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Nach kurzer schwerer Krankheit

Village-People-Frontmann Victor Willis ist tot

Die Disco-Welt trauert um Victor Willis: Der Leadsänger und Mitbegründer der Village People ist im Alter von 75 Jahren nach kurzer, aber schwerer Krankheit gestorben. Zuletzt fiel Willis allerdings mit Äußerungen gegen die queere Community auf.


Victor Willis bei einem Auftritt im Jahr 2019 (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)

Victor Willis, Leadsänger und Mitbegründer der legendären Kultband Village People, ist gestorben. Die Disco-Gruppe bestätigte den Tod ihres Frontmanns auf Facebook. Willis starb demnach am Dienstag im Alter von 75 Jahren nach einer kurzen, aber schweren Krankheit.

In ihrem Statement zeigte sich die Band zutiefst betroffen und erklärte, sie müsse mit großer Trauer den Tod von Victor Willis, dem Leadsänger der Village People, bekannt geben. Zu einem Foto, das Willis in seinem markanten Polizei-Kostüm zeigt, bat die Gruppe zugleich um Respekt für die Privatsphäre der Angehörigen. Auch seine Ehefrau, die Anwältin Karen Huff-Willis, meldete sich zu Wort: Sie sprach vom Tod ihres Mannes, bestätigte die Angaben zur schweren Krankheit und nannte den Verlust erschütternd.

Beim genauen Alter des Sängers gehen die Angaben auseinander. Die Band selbst und zahlreiche Medienberichte gaben sein Alter mit 75 Jahren an. Laut anderweitigen Angaben wurde Willis jedoch am 1. Juli 1951 geboren und starb damit nur einen Tag vor seinem 75. Geburtstag.

Welthits und ein unverkennbares Kostüm

Als Gründungsmitglied prägte Willis den Klang der Village People, die Ende der Siebzigerjahre zu einem der erfolgreichsten Disco-Acts der Welt aufstiegen. Auf der Bühne trat er meist als Polizist, gelegentlich als Marineoffizier auf und war zugleich Leadsänger und wichtigster Texter der Gruppe. Er sang auf Klassikern wie "Y.M.C.A.", "Macho Man", "In the Navy" und "Go West" – Songs, die längst über die Disco-Ära hinaus zu festen Größen bei Sportereignissen, in Wahlkämpfen und in der Popkultur wurden.

Der Name der Band verweist auf das New Yorker Stadtviertel Greenwich Village. 2020 nahm die Library of Congress "Y.M.C.A." in das National Recording Registry auf und würdigte die Aufnahme damit als kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsam (queer.de berichtete).

Vom Gospel-Sänger zum Disco-Star

Geboren wurde Victor Edward Willis in San Francisco. Seine Stimme schulte er zunächst als Gospel-Sänger, in der Baptistengemeinde seines Vaters, der als Prediger wirkte. Nach einer Ausbildung in Schauspiel und Tanz zog Willis nach New York, wo er unter anderem der Broadway-Erstinszenierung des Musicals "The Wiz" (1976) und der Negro Ensemble Company angehörte.

Die entscheidende Wende kam Mitte der Siebzigerjahre mit dem französischen Produzenten Jacques Morali. Willis zufolge trat dieser mit einer ungewöhnlichen Idee an ihn heran: Er habe geträumt, dass Willis die Leadstimme auf seinem Album singe und dieses ein großer Erfolg werde. Aus der Zusammenarbeit gingen die Village People hervor, deren selbstbetiteltes Debütalbum 1977 erschien.

Trotz des großen Erfolgs verließ Willis die Gruppe 1980. Danach erreichten die Village People nie wieder die kommerziellen Höhen ihrer späten Siebzigerjahre. Abseits der Bühne kämpfte Willis über Jahre mit Suchtproblemen und juristischen Schwierigkeiten. Nach einer Festnahme 2006 begab er sich in eine Entzugstherapie und erklärte später, der Albtraum des Drogenmissbrauchs weiche allmählich aus seinem Leben, er denke und sehe wieder klarer.

Später kehrte Willis zur Musik zurück: 2015 veröffentlichte er mit "Solo Man" ein bereits 1979 aufgenommenes Album, 2017 übernahm er nach langen Rechtsstreitigkeiten erneut die Rolle des Leadsängers der Village People. Auch als Rechteinhaber setzte er sich durch: 2012 erstritt er auf Grundlage des US-Urheberrechts die Rückübertragung von Songrechten, unter anderem an "Y.M.C.A.", "Go West" und "In the Navy". 2015 sprach ihm eine Jury gemeinsam mit Morali die alleinige Urheberschaft an 13 Songs zu.

Willis: "Y.M.C.A." ist keine Schwulenhymne

Zuletzt fiel Willis vor allem durch seine Nähe zu Donald Trump auf, der die Lieder "Y.M.C.A." und "Macho Man" gerne bei Wahlkampfveranstaltungen spielte. 2024 drohte er zudem Medien mit Klagen, die das Lied "Y.M.C.A." als "Schwulenhymne" bezeichneten (queer.de berichtete). "Das muss aufhören, weil es das Lied beschädigt", sagte Willis damals. Schließlich enthalte der Liedtext keine "lasterhafte Aktivitäten", sagte er mit Blick auf Homosexuelle (queer.de berichtete).

Wegen dieser Äußerungen gab es letztes Jahr Forderungen, die Band vom anlässlich des CSD ausgetragenen Kölner Megaevent "Rainbow Festival" auszuladen, allerdings ohne Erfolg (queer.de berichtete). (cw/spot)

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