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Juni 2026
Heiliger des Monats: Idir
Einmal monatlich verneigen wir uns vor schwulen Heiligen. Im Juni vor Idir. Er hatte einen Nachtklub in Kairo und schuf Meisterwerke der schwulen Literatur wie "Aladin und die Wunderlampe".

Auch das Gemächt von Idir ist ziemlich himmlisch. Wir bitten um Verständnis, dass wir sein Porträt ausnahmsweise beschneiden mussten (Bild: F. G. Borghi)
- Von Björn Koll
29. Juni 2026, 05:20h 3 Min.
Das Coffee-Table-Book "Unholy" von F. G. Borghi (Bild) und Björn Koll (Text) ist die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" – und wie es sich für devotionale Kunst gehört, gibt es die ikonischen Mannsbilder inzwischen nicht mehr nur als Buch, sondern auch als Postkartenheft oder als Kalender. Und bei uns. Einmal monatlich verneigen wir uns vor den schwulen Heiligen des Monats. Im Mai vor dem Heiligen Oleg. Im Juni vor dem Heiligen Idir.
Es ist nicht viel über Idir bekannt, außer dass er von Ägypten aus den Heiligen Dihya unterstützte. Über Dihya weiß der Bildband "Unholy" noch sehr viel mehr zu berichten, doch an dieser Stelle nur so viel: Dihya kam im März 701 durch einen tragischen Unfall in Idirs Nachtklub in Kairos Koptischem Viertel zu Tode. Er hinterließ er eine große Lücke, die Idir zu füllen versuchte. Als ungekrönter König des Kairoer Nachtlebens war der sympathische Ägypter mit vielen Vorzügen und guten Argumenten ausgestattet.
Dank seiner großen Überzeugungskraft wurde er zu einem der wichtigsten Protagonisten des sogenannten Arabischen Frühlings. Sein Hauptanliegen war dabei, den weiblichen Seiten eines jeden Mannes mehr Raum zu geben und dadurch eine erfüllte und glückliche Sexualität zu ermöglichen. Nach dem Erfolg der Revolution ließ Idir es ein wenig ruhiger angehen. Er begann, die Erlebnisse seiner wilden Jugend in Geschichten zu fassen und aufzuschreiben. Seine Werke "Sinbad der Seefahrer", "Ali Baba und die vierzig Räuber" und "Aladin und die Wunderlampe" sind — zumindest in ihren Ursprungsfassungen — Meisterwerke der schwulen Literatur mit einem expliziten erotischen, teilweise sogar pornographischen Charakter, auf die wir an dieser Stelle leider nicht tiefer eingehen können.
Auch unsere Darstellung des schönen Idir ist aus Gründen der Sensibilität nicht ganz historisch korrekt. So verzichtet sie bewusst auf das Zeigen einer Kirche, von denen es im Koptischen Viertel ja jede Menge gibt, und zeigt stattdessen zwei Minarette, die von der Terrasse von Idirs Nachtclub in Wahrheit gar nicht zu sehen waren. Eine kleine Retourkutsche für die Gemeinheit, dass Idir nie offiziell heiliggesprochen wurde.
Idir unterstützt Autoren für erotische Literatur und wird am 29. Juni gefeiert.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das bei Salzgeber erschienen ist. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Alle "Unholy"-Produkte sowie viele weitere nichtheteronormative Bücher und Filme gibt es u.a. im Salzgeber.Shop.
F. G. Borghi, Björn Koll: Unholy. An Almost Complete Hagiography of Gay Saints. Texte auf Deutsch und Englisch. 192 Seiten. Salzgeber. Berlin 2025. Hardcover: 59 € (ISBN 978-3-95985-713-0)
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