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Interview

Adam Lambert: "Das neue Album passt sehr gut zum queeren Spirit Berlins"

Der schwule Popstar Adam Lambert veröffentlicht am 10. Juli ein neues Album. Wir sprachen mit ihm vorab über die Songs, seine Vorbilder, Verantwortung gegenüber der LGBTI-Community – und wilde Nächte im Berliner KitKat-Club.


Adam Lambert lebte mit Anfang 20 mehrere Monate in Berlin – direkt am Nollendorfplatz (Bild: Dana Scruggs)

Adam Lambert gehört wohl zu den bekanntesten queeren Artists der Popmusik und zu jenen, die früh und ohne großes Aufheben über Identität und Sichtbarkeit gesprochen haben. Mit seinem neuen Album "ADAM" (Amazon-Affiliate-Link ), das am 10. Juli erscheint und erstmals auf seinem eigenen Label publiziert wird, beginnt für ihn eine Phase, die sich spürbar nach Aufbruch anfühlt. Der Umzug von Los Angeles nach New York nach einem Vierteljahrhundert zeigt, wie sehr Lambert gerade bereit ist, alte Kapitel abzuschließen und neue zu öffnen.

Auf dem Album verarbeitet er unter anderem das Ende einer fünfjährigen Beziehung und zeigt eine Offenheit, die man in dieser Intensität selten von ihm gehört hat. Lambert, der seit "American Idol" 2009 eine internationale Karriere aufgebaut hat und als neuer Frontmann von Queen weltweit gefeiert wird, nutzt diesen Moment des persönlichen und künstlerischen Wandels, um sich neu zu sortieren.

Über die Hintergründe zu seinem neuen Album, seine Sicht auf die Lage queerer Menschen und die spannenden Unterschiede zwischen Solo- und Bandkarriere spricht er im Interview mit queer.de.

Dein bald erscheinendes Album trägt den Titel "ADAM". Warum hast du dich dazu entschieden, es nach deinem Vornamen zu benennen? Welche Bedeutung steckt dahinter?

Ich habe das tatsächlich noch nie gemacht, und es fühlte sich einfach wie der richtige Moment an. Ich habe verschiedene Titel ausprobiert, aber keiner hat die gesamte Musik wirklich gut zusammengefasst. Am Ende dachte ich: Ganz schlicht – das bin einfach ich, genau jetzt, im Jahr 2026. Mein Leben, meine Erfahrungen der letzten Jahre, sehr persönlich. Und ich habe das Gefühl, dass ich mir inzwischen das Recht verdient habe, ein Album einfach "ADAM" zu nennen. Ich bin lange genug dabei, die Leute wissen, wer ich bin. Es ist ein Statement: Ich weiß, wer ich bin.

Es ist zugleich dein erstes Album, das du über dein eigenes Label veröffentlichst. Wie unterscheidet sich das von der Arbeit mit einem Major Label?

Der größte Unterschied ist natürlich die finanzielle Seite. Bei einem Label wird alles bezahlt – wenn du es selbst machst, zahlst du alles selbst. Und ein Album zu produzieren ist nicht gerade günstig, vor allem wenn man mit großartigen Leuten arbeiten möchte. Der andere Unterschied ist die kreative Freiheit: Wenn ein Label investiert, hat es oft starke Meinungen zu musikalischen und kreativen Entscheidungen. Ich habe damit gute und weniger gute Erfahrungen gemacht. Jetzt wollte ich einfach niemanden, der sich einmischt – außer ich bitte diese Person ausdrücklich darum. Es geht um Unabhängigkeit.

Einer deiner neuen Songs handelt vom Ende deiner fünfjährigen Beziehung zu Oliver Gliese. War es schwer, dich emotional so zu öffnen?

Ich habe auch schon früher über persönliche Dinge geschrieben, aber in diesem Fall war es anders: Die Beziehung endete eine Woche, bevor ich den Song geschrieben habe. Ich war noch mittendrin. Das war schon sehr roh und ungefiltert!

