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Ab 1. Juli bei MagentaTV+

Als Vampir-Diva gibt Sam Reid die Performance seines Lebens

Anne Rices queere Vampire sind zurück. In den ersten beiden Staffeln von "Interview with the Vampire" erzählte Louis seine Geschichte – in "The Vampire Lestat" ist nun sein früherer Geliebter Lestat an der Reihe.


Sam Reid als Lestat in "The Vampire Lestat": Mehr Szenenfotos zeigen wir in der unten verlinkten Galerie (Bild: Vampire Chronicles Productions LLC)

Jene Fans von Anne Rices Vampir-Romanen, denen schon die ersten beiden Staffeln der neuen TV-Adaption von "Interview with the Vampire" zu freizügig interpretiert und zu sehr modernisiert waren, müssen sich für die dritte Staffel warm anziehen. Unter dem neuen Titel "The Vampire Lestat" flimmert etwas über den Bildschirm, das zwar erkennbar den Inhalt des gleichnamigen zweiten Romans der Bücherserie aufgreift, diesen aber derart wild und chaotisch erzählt, dass man sich darin erst mal irgendwie zurechtfinden muss.

Wie eine Musik-Doku auf Speed

Der stilistische Bruch mit den ersten beiden Staffeln (siehe unsere Besprechung) könnte heftiger kaum sein. In diesen hatte der Vampir Louis (Jacob Anderson) dem Journalisten Daniel (Eric Bogosian) seine Geschichte erzählt – im Zentrum stand die chronologisch erzählte Historie, immer wieder mal unterbrochen durch Szenen in der Gegenwart. "The Vampire Lestat" spielt weitgehend in der Gegenwart, gelegentlich unterbrochen durch historische Rückblenden auf Lestats Lebensgeschichte, die jedoch – zumindest in den ersten drei Folgen, die den Medien im Vorfeld gezeigt wurden – eher bruchstückhaft erzählt wird. Und das alles im Stil einer assoziativen Musik-Doku auf Speed, denn Lestat (Sam Reid) ist nun der Lead-Sänger einer Rockband.

Es hilft, sich die Ereignisse am Ende der zweiten Staffel nochmals in Erinnerung zu rufen: Louis' Erzählung seiner Vergangenheit endet mit der Hinrichtung seiner geliebten Vampirtochter Claudia (Delainey Hayles) nach einer theatralischen Gerichtsverhandlung im Pariser Théâtre des Vampires. Beide sind angeklagt wegen ihres Mordversuchs an Lestat einige Jahre zuvor in New Orleans – mit Lestat selbst als Kronzeugen. Louis wird vom Pariser Vampir-Clan zwar ebenfalls verurteilt, überlebt jedoch und bringt (fast) alle um, die für Claudias Tod verantwortlich sind.

Louis' Roman macht die Vampir-Welt öffentlich


Poster zur Serie: "The Vampire Lestat" kann ab 1. Juli 2026 bei MagentaTV+ gestreamt werden

In der Gegenwart findet am Schluss eine Art Versöhnung zwischen den früheren Liebhabern Louis und Lestat statt. Louis' anderer Ex-Lover Armand (Assad Zaman) derweil macht den Journalisten Daniel aus Rache zum Vampir, denn dieser hat enthüllt, dass es nicht – wie Armand immer behauptet hat – er selbst war, der Louis damals in Paris das Leben gerettet hatte, sondern Lestat. Und dass die Gerichtsverhandlung von ihm maßgeblich mitinszeniert war mit dem Ziel, Claudia zu beseitigen. Das alles empört Louis so sehr, dass er sich umgehend von Armand trennt.

Daniel wiederum scheint sich in seinem neuen Vampirleben ausgesprochen wohlzufühlen und veröffentlicht alles, was Louis ihm erzählt hat, als Buch unter dem Titel "Interview with the Vampire". Was zu heftigen Reaktionen innerhalb der weiteren Vampir-Welt führt – und zu Drohungen gegenüber dem "Verräter" Louis, der ihre Geheimnisse ausgeplaudert hat.

Andeutung einer globalen Katastrophe

"The Vampire Lestat" eröffnet mit einer Auktion, in der Besitztümer von Lestat versteigert werden sollen. Anwesend sind auch Louis, der hinkend und am Stock eintrifft, sowie Armand mit einer schwarzen Augenklappe. Es wird angedeutet, dass eine globale Katastrophe passiert ist – und die beiden verletzten Vampire illustrieren, dass selbst sie davon nicht verschont geblieben sind. Wer die Romane kennt, ahnt, was passiert sein dürfte, und realisiert, dass diese Staffel neben "The Vampire Lestat" bereits schon "The Queen of the Damned" einbezieht, Anne Rices drittes Buch.

Versteigert wird auch eine Sammlung von Schallplatten, auf denen Lestat selbst berichtet, was zu jenen katastrophalen Ereignissen geführt hat und wie weit er dabei involviert war. Diese Rückblende aus Lestats Perspektive beginnt im Frühling 2025 – und mitten in einem Rockkonzert seiner neuen Band. Auch er hat mittlerweile Daniels Buch über seine gemeinsame Geschichte mit Louis gelesen und ist zunächst verärgert über die vielen Dinge, die er ganz anders sieht. Gleichzeitig nutzt er die unerwartete öffentliche Publizität, die die Vampire und er selbst dank Louis' Roman plötzlich haben. Er formt eine Rockband und outet sich öffentlich als Vampir.

