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Brandenburg
Cottbus vor dem CSD: Nach Angriffen wächst Verunsicherung
Vor dem Christopher Street Day in Cottbus wächst nach den mutmaßlich rechtsextremen Angriffen die Sorge vor Störaktionen. Wie queere Menschen mit der Verunsicherung umgehen.

Symbolbild: Menschen beim CSD Cottbus 2024 (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
- 4. Juli 2026, 05:38h 4 Min.
Die mutmaßlich rechtsextremen Angriffe in Cottbus sorgen bei der queeren Community im Vorfeld des Christopher Street Day (CSD) am kommenden Wochenende für Besorgnis. "Ja, das verunsichert", sagte CSD-Vorstandsmitglied Christian Müller der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei auch viel Zuspruch und Solidarität zu erleben.
Bislang ist laut Polizei keine Gegendemonstration zum CSD am Samstag (11. Juli) angemeldet. Rechtsextreme Gruppen mobilisieren immer wieder gegen Veranstaltungen der queeren Community und rufen zu Störaktionen auf.
CSD schon 2025 unter erhöhtem Polizeischutz
Im vergangenen Oktober feierte Cottbus bereits unter erhöhtem Polizeischutz den CSD. Es kam zu Protesten aus der rechtsextremen Szene.
"Wir sind vorbereitet auf Gegenaktivitäten und mit der Polizei im Gespräch", sagte Müller vom CSD Cottbus. Im vergangenen Jahr kam es vor dem CSD auch zu einem Brand vor dem Veranstaltungsort "Regenbogenkombinat" (queer.de berichtete). Regenbogenfahnen wurden beschädigt.
Die Organisator*innen rechnen in diesem Jahr mit 500 Teilnehmer*innen bei der CSD-Demonstration. Sollte eine Störaktion geplant sein, könnten es auch schnell mehr werden, meinte Müller.
Er schilderte, die Stimmung unter queeren Menschen in Cottbus sei im Alltag seit langem von Unsicherheit geprägt. Sichtbar queere Menschen gebe es im Stadtbild aus Angst vor Anfeindungen und Gewalt nur wenige. "Wenn du als queer wahrgenommen wirst, ist die Gefahr groß. Die, die sich zeigen, kann man an drei Fingern abzählen", schilderte Müller. Viele überlegten sich genau, wie sie auftreten würden – selbst kleine Regenbogen-Accessoires am Rucksack würden lieber weggelassen.
Brandanschlag auf Wohnprojekt mit Prideflagge
In der Nacht zum Donnerstag waren Molotow-Cocktails auf das alternative Wohnprojekt "Zelle 79" in Cottbus geworfen worden (queer.de berichtete). Staatsschutz und Mordkommission ermitteln wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Tatverdächtig dafür sind laut Polizei zwei schwarz gekleidete Männer zwischen 15 und 20 Jahren. Eine Bewohnerin hatte sie gefilmt. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammen. An dem Wohnprojekt hing zum Zeitpunkt der Tat eine Regenbogenfahne anlässlich des Pride Month.

Gegen das alternative Wohnprojekt "Zelle 79" wurde ein Brandanschlag verübt (Bild: Zelle 79)
Nach Angaben der Polizei werden Zeug*innen befragt und ein Video wird ausgewertet. Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit waren sichergestellt worden. Die Ermittler*innen prüfen auch eine Brandstiftung in der Nähe des Hauses am alternativen Club "Chekov", wo eine Zaunlatte brannte. Dort wurden laut Polizei mehrere Sprayflaschen gefunden.
Bei einer Solidaritäts-Kundgebung am Donnerstagabend in Cottbus sagte SPD-Oberbürgermeister Tobias Schick zu Bewohner*innen des angegriffenen Wohnprojekts: "Ihr wollt friedlich hier zusammenleben. Vielleicht anders, als das der Mainstream macht. Ihr habt das Recht und die Möglichkeit, das genau hier in Cottbus, in Brandenburg und in Deutschland zu tun."
Der Verein Opferperspektive forderte: "Jetzt müssen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte angesichts der eskalierenden rechten Gewalt handeln und die Verfolgung rechter und queerfeindlicher Straftaten zur obersten Priorität machen." Beraterin Dorina Feldmann kritisierte, Verfahren im Gerichtbezirk Cottbus dauerten zu lange. Das Justizministerium sei nun gefragt, kurzfristig wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die konsequente Verfolgung rechter Gewalt zu gewährleisten.
Auch Angriff auf Grünen-Büro in Cottbus
Der Staatsschutz ermittelt auch, weil wenig später eine Scheibe an einem Grünen-Büro zerstört und eine Regenbogenfahne gestohlen wurde (queer.de berichtete).
Die Grünen vermuten einen politischen Hintergrund. "Wir gehen ganz stark davon aus", sagte der Sprecher des Landesverbands, Mike Kess. Der Cottbuser Grünen-Chef Daniel Scholz sagte: "Es ist feige, einen politischen Treffpunkt im Schutz der Nacht anzugreifen." Der Grüne Laden bleibe offen. "Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden weiter für Demokratie, Vielfalt und eine solidarische Stadtgesellschaft arbeiten."
Cottbus gilt als ein Zentrum des Rechtsextremismus in Brandenburg. Im Frühjahr waren etwa ein antisemitischer Schriftzug und ein schwarzes Hakenkreuz an die Synagoge in der Fußgängerzone der Stadt geschmiert worden. Es gab auch weitere Drohungen, unter anderem an der Wohnung eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hatte die rechtsextreme AfD in der Stadt auf 39 Prozent der Stimmen erreicht und wurde mit Abstand stärkste Kraft.
Bei queerfeindlicher Gewalt im Bundesland Brandenburg wird am häufigsten Cottbus als Tatort genannt, ergab 2025 eine Anfrage im Landtag (queer.de berichtete). (cw/dpa)
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