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Staatshomophobie
Türkei verweigert Gay-Kreuzfahrtschiff die Einreise
Die türkische Regierung hat in den letzten Jahren mehr und mehr Stimmung gegen queere Menschen gemacht. Nun wurde sogar einem schwulen Kreuzfahrtschiff das Anlegen am Hafen untersagt.

Die "Scarlett Lady" wird nun statt der Türkei Ägypten ansteuern (Bild: Atlantis Cruise)
- 3. Juli 2026, 14:53h 2 Min.
Die türkischen Behörden haben einem Kreuzfahrtschiff das Anlegen in zwei Häfen des Landes untersagt, weil es sich dabei um eine "Gay Cruise" handelt. Wie der US-Sender CNN berichtet, begründete die Verwaltung der westtürkischen Provinz Aydın, in der das erste geplante Ziel Kuşadası liegt, den Schritt mit dem Schutz "moralischer Werte" und "Familienwerte". Demnach sei das Schiff von Gruppen gechartert worden, deren Verhalten "nicht mit dem Gefüge unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten vereinbar" sei. Ein zweiter geplanter Stopp in Istanbul wurde ebenfalls storniert.
Betroffen ist die "Scarlet Lady" der Reederei Virgin Voyages, die vom US-Reiseveranstalter Atlantis Events für eine zehntägige Mittelmeer-Kreuzfahrt ("Athen bis Venedig") gechartert wurde. An Bord befinden sich rund 1.900 Passagier*innen, davon etwa 1.100 aus den USA sowie weitere Reisende unter anderem aus Großbritannien, Kanada und Australien.
Kreuzfahrt-Chef: Verbot ist "beispiellos"
Der Vorstandschef von Atlantis Events, Rich Campbell, bezeichnete die Entscheidung gegenüber CNN als "beispiellos" in der 36-jährigen Geschichte seines Unternehmens. Es sei das erste Mal, dass einer Reise das Anlegen ausdrücklich aufgrund der Identität der Passagier*innen verweigert wurde. Er betonte, dass es sich um keine politische Organisation handle, sondern um touristische Reisende, die das Land respektvoll besuchen wollten.
Als Reaktion auf das Anlegeverbot musste die Veranstalterfirma die Route kurzfristig ändern. Die Kreuzfahrt startet wie geplant am Sonntag in Griechenland, die türkischen Stopps werden durch Kairo (Ägypten) und Kreta (Griechenland) ersetzt. Auch Ägypten gilt nicht gerade als queerfreundliches Land: Dort kann Homosexualität nach mehreren Gummiparagrafen mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden.
In Istanbul war es erst kürzlich zu einem Polizeieinsatz in einem queeren Club gekommen, nachdem dort mit einem Atlantis-Flyer für die Kreuzfahrt geworben worden war (queer.de berichtete). Die Behörden entzogen dem Club Tekyön deswegen nach 18 Jahren die Lizenz.
Erdoğan-Regime geht immer härter gegen queere Menschen vor
Der Vorfall reiht sich ein in den repressiven Kurs der türkischen Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan gegenüber der queeren Community, in dessen Zuge in den vergangenen Jahren unter anderem regelmäßig CSDs unter dem Vorwand der "öffentlichen Sicherheit" verboten worden sind. Erdoğan hatte wiederholt zum "Kampf gegen die LGBT-Perversion" aufgerufen (queer.de berichtete).
Bereits in der Vergangenheit kam es zu Problemen mit Gay Cruises, die in queerfeindlichen Ländern anlegten. 2012 wurden etwa zwei Männer einer schwule Atlantis-Kreuzfahrt im karibischen Dominica wegen Homosexualität festgenommen (queer.de berichtete). (cw)














