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Interview

Ist Ihre mysteriöse Figur nur eine Liebes-Fantasie, Francesco Wenz?

Beim Filmfest München feiert am Samstag Jaume Claret Muxarts Langfilmdebüt "Strange River" seine Deutschland-Premiere. Über das sinnliche queere Liebesdrama sprachen wir mit Newcomer und Hauptdarsteller Franceco Wenz


Francesco Wenz (l.) als Alexander und Jan Monter Palau als Dídac in "Strange River" (Bild: Salzgeber)

Mit dem ersten Kinofilm gleich auf den Roten Teppich von Venedig: kein schlechter Karriere-Kick für den jungen Schauspieler Francesco Wenz, der 2005 in München zur Welt kam. In "Strange River" spielt er einen geheimnisvollen Jungen, in den sich ein spanischer Teenie beim Familienurlaub verliebt.

Am heutigen Samstag feiert das queere Drama beim Filmfest München seine Deutschland-Premiere (insgesamt gibt es drei Vorführungen). Regulär ins Kino kommt "Strange River" erst am 27. August 2026. Eine ausführliche Besprechung folgt.

2019 stand Francesco Wenz das erste Mal auf den Bühnen des Münchner Residenztheaters und des Münchner Volkstheaters, wo er ebenfalls begann, unter Claudia Bauer und Mateja Koležnik als Regiehospitant zu assistieren. Seit 2020 sammelt er Kameraerfahrung, zuerst in Kurzfilmen und dem Fernsehen, später auch in Spielfilmen.

Kurz vor der Deutschland-Premiere von "Strange River" haben wir mit Wenz über seine Rolle als mysteriöser Alexander in der queeren Lovestory des Spaniers Jaume Claret Muxart gesprochen.

Herr Wenz, Sie waren mit dem ersten internationalen Film gleich beim Festival von Venedig eingeladen. Wie war die Erfahrung?

Venedig war eine sehr, sehr schöne Erfahrung, zumal für mich als halber Italiener. Der italienische Teil meiner Familie kommt aus der Gegend, weshalb ich dort viel Zeit verbringe, deswegen war es der perfekte Ort für die Premiere. Unser Film spielt auf dem Wasser, da passt Venedig natürlich ganz besonders gut. Außerdem haben wir mit dem Team dort viele andere Filme anschauen können. Das war schon ziemlich mega!

Eine Schlüsselszene des Films spielt in Ulm. Wie waren da die Erlebnisse?

Die Hochschule für Design, wo wir gedreht haben, ist ein unglaublich schöner Ort. Von Ulm als Stadt haben wir nur ganz wenig gesehen. Wir lebten in einem Hostel, die Drehtage waren lang, und deswegen verbrachten wir die Zeit in Ulm eigentlich nur in der Hochschule.


Francesco Wenz im August 2025 beim Filmfest in Venedig (Bild: IMAGO / SOPA Images / Marco Barada)

Wer ist dieser geheimnisvolle Alexander, den Sie spielen? Nur eine Einbildung, eine Projektion oder gibt es ihn wirklich?

Ich kann es nicht genau sagen. Wir haben in der Vorbereitung schon gesagt, Alexander ist eine reale Figur. Zugleich ist es trotzdem durchaus möglich, dass er als Einbildung existiert, als pure Projektion. Auf alle Fälle ist Alexander eine Figur, die sehr nach Liebe sucht. Liebe ist das letzte Stück, was ihm noch fehlt, um Mensch zu werden.

Liegt der Kick darin, dass die Sache mit Alexander mysteriös und offen für Interpretationen bleibt?

Ja, auf jeden Fall! Das hat mir beim Spielen auch sehr viel Spaß gemacht. Die Rolle ist sehr stumm, ich habe nur zwei Sätze im ganzen Film, deswegen konnte ich viel über den Körper ausdrücken. "Mehrdeutigkeit" hat unser Regisseur gerne als Anweisung benutzt. Man kann Alexander nie richtig greifen. Zu Beginn ist er ein Schatten im Wasser. Niemand weiß, ob es nicht zuvor schon ähnliche Begegnungen mit anderen Personen gegeben hat. Welche Rolle spielt die Mutter dabei? Da bleibt viel Raum für ganz verschiedene Interpretationen.

