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Nicht immer nur junges Gemüse!
Ian McKellen, Stephen Fry und Lily Tomlin müssen nicht die einzigen LGBTI-Ikonen im fortgeschrittenen Alter bleiben. Wir stellen zehn fantastische queere Ü55-Schauspieler*innen vor, die noch viel zu wenig bekannt sind.

André de Shields (Bild: IMAGO / UPI Photo / John Angelillo)
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28. Juni 2026, 14:58h 7 Min.
Die meisten queeren Schauspieler*innen, die medial, auf roten Teppichen und in sozialen Netzwerken für Furore sorgen, sind in der Regel das, was in der Regel als jung, attraktiv und sexy bezeichnet wird. Das ist bei den Heteros nicht viel anders und dem Jugendwahn und den vorherrschenden Schönheitsnormen unserer Gesellschaft geschuldet. Plus: Es gibt kaum geoutete Hollywood-Größen, die schon in den 1980er und 1990er Jahren Superstars waren und nun wie Tom Cruise, Demi Moore und Co. auch heute noch berühmt sind.
Aber widerstandslos hinnehmen müssen wir einen solche Zustand natürlich nicht – und Ian McKellen, Stephen Fry und Lily Tomlin müssen nicht die einzigen LGBTI-Ikonen im fortgeschrittenen Alter bleiben. Wir stellen deswegen an dieser Stelle mal zehn fantastische queere Ü55-Schauspieler*innen vor, die noch längst nicht so bekannt sind, wie sie es verdient hätten.
Paula Pell

Paula Pell als Dana in "The Burbs – Meine teuflichen Nachbarn" (Bild: Peacock)
Fuß im Showgeschäft fassen konnte Paula Pell zunächst als Autorin. Sie gehörte lange Jahre zum Writers Room der legendären Sketch-Show "Saturday Night Live" und schrieb auch Texte für die Oscars oder "30 Rock". Mit der Zeit aber durfte die heute 63-Jährige auch immer mal wieder vor der Kamera stehen, anfangs vor allem in Projekten ihrer vielen Comedy-Freundinnen. Sie hatte Gastrollen in "Parks and Recreation" oder "Unbreakable Kimmy Schmidt" und war auch in Filmen wie "Sisters" und "Wine Country" zu sehen. Inzwischen ist Pell, die mit der Komikerin Janine Brito verheiratet ist, aber auch darüber hinaus eine gefragte Schauspielerin und spielt aktuell nach drei Staffeln der tollen Comedy-Serie "Girls5eva" eine feste, abermals queere Rolle in "The Burbs – Meine teuflischen Nachbarn" (zu sehen bei Sky).
André de Shields
Gerade erst war André de Shields, inzwischen 80 Jahre alt, mal wieder für den Tony Award nominiert, für eine Rolle im neuen, Ballroom-inspirierten "Cats"-Musical "The Jellicle Ball". Doch der Wahl-New-Yorker, der seine Karriere in den späten 1960er Jahren in einer Inszenierung von "Hair" begann, kann sich ohnehin nicht beschweren, was Auszeichnungen angeht, hat er doch neben dem Tony auch schon u.a. einen Emmy und einen Grammy gewonnen. Seine berufliche Heimat war immer das Theater, doch längst ist er auch gern gesehener Gast in diversen Fernsehserien, darunter zuletzt "And Just Like That", "Brilliant Minds" mit Zachary Quinto oder "Elsbeth".
Cherry Jones

Cherry Jones in "Foundation" (Bild: Apple TV)
Ebenfalls eine Broadway-Legende ist Cherry Jones, die bereits zweimal mit dem Tony ausgezeichnet wurde. Doch die mittlerweile 69-jährige Amerikanerin, die mal fünf Jahre lang mit Sarah Paulson liiert war und inzwischen mit der Filmemacherin Sophie Huber verheiratet ist, ist auch im Kino keine Unbekannte. Sie spielte in Filmen von Robert Redford, Jodie Foster oder M. Night Shyamalan mit, stand mit Julia Roberts für "Erin Brockovich" vor der Kamera und war in "Ocean's 12" die Mutter von Matt Damon. Noch erfolgreicher ist sie auf dem Bildschirm. Nach drei Emmys (für "24", "The Handmaid's Tale" und "Succession") war sie gerade in einer Folge "Poker Face" und der dritten Staffel "Foundation" zu sehen und hatte in den USA jüngst eine lesbische Gastrolle in der letzten Staffel von "Hacks".
Dan Bucatinsky

