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Interview
Bisexueller Placebo-Frontmann: Die Welt ist genauso homophob wie in den Neunzigern
Brian Molko gründete vor über 30 Jahren die queere Musikgruppe Placebo. In einem Interview spricht er über die Anfänge der Band und die gegenwärtige Welt.

Brian Molko bei einem Auftritt in Mailand im Juli 2024 (Bild: IMAGO / NurPhoto)
- 1. Juli 2026, 13:18h 3 Min.
Der britisch-amerikanische Musiker Brian Molko, der Frontmann der Alternative-Rock-Band Placebo, hat in einem Interview mit der österreichischen "Kronen-Zeitung" (Bezahlartikel) beklagt, dass die Welt heutzutage nicht viel queerfreundlicher sei als vor 30 Jahren. Er sehe zwar, "dass LGBT-Leute, all jene von uns, die nicht zu 100 Prozent heterosexuell sind, viel sichtbarer geworden sind", sagte der 53-Jährige. "Aber ich stelle fest, dass wir als Weltbevölkerung nicht vorurteilsfreier oder weniger homophob sind als in den Neunzigerjahren."
Molko hatte 1994 zusammen mit dem schwedisch-luxemburgischen Musiker Stefan Olsdal in London die Band Placebo gegründet. Molko ging dabei offen mit seiner Bisexualität um, Olsdal outete sich kurz nach Erscheinen des ersten Albums der Band als schwul. Ein großer Teil der Boulevard- und Musikpresse reagierte auf diese Coming-outs damals mit Spott und Aggression. Molko wurde in Artikeln oft auf seine Androgynität reduziert, als "Frau im Männerkörper" belächelt oder als rein voyeuristisches Phänomen dargestellt.
Gegenbewegung zum heterosexuellen Britpop
Placebo feierte ihre ersten Erfolge zudem zur absoluten Hochphase des Britpop. Diese Szene war stark von einer traditionellen, oft rauen Arbeiterklasse-Männlichkeit geprägt, in der queere Menschen keinen Platz hatten. Oasis-Sänger Liam Gallagher, bekannt für seine oft rüden Pöbeleien gegen Musikkollegen, machte sich damals in Interviews über Placebo lustig und reduzierte Molko und Olsdal oft auf ihr Äußeres und ihre Queerness. Er warf der Konkurrenz-Band vor, eine "belanglose Popwelt" zu repräsentieren.
Jetzt erklärte Molko im Interview über diese Zeit: "Was uns konfrontativ und provokativ gemacht hat, waren die homophoben Beleidigungen und Drohungen, denen Stefan und ich tagtäglich ausgesetzt waren." Immer, wenn die beiden in einer Bar gewesen seien oder ein Konzert besucht hätten, "haben uns total fremde Menschen angepöbelt, beschimpft und uns sogar physische Gewalt angedroht". Dies sei die britische Kultur der Neunzigerjahre gewesen.
Queerfeindlichkeit führte zum Song "Nancy Boy"
"Sie nannten mich 'Nancy Boy', was ein degradierendes Slangwort für Homosexuelle ist", erinnerte sich Molko. "Und dabei habe ich mich gar nicht richtig angestrengt. Ich hatte nur Eyeliner, Nagellack und langes Haar." Dies habe ihn aber nicht eingeschüchtert, ganz im Gegenteil: "Da dachte ich: Was, wenn ich die Lautstärke mal auf Elf drehe und mit Absicht provokant bin? Ich begann, Kleider anzuziehen, viel mehr Make-up zu tragen und die Ästhetik abseits der Hetero-Normen zu erforschen." Außerdem habe er den im Januar 1997 veröffentlichten Song "Nancy Boy" geschrieben, in dem er allen erzählt habe, "wie viel mehr Spaß als andere ich habe, wenn ich in London ausgehe". "Nancy Boy" sei "unser politisches Statement für Toleranz" gewesen.
In dem Interview erklärte Molko auch, dass er Religion als Gefahr ansehe: "Ich glaube immer noch, dass Religion die größte gemeinsame Verblendung der Menschheit ist", sagte der in London lebende Musiker. Er studieren dagegen den tibetischen Buddhismus als "eine Philosophie, die dich anhält, die notwendige innere Arbeit an dir selbst zu machen". Außerdem bewundere er den französischen Schriftsteller Albert Camus (1913-1960). Ihn spreche vor allem ein Zitat Literaturnobelpreisträgers an: "Wenn das Leben schon keinen Sinn hat, lass uns deswegen nicht depressiv werden. Lass uns stattdessen dieser Leere ins Gesicht lachen, Sex haben, Party machen und zu toller Musik tanzen".
Zum 30-jährigen Jubiläum ihres legendären Debütalbums haben Placebo am 19. Juni ein neues Album namens "Placebo RE:CREATED" (Amazon-Affiliate-Link ) herausgebracht. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Album mit komplett neuen Songs, sondern um eine Art "Director's Cut" ihrer Anfänge. (dk)














