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Paradox-Politikerin

Für Nyke Slawik ist Alice Weidel "ein Wolf im Schafspelz"

Lesbisch und queerfeindlich: Alice Weidel soll am Samstag auf dem AfD-Parteitag in Erfurt als Vorsitzende wiedergewählt werden. Das sagen ein Politikprofessor und die trans Grünen-Abgeordnete Nyke Slawik über die Paradox-Politikerin.


Protestschild bei der Demonstration "Fünf vor Zwölf: Wähl Liebe – solange du noch kannst" am 15. Februar 2025 in Köln (Bild: IMAGO / Markus Matze)

In der von Männern dominierten AfD ist sie eine Ausnahmeerscheinung: Alice Weidel soll am Samstag auf dem Bundesparteitag der AfD in Erfurt als Vorsitzende wiedergewählt werden, ebenso der Ko-Parteichef Tino Chrupalla. Weidel sitzt unangefochten im Sattel – und das in einer Partei, die ihren Vorsitzenden früher oft das Leben schwer gemacht hat. In der Öffentlichkeit hingegen polarisiert die AfD-Politikerin: Eisige Schärfe in Wortwahl und Auftreten prägen Weidels Bild in der Öffentlichkeit.

Weidels Erscheinungsbild ist betont bürgerlich: klassische Kostüme, Perlenketten, streng zurückgebundene Haare. Hinter diesem Bild verbirgt sich eine Politikerin, deren Profil nach jahrelangem Lavieren zwischen den Lagern der von Rechtsextremisten durchsetzten AfD unscharf und widersprüchlich erscheint.

Noch komplexer wird das Bild durch Weidels private Lebensverhältnisse als Frau, die in einer lesbischen Partnerschaft mit einer in Sri Lanka geborenen Frau zwei Kinder großzieht – und damit im Widerspruch zum traditionellen Familienbild ihrer eigenen Partei lebt.

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Politikprofessor: Weidel hat sich radikalisiert

Wofür steht Alice Weidel also, wie radikal ist sie? Der Chemnitzer Politikprofessor Benjamin Höhne weist darauf hin, dass die AfD unter Weidels Führung in den vergangenen Jahren "einen Radikalisierungskurs durchlaufen" habe und immer stärker mit einem "rechtsextremen Weltbild" agiere.

"Weidel ist der strategische Kopf, sie geriert sich als die starke Frau der AfD", sagt Höhne zu AFP. Sie unterscheide sich bewusst von ihrem Ko-Vorsitzenden Chrupalla. "An der Spitze der AfD gibt es eine Arbeitsteilung", sagt Höhne. "Chrupalla spricht als Handwerker eine Sprache, die bei Nichtakademikern ankommt."

Als Grund für ihren Eintritt in die neu gegründete AfD 2013 nannte die promovierte Volkswirtin Weidel ihre Gegnerschaft zur Euro-Rettungspolitik der damaligen Bundesregierung. Als Mitarbeiterin eines Vermögensverwalters und einer Investmentbank hatte sie Karriere gemacht, jahrelang lebte sie in China.

Inzwischen ist Weidels zentrales Thema der angebliche Zerfall der inneren Sicherheit als Folge der Zuwanderung. In ihren Reden im Bundestag polemisiert Weidel regelmäßig gegen Zugewanderte. Mit kalter Verachtung spricht sie von "Messermännern" und "Kopftuchmädchen".

Eine Lesbe im Kampf gegen queere Rechte

Mit ihrer unangefochtenen Kür zur ersten Kanzlerkandidatin der AfD bei der Wahl 2025 zeigte Weidel, dass sie in der Partei – trotz Doppelspitze – die Nummer eins ist. Ihr Aufstieg in der Männer-Partei AfD ist durchaus verwunderlich. Der AfD-Fraktion im Bundestag gehören nur 13 Prozent Frauen an. Im 15-köpfigen Bundesvorstand ist Weidel die einzige Frau – und noch dazu eine, die homosexuell lebt.

"Das zeugt von Doppelstandards der AfD", sagt Politikprofessor Höhne. "Gleichstellung ist sicherlich kein Thema für die AfD, und gegen LGBT-Menschen agitiert man."

Noch schärfer über das Paradox Weidel äußert sich die Grünen-Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik. "Sie ist ein Wolf im Schafspelz", sagt Slawik, die queerpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, zur Nachrichtenagentur AFP. "Aus Sicht vieler Menschen in der Queer-Community in Deutschland ist Alice Weidel vor allem eins: Eine, die ihre eigene Community und diejenigen, die für ihr Recht zu heiraten gekämpft haben, verunglimpft." Die AfD arbeite "aktiv gegen die Akzeptanz von gleichgeschlechtlich liebenden Menschen", so die trans Frau.

Weidel wiegelt in der Regel ab, wenn sie auf ihr Lesbischsein angesprochen wird. "Ich bin nicht queer, sondern ich bin mit einer Frau zusammen, die ich seit 20 Jahren kenne", sagte sie einmal (queer.de berichtete). Die AfD nutzt Weidel auch als eine Art Feigenblatt – mit dem Argument, eine Partei mit einer lesbischen Parteichefin und Kanzlerkandidatin könne gar nicht diskriminierend sein.

Der Chemnitzer Politikprofessor Höhne ist davon nicht überzeugt. "Zwar hat sich bei den Geschlechtervorstellungen auch in den Rechtsaußenparteien etwas getan", sagt Höhne zu AFP. "Aber es steht zu befürchten: Wenn sich der Rechtsextremismus als Bezugsideologie der AfD gänzlich durchsetzen sollte, dann kann auch das Pflänzchen des Liberalismus wieder eingehen – mit offenem Homosexuellenhass und einer Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern der Frau."

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