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Interview
Was machst du, wenn sich dein Körper nicht mehr "verkauft", Marius Rohde?
Marius Rohde gehört zu den erfolgreichsten schwulen Content-Creators auf BestFans. Wir sprachen mit ihm über Selbstbestimmung, queere Sichtbarkeit, Kritik aus der Community und das absehbare Ende seiner Karriere.

Marius Rohde: "Nur weil ich erotischen Content mache, definiert das nicht die gesamte Community" (Bild: privat)
- 2. Juli 2026, 05:41h 6 Min.
Marius Rohde verdient sein Geld dort, wo viele nur hinschauen: auf Erotik-Plattformen wie OnlyFans und BestFans. Doch der 24-jährige Berliner will nicht auf seinen Körper reduziert werden. Neben seiner Arbeit als Creator hat er sich ein eigenes Unternehmen aufgebaut – mit einer Foto- und Videoagentur und dem PowerPoint-Dating-Format "Stellmichvor".
Im Interview spricht Rohde offen über Selbstbestimmung, über Kritik aus den eigenen Reihen und über eine Frage, die in der Szene gern verdrängt wird: Was passiert eigentlich, wenn sich der eigene Körper irgendwann nicht mehr "verkauft"?
Seit wie vielen Jahren bist du Creator? Wie viel Geld verdienst du bzw. kannst du gut davon leben?
Ich bin seit einigen Jahren Creator und mache das inzwischen hauptberuflich. Ich kann sehr gut davon leben und habe mir dadurch ein eigenes Unternehmen aufgebaut. Neben meiner Arbeit als Creator habe ich außerdem meine Foto- und Videoagentur sowie mein PowerPoint-Dating-Format "Stellmichvor" gegründet. Mir war immer wichtig, nicht nur auf eine Sache zu setzen.
Macht es queere Menschen sichtbarer, wenn schwule Körper auf einer Bezahlplattform als sexuelles Produkt angeboten werden – oder reduziert es schwule Männer genau auf das Klischee, gegen das die Bewegung jahrzehntelang gekämpft hat?
Ich glaube, beides kann gleichzeitig existieren. Nur weil ich erotischen Content mache, definiert das nicht die gesamte Community. Queere Menschen sind unglaublich vielfältig. Ich finde es wichtig, dass jeder selbst entscheiden kann, wie er sich zeigt. Solange das freiwillig passiert, sehe ich darin kein Problem.
Manche Kritiker*innen aus der Community werfen Creators wie dir vor, ein hypersexualisiertes Bild schwuler Männer zu zementieren. Was entgegnest du jemandem, der sagt: "Du schadest dem, wofür wir kämpfen"?
Ich verstehe, woher diese Kritik kommt, aber ich sehe das anders. Ich repräsentiere mich selbst und nicht alle schwulen Männer. Ich finde, echte Akzeptanz bedeutet auch, unterschiedliche Lebenswege zu akzeptieren – selbst wenn sie nicht jedem gefallen. Niemand sollte anderen vorschreiben, wie sie ihre Sexualität oder ihren Körper leben dürfen.
Was passiert, wenn sich dein Körper nicht mehr "verkauft"? Hast du einen Plan für das, was nach dieser Karriere kommt – oder ist das ein Thema, das in der Szene verdrängt wird?
Darüber denke ich tatsächlich nach. Ich glaube, man sollte sich nie darauf verlassen, dass etwas für immer funktioniert. Deshalb investiere ich auch in andere Projekte und baue mir mehrere Standbeine auf. Mein Ziel war nie, mein ganzes Leben nur von meinem Aussehen abhängig zu sein.

Von Marius Rohde gibt es auch Bilder mit Kleidung (Bild: privat)
Die CSD-Saison ist in vollem Gange. Was bedeutet Pride ganz persönlich für dich?
Für mich ist Pride vor allem eine Erinnerung daran, dass viele Menschen vor uns dafür gekämpft haben, dass wir heute freier leben können. Gleichzeitig ist es eine Zeit, in der man die Community feiert, sichtbar ist und sich gegenseitig unterstützt.
Hat sich die Bedeutung von Pride für dich im Laufe der Jahre verändert?
Ja, definitiv. Früher habe ich Pride eher als große Party wahrgenommen. Heute sehe ich viel stärker den politischen Hintergrund und wie wichtig Sichtbarkeit und Zusammenhalt nach wie vor sind. Gerade wenn man sieht, dass Diskriminierung und queerfeindliche Gewalt immer noch existieren, merkt man, warum Pride wichtig bleibt.
