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Queerfilmnacht

Schwule Repräsentation vom Feinsten

Ein Kunststudent zwischen sexy Stickereien und Cruising mit dem Essenslieferanten: Der poetische Film "Drunken Noodles" von Lucio Castro erzählt ungewöhnlich von zufälligen Begegnungen und was sie mit uns machen.


Szene aus "Drunken Noodles" (Bild: Salzgeber)

Manchmal muss man einfach Essen bestellen. Nach einem langen Tag, an einem verkaterten Sonntag, weil man sich was gönnen möchte. Oder aus purer Faulheit. Oder weil der Kühlschrank so gar nichts hergibt.

Oder weil man nur vorübergehend in der Stadt ist, so wie Adnan (Laith Khalifeh). Der Kunststudent kommt in der Wohnung seines Onkels in Brooklyn unter, während der im Urlaub ist. Adnan passt dafür auf die Katze auf und macht ein Praktikum in einer Galerie.

Der Fahrradkurier fällt ihm sofort auf

Er bestellt das Gericht, das dem neuen Film von Lucio Castro den Titel gibt: Drunken Noodles sind ein beliebtes thailändisches Essen, scharf und schnell zubereitet, ideal für den Tag nach einer langen Nacht, daher der Name. Der Lieferant fällt ihm gleich auf, nicht nur weil sein Fahrrad mit bunten Lichtern die Nacht erhellt.

Häufig haben Kund*innen und Kurier*innen nicht viel gemeinsam. Die eine bestellt, der andere liefert. Sie leben in getrennten Welten, die sich nur bei der Übergabe ein paar Sekunden kreuzen. Doch zwischen Adnan und Yariel (Joél Isaac) verhält sich das anders. Die zwei treffen sich wieder.

Wunschtraum oder Wirklichkeit?


Poster zum Film: "Drunken Noodles" läuft im Juli 2026 in der Queerfilmnacht

Yariel besucht Adnan in der Galerie. Die Werke, die dort ausgestellt werden, haben es in sich: Hier hängen bunte Stickereien mit expliziten Motiven, darunter schwuler Gruppensex. Einer in der Mitte, viele um ihn herum. Ein anderes Bild heißt "Du hast gelogen". Nur dass bei diesem Pinocchio nicht die Nase wächst. Die sexy Stickereien stammen vom Künstler Sal Salandra.

Der Essenslieferant überzeugt und überrascht mit einer fundierten Analyse und Einordnung der Werke. Und er bringt ein paar Kollegen mit zu Adnan, um die Stickereien zum Leben zu erwecken. Die Kunst wird von der Wand in den Raum übertragen. Aber, Moment – ist das gerade wirklich passiert? Ist das Einbildung, Wunschtraum, Wirklichkeit?

Ein Pan im Jockstrap

Diese Fragen stellt man sich bei "Drunken Noodles" häufiger. Der Film spielt mit der Realität – oder den Realitäten. Was sich für manche ganz wahr anfühlt, kann für andere gar nicht passieren. Der Film ermöglicht eigene Lesarten, ohne sich festzulegen. Ist der Flöte spielende Pan im Jockstrap wirklich durch den Wald gehüpft?

Das Gleiche gilt auch für den Ablauf der Handlung. Denn, so wird erst nach einiger Zeit klar: Adnan kennt den knapp 80-jährigen Stick-Künstler persönlich. Und sie verbindet mehr, als man auf den ersten Blick meinen würde. Wieder so eine Zufallsbegegnung, die bleibenden Eindruck hinterlässt. Und die auch provoziert.

Adnans Begegnungen und Begierden

"Drunken Noodles" erzählt von solchen Begegnungen, aber auch von den Erinnerungen daran. Und Erinnerungen passieren nicht linear, sie treffen Adnan manchmal unvorbereitet. So entsteht ein geschicktes Verwirrspiel, das auch beim erneuten Schauen noch neue Hinweise liefert – sich aber einer Eindeutigkeit entzieht.

Das klingt herausfordernder, als es ist. Der Film des argentinischen Regisseurs Lucio Castro ist zwar weit davon entfernt, dem Mainstream gefallen zu wollen. Doch die Geschichte von Adnan, von seinen Begegnungen und Begierden, wird wunderbar poetisch und mit großer Leichtigkeit erzählt.

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Gum or Cum?

Diesen Eindruck verstärkt nicht nur die an Stummfilme erinnernde Klaviermusik und das fast quadratische Format, das den Fokus auf die Figuren und was sie miteinander machen lenkt. "Drunken Noodles" durchzieht auch ein unerwarteter Humor: Wenn ein Typ beim Cruising fragt, ob Adnan "gum oder cum" gesagt hat, oder Adnan und seine große Liebe von einer Klippe in einen See springen – und sich dabei Sexspielzeug-Figuren ausdenken. Peitsche und Buttplug statt Schraube und Auerbach. Das ist nicht nur lustig, das ist auch zeitgemäßes queeres Kino und schwule Repräsentation vom Feinsten.

Regisseur Lucio Castro drehte "Drunken Noodles" unter anderem in seiner eigenen Wohnung. Er brauchte nur sieben Drehtage. Doch sein Film entfaltet eine erstaunliche erzählerische und emotionale Größe, die lange nachwirkt.

Infos zum Film

Drunken Noodles. Drama. USA, Argentinien 2025. Regie: Lucio Castro. Cast: Laith Khalifeh, Ezriel Kornel, Matthew Risch, Joél Isaac. Laufzeit: 82 Minuten. Sprache: englisch-spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im Juli 2026 in der Queerfilmnacht
Galerie:
Drunken Noodles
6 Bilder
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