Dan Bucatinsky in "Hacks" (Bild: HBO Max)
Die Liste der Serien, in denen Dan Bucatinsky in den vergangenen 30 Jahren zu sehen war, ist eindrucksvoll und reicht von Sitcoma wie "Cybill", "Frasier", "Friends" und "Will & Grace" bis hin zu jüngst "Hacks", "Elsbeth" oder "Chicago Med". Seinen Emmy erhielt der Amerikaner, der schon seit den 1990er Jahren mit dem Regisseur Don Roos liiert (und inzwischen verheiratet ist), für "Scandal", wo er mehrere Staffeln lang den Ehemann des durchtriebenen White House Chief of Staff spielte. Eine große Rolle in der Karriere des New Yorkers, der im September seinen 61. Geburtstag feiert, spielt seine enge Freundschaft mit Lisa Kudrow, mit der er auch hinter den Kulissen bei den Serien "Web Therapy" und "The Comeback" (zu sehen bei HBO Max) zusammenarbeitete.
Aunjanue Ellis-Taylor
Geboren in San Francisco und in New York zur Schauspielerin ausgebildet, begann Aunjanue Ellis-Taylor ihre Karriere in den 1990er Jahren mit kleinen Rollen in Independent-Filmen wie "Girls Town" oder "A Map of the World" mit Julianne Moore und Sigourney Weaver. Inzwischen kann die bisexuelle Amerikanerin dank "King Richard" (wo sie die Mutter von Venus und Serena Williams spielte) sowie den Serien "When They See Us" und "Lovecraft Country" auf eine Oscar- und zwei Emmy-Nominierungen verweisen. Zuletzt war die 57-Jährige im Oscar-nominierten "Nickel Boys" und "The Deliverance" vom schwulen Regisseur Lee Daniels zu sehen, im Juli folgt bei Apple TV die Miniserie "Lucky" mit Anya Taylor-Joy.
Simon Russel Beale

Simon Russel Beale in "Penny Dreadful" (Bild: Showtime Networks Inc.)
Als größter Schauspieler seiner Generation beschrieb ihn mal eine britische Tageszeitung, und tatsächlich ist Simon Russel Beale zumindest in seiner Heimat wahrlich kein Unbekannter. Er hat alle wichtigen britischen Theaterpreise gewonnen (meist mehrfach) und darf sich seit einem Ritterschlag durch die Queen 2019 auch Sir Simon Russel Beale nennen. Seinen Kino-Einstand gab er in Sally Potters wegweisendem Queer-Klassiker "Orlando" mit Tilda Swinton und war später auf der Leinwand in so unterschiedlichen Filmen wie "Ein perfekter Ehemann", "Into the Woods", "Thor: Love and Thunder", "Downton Abbey: Das große Finale" oder Terence Davies' famosem "Benediction" zu sehen. Nicht ohne sind aber auch die Serienrollen des 65-Jährigen, ob in "Penny Dreadful", "Mary & George" oder der zweiten Staffel von "House of the Dragon".
Alexandra Billings

