruppen eine große Chance, um ihren Glauben zu verbreiten. Fußball und Fußballstars bieten eine enorme Reichweite, digitale Medien den idealen Verstärker. Das Turnier ist eine Art "Missionsfenster", weil es zehntausende Fans aus verschiedenen Ländern anlockt. Und dass sich nicht nur die "Ballers in God" darauf vorbereitet haben, zeigt das Beispiel "Jesus Saves 2026" am Spielort Miami.
Die evangelikale Initiative wirbt zu jedem Spieltag Freiwillige an. Sie treffen sich vier Stunden vor Anpfiff in einer Kirche und fahren dann zum Stadion, um dort Fans aus aller Welt zu begrüßen, mit ihnen zu beten und ihre Botschaft zu vermitteln. In dem Aufruf von "Jesus Saves 2026" steht: Diese WM biete "eine göttliche Gelegenheit, die Kirche zu stärken".
Bischof gegen Präses: Tippspiel bei der WM
Geht es um den Glauben oder um mehr? "Religion darf nie Steigbügelhalter für andere weltanschauliche oder politische Botschaften sein", sagt der Münchner Pfarrer und Fußball-Fan Rainer Maria Schießler. "Da muss absolute Klarheit herrschen, wenn ein Sportler seine Religion nach außen hin zeigt." Solange das so ist, "ist es für uns Religionsmenschen natürlich ein fettes Pfund, wenn ein Prominenter, ein Sportler im Fokus der Welt aus seinem Glauben keine Mördergrube macht".
Und so ist die WM auch für die Kirchen in Deutschland ein großes Thema. Bei Instagram teilt Latzel regelmäßig die "WM-Werte", bei denen er Bibelverse auf den Fußball münzt. Der evangelische Sportbeauftragte und der katholische – und selbst queerfeindliche – Sportbischof Stefan Oster treten auch in einem Tippspiel vor den Partien der deutschen Mannschaft gegeneinander an. (cw/dpa)