Ein Teil seines begeisterten Publikums glaubt ihm das auch, andere denken, er tut nur so als ob. Lestat spielt bewusst mit dieser Ambiguität, indem er einen Doppelgänger anheuert, der auch tagsüber ab und zu unterwegs ist. Ebenfalls angeheuert hat er den Buchautor und Neu-Vampir Daniel, dem er seine Version der Geschichte erzählen will und der gleichzeitig eine Art Doku des Rockstars Lestat dreht.

Lestat inszeniert sich als Rock-Diva

Im Stil einer solchen Doku ist auch die dritte Staffel als Ganzes erzählt, wild, chaotisch, wie auf Drogen, mit vielen Songs und allerlei fragmentarischen Rückblenden auf die jüngere Vergangenheit (wie Lestat Louis' Buch entdeckt, wie er seine Band formt) und die länger zurückliegende Vergangenheit (Lestats schwierige Kindheit und Jugend in Frankreich, wie er zum Vampir wird und seine Mutter ebenfalls zu einem macht). Und das alles begleitet von Lestats Erzählstimme, der jede Gelegenheit nutzt, sich als Rock-Diva zu inszenieren.

In der Gegenwart von 2025 derweil tauchen immer wieder verärgerte Vampire an Lestats Konzerten auf, die ihn wegen seines offenen Auftretens zur Rechenschaft ziehen wollen. Vorerst kann er ihre Angriffe noch erfolgreich abwehren, aber wer die Bücher kennt, weiß, dass da bald jemand auftauchen wird, die unendlich viel mächtiger ist und große Pläne für sich selbst hat: Akasha (Sheila Atim), die ägyptische Ur-Mutter aller Vampire der Welt.

Gewagt, genial, gewöhnungsbedürftig

Der harte stilistische Kontrast dieser neuen Staffel gegenüber den ersten beiden soll offensichtlich auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten ihrer Erzähler Louis und Lestat symbolisieren. Dieser Bruch ist gewagt und irgendwie auch genial, aber zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig. Erschwerend kommt hinzu, dass Lestats Lebensgeschichte, die im Zentrum des Romans "The Vampire Lestat" steht, derart bruchstückhaft erzählt wird, dass sie so richtig wohl nur jene nachvollziehen können, die den Roman kennen. Es ist ein bisschen, als setze die Serie voraus, dass das eh alle wissen und es folglich reicht, sich auf Andeutungen zu beschränken. Wobei es natürlich sein kann, dass jenen Teilen, die für die kommenden Ereignisse relevant sind, in den weiteren Folgen mehr Raum gegeben wird.

Derweil gibt Lestat-Darsteller Sam Reid hier die Performance seines Lebens: Der 39-jährige Australier spielt den Rockstar nicht nur, er verkörpert ihn geradezu und singt auch sämtliche Songs selbst. Seine Bühnenauftritte für die Serie wurden alle live gefilmt wie an einem echten Konzert. Komponiert von Daniel Hart, bringen Sound und Text quasi Lestats seelischen Zustand auf den Punkt.

Showrunner Rolin Jones bezeichnete die Songs in einem Interview als das "geheime Herz jeder Episode". Sam Reid betonte im gleichen Gespräch Jones' entscheidende Rolle beim abrupten Stilwechsel der neuen Staffel. "Er hat alles riskiert und es irgendwie geschafft, die Sender-Verantwortlichen davon zu überzeugen, ein paar sehr mutige Entscheide zu treffen, die sie eigentlich lieber nicht machen wollten."

Direktlink | Vampir Lestat live im New Yorker Beacon Theatre
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Weitere TV-Adaptionen sind wahrscheinlich

Eine vierte Staffel der Serie ist noch nicht offiziell angekündigt, dürfte aber angesichts der äußerst positiven Reaktionen von Kritik und Publikum wahrscheinlich sein. Produzent Mark Johnson hat seitens des Senders AMC zudem freie Hand, weitere Serien auf Basis von Anne Rices Romanen zu entwickeln – das ganze läuft unter dem Label "Immortal Universe" und hat auch schon begonnen: Die dritte Staffel von "The Mayfair Witches" ist in Produktion, derweil "Talamasca: The Secret Order" bereits nach einer Staffel abgesetzt wurde.

Keine Frage, dass gerade Anne Rices Vampir-Welt enormes Potenzial für weitere TV-Adaptionen bietet. Es bestehen also realistische Chancen, dass "The Vampire Lestat" nicht die letzte Geschichte mit unseren queeren Lieblings-Vampiren gewesen sein wird.

Ab dem 1. Juli 2026 können MagentaTV-Kund*innen "The Vampire Lestat" exklusiv und ohne Zusatzkosten bei MagentaTV+ streamen. Für alle Interessierten ist die erste Folge auch ohne Login kostenlos auf magenta.tv und in der MagentaTV-App für begrenzte Zeit verfügbar.

Galerie:
The Vampire Lestat
12 Bilder
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