Alexandra Billings im Film "Queen Tut" (Bild: Lauren Newman Photography)
Was für eine Vorreiterin Alexandra Billings in Sachen trans Repräsentation in Hollywood ist, muss eigentlich nicht betont werden. Ihre Autobiografie "This Time For Me: A Memoir", aber auch der Dokumentarfilm "Disclosure: Trans Lives On Screen" seien an dieser Stelle trotzdem noch einmal empfohlen. Die 64-Jährige, die ihre Transition in den 1980er Jahren begann, seit 1995 mit ihrer Frau verheiratet ist und auch als Aids-Aktivistin im Einsatz ist, spielte 2005 im TV-Film "Romy and Michele: In the Beginning" die erste (geoutete) trans Person im US-Fernsehen. Seither war sie auch in Serien wie "Grey's Anatomy", "How to Get Away With Murder", "Goliath", "Never Have I Ever", "The Peripheral" und "Transparent" zu sehen, stand aber auch zum Beispiel als Madame Morrible im Musical "Wicked" am Broadway auf der Bühne.
Denis O'Hare

Denis O'Hare als trans Frau in "American Horror Story: Hotel" (Bild: Prashant Gupta / FX)
Der Weg von Kirchenorgel und dem Schul-Chor auf die Bühnen von Chicago und New York war für Denis O'Hare nicht weit. Inzwischen ist der 1962 in Kansas City geborene Schauspieler, der seit 2011 mit dem Designer Hugo Redwood verheiratet und Vater eines Adoptivsohnes ist, auch seit einigen Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken von den Leinwänden und Bildschirmen. Er stand schon für Woody Allen, Alejandro G. Iñárritu, Steven Spielberg oder Clint Eastwood vor der Kamera, ist aber auch besonders gerne in queeren Rollen und Geschichten zu sehen, von "Dallas Buyers Club" und "Milk" über "An Englishman in New York" und "The Normal Heart" bis hin zu "When We Rise" oder "Brothers & Sisters". Besonders legendär sind außerdem seine Auftritte in "The Good Wife", "True Blood" und zahlreichen Staffeln von "American Horror Story". O'Hares Serie "The Boroughs" (Netflix), in der er den an Krebs erkrankten schwulen Ex-Arzt Wally spielt, wurde zu seiner großen Enttäuschung allerdings gerade nach einer Staffel wieder beendet.
Sharon D. Clarke

Sharon D. Clarke in "Royal Blue" (Bild: Prime Video)
Erinnert sich noch jemand an die 1990er-Jahre-Dance-Hits "(I Wanna Give You) Devotion" und "Just a Groove" von Nomad? Die wurden damals von Sharon D. Clarke gesungen, die einige Jahre später mit der Gruppe Six Chix nur knapp daran scheiterte, Großbritannien beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Doch die heute 59-Jährige, die mit der Theater-Regisseurin Susie McKenna verheiratet ist, ist auch eine großartige Schauspielerin. Kleine Rollen hatte sie unter anderem im Elton-John-Biopic "Rocketman" oder als Premierministerin in der schwulen Lovestory "Royal Blue". Größere Auftritte sind ihr meist am Theater vergönnt, zuletzt etwa neben Ncuti Gatwa in "The Importance of Being Earnest". Und natürlich im Fernsehen, wo sie zuletzt Hauptrollen in "Mr. Loverman" und der Krimiserie "Ellis" spielte.
Victor Garber
Als Folk-Sänger begann Victor Garber in den 1960er Jahren seine Karriere, bevor es ihn zur Schauspielerei zog. Heute denken viele bei seinem Anblick als erstes an seine Rolle als undurchschaubarer Geheimagent und Vater der von Jennifer Garner gespielten Protagonistin in der Actionthriller-Serie "Alias". Doch der Kanadier wurde nicht nur dafür dreimal für den Emmy nominiert, sondern auch für seine Auftritte in "Frasier", "Will & Grace" sowie dem TV-Film "Life With Judy Garland: Me and My Shadows". Aber mindestens genauso viele Zuschauer*innen dürften den 77-jährigen Kanadier, der seit 2015 mit seinem Landsmann Rainer Andreesen verheiratet ist, auch aus Filmen wie "Titanic", "Schlaflos in Seattle", "Der Club der Teufelinnen", "Natürlich blond" "Milk" und "Argo" sowie aus Serien "The Flash", "Stadtgeschichten", "Schitt's Creek" oder "And Just Like That" kennen. Gerade ist er in "Not Suitable For Work" (Disney+) zu sehen.
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