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Ungarn

Budapest Pride: Über 100.000 Menschen feiern Versammlungsfreiheit

In der ungarischen Hauptstadt Budapest fand die erste freie Pride-Demo seit Orbans Abwahl statt – mit vielen Regenbogenfahnen, Hoffnung auf mehr LGBTI-Rechte und Temperaturen von 40 Grad. Die Armee verteilte kaltes Wasser.


Mit Regenbogenfächer und -fähnchen: Teilnehmerin beim Budapest Pride 2026 (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire / Daniel Alfoldi)

Bunt, fröhlich und stolz: In Budapest haben zehntausende Menschen der Hitze getrotzt und an der diesjährigen Pride-Demonstration teilgenommen – der ersten seit der Abwahl des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor Orban. Viele der Teilnehmenden, darunter vor allem junge Menschen, schwenkten am Samstag kleine Fähnchen oder große Regenbogen­banner. Viele äußerten sich hoffnungsvoll, dass die Rechte queerer Menschen unter der neuen Regierung von Peter Magyar gestärkt werden könnten.

Laut einem Fotografen der Nachrichtenagentur AFP vor Ort beteiligten sich an der Demonstration mindestens 100.000 Menschen – weniger als im Vorjahr, als trotz eines Verbots mehr als 200.000 Menschen teilgenommen hatten. Doch sei die Menge größer als in den Jahren vor 2025 gewesen.

Queere Sichtbarkeit bei 40 Grad im Schatten

Die Veranstaltung fand trotz der hohen Temperaturen statt, die in der ungarischen Hauptstadt bei 40 Grad Celsius lagen. Die Organisator*­innen hatten aber besonders gefährdete Menschen aufgerufen, zuhause zu bleiben und die Parade im Internet zu verfolgen. Am Rande der Parade verteilten Soldat*­innen der ungarischen Streitkräfte große Mengen an kaltem Wasser an die Teilnehmenden.


Die Armee verteilte kaltes Wasser an die CSD-Teilnehmer*­innen (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire / Daniel Alfoldi)

"Wir sind stolz auf uns selbst und auf alle anderen, dass wir hier sind und uns trotz der gefühlten 50 Grad Celsius auf dem Asphalt auf die Straße gewagt haben", sagte die 53 Jahre alte Lehrerin Zsuzsanna Naszalyi.

Zu den Teilnehmenden gehörte auch die 18-jährige Petra Toth, die mit ihrer Freundin aus dem Süden Ungarns angereist war. Die Lage für die LGBTI-Community "verbessert sich vor allem aufgrund des Regierungswechsels immer weiter", sagte sie AFP.

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Nach dem CSD 2025 wurde der Bürgermeister angeklagt

Orbans Regierung hatte die Demonstration in Budapest im vergangenen Jahr unter anderem mit Verweis auf ein queerfeindliches Gesetz aus dem Jahr 2021 untersagt. 2025 wurde das Gesetz verschärft. Unter dem Grünen-Bürgermeister Gergely Karacsony, einem Gegner Orbans, wurde die Demonstration dennoch ausgerichtet. Trotz Verbots nahmen daran mehr als 200.000 Menschen teil – deutlich mehr als in den Jahren zuvor, als sich etwa 35.000 Menschen an der Demonstration beteiligt hatten (queer.de berichtete).

Im Januar wurde deshalb Anklage gegen Karacsony erhoben. Anfang Juni ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage jedoch fallen (queer.de berichtete). Im April hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass die ungarischen Anti-LGBTI-Gesetze gegen die EU-Grundfreiheiten verstießen (queer.de berichtete).

CSD-Teilnehmende mit Gemüse beworfen

Im Budapest Park, dem größten Open-Air-Veranstaltungsort der Hauptstadt, weht erstmals während des gesamten Pride-Monats eine Regenbogenflagge. Zwar gab es am Samstag auch zwei Festnahmen, nachdem die Demonstrant*innen mit Gemüse beworfen worden waren.

Doch die Stimmung in der Bevölkerung habe sich "wirklich gewandelt", sagte der 60-jährige Teilnehmer Balazs Moczar-Boor. Er und sein Partner hätten erwogen, Ungarn zu verlassen, falls Orban im Amt geblieben wäre.

Kurs der neuen Regierung noch unklar

Ungarns neuer konservativer pro-europäischer Ministerpräsident Magyar, der Orban im Mai nach 16 Jahren als Regierungschef ablöste, hat sich zwar immer wieder für Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit ausgesprochen. Allerdings hat er bislang weder die Pride-Demonstration unterstützt noch Schritte unternommen, um die unter Orban in Kraft getretenen queerfeindlichen Gesetze zu streichen (queer.de berichtete).

Während seines Wahlkampfs hatte Magyar es vermieden, das Thema LGBTI-Rechte anzusprechen. Seit seiner Wahl betont er jedoch, dass seine Regierung den Menschen nicht vorschreiben werde, wie sie zu leben hätten.

"Wir haben deutlich gemacht, dass unserer Ansicht nach jeder frei ist zu lieben, wen er will, und mit wem er will zu leben, solange er nicht gegen das Gesetz verstößt", erklärte Magyar Anfang Juni auf die Frage nach dem Recht auf Eheschließung und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. "Wenn der Wunsch besteht, dass wir diese gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen ansprechen, sind wir offen für eine Debatte darüber", fügte er hinzu.

Umfrage: 68 Prozent befürworten die Ehe für alle

Vergangene Woche veröffentlichten mehrere Menschenrechtsorganisationen eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Regierung dazu aufforderten, LGBTI-feindliche Gesetze aufzuheben. Amnesty International forderte Magyars Regierung auf, gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen. Die Organisation verwies auf eine aktuelle Umfrage des Instituts Median – demnach befürworten 68 Prozent der ungarischen Bevölkerung sowohl die Ehe für alle als auch die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.

In Budapest seien die Menschen "ihrer Zeit voraus" und akzeptierten "jeden", sagte Lidia, die aus dem Norden des Landes angereist war und ihren vollständigen Namen nicht nennen wollte. Aber auf dem Land sehe die Welt "ganz anders" aus. Sie hoffe nun, "dass das Land wieder auf den richtigen Weg kommt und dass homosexuelle Menschen heiraten und Kinder adoptieren können". Das aber werde "Zeit brauchen". (cw/AFP)

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