Welche Rolle spielt für Sie der Intimacy-Coordinator für die Szenen, in denen es intimer zugeht?

Wir hatten eine Intimacy-Koordinatorin, die hat das sehr gut gemacht hat. Wir haben uns vorab getroffen und ein bisschen gequatscht. Wie kann man glaubhaft Nähe herstellen? Wie wirkt ein Kuss realistisch? Wie geht es mir mit den Nacktszenen? Als starke Unterstützung kam hinzu, dass ich die gesamte Zeit am Set verbracht habe, auch wenn ich selbst keine Szenen hatte. Das hat eine große Vertrautheit zwischen uns ermöglicht, und wir haben uns sehr wohlgefühlt.

Hätten Sie auch die andere Hauptrolle gerne gespielt?

Darüber habe ich gar nie groß nachgedacht. Ich hatte viele Drehtage, ich hatte großen Spaß, und durch das Körperliche war die Rolle auch spannend für mich. Für mich hat sich das alles
sehr richtig angefühlt.

Es gibt die Forderung, wonach queere Figuren nur von queeren Menschen gespielt werden sollen. Ist das ein Hut von gestern oder ist es nach wie vor aktuell?

Ich selbst bin keine queere Person. Ich glaube, bei Alexander weiß man nicht, ob er nun schwul ist oder ob er vielleicht asexuell oder pan oder was auch immer ist. Deswegen war das bei dieser Figur nicht so die Frage. Insgesamt kommt es auf die Thematik an. Wenn meine Figur eine Erfahrung macht, die ich als heterosexueller Mann nicht gemacht habe, einfach weil ich dem nicht ausgesetzt bin, finde ich es schwierig, das nachzuempfinden. Dann würde ich auch sagen, hey, es ist besser, dass es eine Person macht, die sich damit auseinandersetzen kann. Ich glaube, diese Frage muss man sehr kontextgebunden stellen, je nachdem um was es geht und was eine Figur erlebt. Aber ich glaube, ein Coming-of-Age ist etwas, was irgendwie jeder auf eine Art durchmacht.

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Was ist für Sie die wichtigste Qualität im Job als Schauspieler?

Für mich ist es entscheidend, offen zu sein. Offen für Themen, offen für Diskussion und offen für die Menschen, mit denen man arbeitet. Gerade beim Film ist es sehr wichtig, dass alle für eine Sache arbeiten. Dass jeder offen ist für Ideen, dass man aber auch selber Inputs gibt und darüber diskutieren kann mit der Regie und mit dem Team.

Worum geht es in Ihrem nächsten Film "Memories of Cherish"?

Der Film erzählt drei Geschichten von unterschiedlichen Menschen, die auf ihre Weise lernen müssen, mit dem Verlust von geliebten Personen umzugehen.

Was ist Ihr Ratschlag für Kinogänger*innen bei "Strange River"?

Man kann sich freuen auf einen langsamen Film, bei dem man als Publikum einfach nur zuschauen kann, was einer Familie so alles passiert. Und wie sich der junge Held verliebt. Es gibt großartige Bilder. Und es gibt wichtige Szenen, die ganz ohne Wort auskommen.

Zugleich gibt es schöne Sätze, etwa wenn der Sohn dem Vater den Kuss erklärt: "Ich stehe nicht auf Jungs, ich stehe auf Gerard. Ich liebe einfach eine Person, und es ist egal, welches Gender diese Person hat." Auch bei Alexander wird gar nicht groß thematisiert wird, ob er per se schwul ist. Er liebt. Egal ob Jungs, Männer oder einfach Menschen – und das ist so zu akzeptieren. Es ist ein Film über Liebe. Liebe zwischen Erwachsenen, Liebe in der Familie, unerlaubte Liebe, elterliche Liebe, Geschwisterliebe und queere Liebe.

Infos zum Film

Strange River. Drama. Spanien, Deutschland 2025. Regie: Jaume Claret Muxart. Cast: Jan Monter Palau, Nausicaa Bonnín, Francesco Wenz, Jordi Oriol, Bernat Solé Palau, Roc Colell Moncunill. Laufzeit: 106 Minuten. Sprache: katalanisch-deutsche Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. Verleih: Salzgeber. FSK 12. Deutschlandpremiere am 27. Juni 2026 beim Filmfest München. Kinostart: 27. August 2026.
Galerie:
Strange River
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