Pride ist heute auch ein kommerzielles Großereignis. Wie stehst du zu dieser Entwicklung?
Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Unternehmen Haltung zeigen. Aber das sollte nicht nur zum CSD passieren. Wirklich glaubwürdig ist es erst, wenn sie die Community das ganze Jahr unterstützen – sei es durch Spenden, faire Arbeitsbedingungen oder echtes Engagement und nicht nur durch Marketing.
Reicht Sichtbarkeit allein, oder was muss aus deiner Sicht der nächste Schritt sein?
Sichtbarkeit ist wichtig, aber sie reicht nicht aus. Es braucht echte Akzeptanz im Alltag, mehr Aufklärung und Räume, in denen Menschen sich begegnen können. Genau deshalb macht mir mein Dating-Format "Stellmichvor" so viel Spaß. Dort kommen Menschen zusammen, lernen sich kennen und bauen Vorurteile oft ganz automatisch ab. Solche Begegnungen sind aus meiner Sicht genauso wichtig wie Sichtbarkeit im Netz.
Welche Rolle können Creator-Plattformen wie OnlyFans und BestFans in Bezug auf queere Sichtbarkeit spielen?
Sie geben vielen Menschen die Möglichkeit, unabhängig Geld zu verdienen und sich so zu zeigen, wie sie sind. Gerade queere Creator haben dort oft mehr Freiheit als auf klassischen Plattformen. Gleichzeitig finde ich wichtig zu zeigen, dass wir mehr sind als unser Content. Ich bin Creator, Unternehmer und Veranstalter – das gehört alles zu mir.
Du bewegst dich gleich an zwei Fronten, an denen es Vorurteile gibt – als schwuler Mann und als Sex-Content-Creator. Wo begegnen sie dir am stärksten?
Am häufigsten tatsächlich online. Dort urteilen viele Menschen über einen, ohne einen persönlich zu kennen. Aber auch im echten Leben merkt man manchmal, dass Menschen einen auf den Beruf reduzieren und gar nicht sehen, was man daneben noch alles macht.
Erlebst du auch innerhalb der queeren Community selbst Ablehnung gegenüber dem, was du tust? Wie gehst du mit Hass, Kommentaren oder Anfeindungen um?
Ja, das kommt vor. Kritik gibt es überall, auch innerhalb der eigenen Community. Ich nehme konstruktive Kritik ernst, aber ich habe auch gelernt, nicht jeden Kommentar persönlich zu nehmen. Man kann es nie allen recht machen, und das muss man auch nicht.
Hast du das Gefühl, dass es für queere Creator gerade besser oder eher schwieriger wird?
Ich glaube, es ist beides. Es gibt mehr Möglichkeiten und mehr Akzeptanz als früher. Gleichzeitig ist der Wettbewerb deutlich größer geworden, Plattformen werden strenger und Hass im Internet ist leider immer noch ein großes Thema. Man braucht heute deutlich mehr als nur gute Bilder – man muss sich als Marke aufbauen.
Du wohnst in Berlin. Immer wieder ist auch auf queer.de von queerfeindlichen Straftaten zu lesen. Wie ist dein Eindruck: Ist das Leben in der Großstadt für queere Personen eher sicherer oder unsicherer geworden?
Berlin gehört für mich immer noch zu den offensten Städten überhaupt. Trotzdem nehme ich wahr, dass queerfeindliche Vorfälle häufiger werden oder zumindest stärker sichtbar sind. Ich fühle mich grundsätzlich wohl in Berlin, aber ich kenne auch Situationen, in denen man sich zweimal überlegt, ob man mit seinem Partner Händchen hält. Das sollte eigentlich nicht so sein.
Würdest du anderen jungen, schwulen Männern heute noch dazu raten, OF-/BF-Creator zu werden?
Ich würde niemandem pauschal dazu raten oder davon abraten. Man sollte sich bewusst sein, dass das Internet nichts vergisst und dieser Job nicht nur Geld, sondern auch Verantwortung und psychischen Druck mit sich bringt. Wenn man sich dafür entscheidet, sollte man es aus Überzeugung tun und nicht, weil man glaubt, damit schnell reich zu werden. Gleichzeitig würde ich jedem empfehlen, sich nebenbei etwas Eigenes aufzubauen – egal ob ein Unternehmen, eine Marke oder ein Herzensprojekt. Bei mir sind das meine Agentur und "Stellmichvor". Das gibt mir langfristig Sicherheit und macht mir mindestens genauso viel Spaß wie die Arbeit als Creator.
Links zum Thema:
» Marius Rohde auf BestFans
» Marius Rohde auf Instagram
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