Nach 25 Jahren in Los Angeles bist du nach New York gezogen. Wie hat dieser Neuanfang dich persönlich und kreativ beeinflusst?

Wenn man sehr lange an einem Ort lebt, kann man sich irgendwann langweilen oder rastlos werden. So ging es mir. Ich liebe L.A. – Freund*innen, Familie, all das. Aber ich brauchte etwas Neues. Veränderung inspiriert mich immer. In New York habe ich viele spannende Menschen kennengelernt: Künstler*innen, sehr expressive Persönlichkeiten, Leute, die mutig sind in ihrem Auftreten. Es ist ein bisschen wilder als L.A., und das gefällt mir. Das hat auch die Musik beeinflusst. Der Sound des Albums ist industrieller, mechanischer. Ich hatte Bilder von brutalistischem Beton, Metall, Asphalt im Kopf. New York ist dichter, urbaner – und ich wollte, dass die Musik das widerspiegelt.

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Als du 2009 durch "American Idol" bekannt wurdest, gab es kaum offen schwule Popstars im Mainstream. Was hat sich seitdem verändert?

Ich sehe heute – vor allem in den USA – deutlich mehr LGBTI-Künstler*innen, die sichtbar sind und Erfolg haben. Als ich angefangen habe, gab es im Mainstream praktisch keinen anderen offen schwulen Mann im Pop. Deshalb fühlt es sich so an, als wäre ich damals Teil einer größeren Veränderung gewesen. Natürlich haben viele andere ebenfalls etwas bewegt – es war eine gemeinsame Entwicklung. Es war aufregend, dabei zu sein, und schön zu sehen, dass dadurch vielen Künstler*innen Türen geöffnet wurden. Aber ich war nicht allein; ich war Teil einer Bewegung.

Gibt es queere Künstler*innen, die dich besonders inspirieren?

Wir haben sie zwar nicht offiziell als queere Künstlerin, aber Gaga war immer eine große Inspiration für mich. Sie ist so sehr Teil der Community, dass sie fast ein Ehrenmitglied ist. Ich liebe ihre Arbeit – sie ist brillant, mutig, risikofreudig. Einfach fantastisch!

Angesichts der vielen politischen Angriffe auf queere Menschen: Findest du, dass offen queere Künstler*innen heute eine besondere Verantwortung haben, sich zu äußern?

Bis vor ein paar Jahren schien es fast so, als wäre es im Mainstream kein großes Thema mehr, queer zu sein. Es wirkte, als bräuchte man es nicht mehr so stark zu betonen. Das fand ich gut. Aber jetzt sehen wir, wie stark die trans Community angegriffen wird – sie wird dämonisiert und zu Sündenböcken gemacht. Und ich glaube fest daran, dass trans Personen Teil der LGBTI-Community sind und unsere Unterstützung verdienen. Deshalb ist es heute wieder wichtig, laut zu sein.


Das Album "ADAM" erscheint am 10. Juli 2026

Mit deiner Feel-Something-Foundation unterstützt du seit Jahren die LGBTI-Community. Welche Themen sind für dich aktuell besonders dringend?

Ein großes Thema ist Obdachlosigkeit, die queere Jugendliche besonders betrifft. Ich habe hier in New York das Ali Forney Center besucht, das obdachlosen queeren Jugendlichen hilft. Viele von ihnen werden von ihren Familien rausgeworfen, wenn die Eltern ihre Identität nicht akzeptieren. Meine Stiftung arbeitet meist mit bestehenden Organisationen zusammen, um ihnen zusätzliche finanzielle Mittel oder mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Das ist oft der effektivste Weg.

Du hast zwei sehr unterschiedliche Karrieren: deine Soloarbeit und deine Rolle als Frontsänger von Queen. Was erlaubt dir die eine, was die andere nicht?

Sie sind wirklich komplett verschieden. Die Zusammenarbeit mit Queen bedeutet mir unglaublich viel. Ich war sehr geehrt, als sie mich gefragt haben – das war schon ein riesiges Kompliment. Es hat allerdings eine Weile gedauert, bis manche Leute mich als Frontsänger akzeptiert haben. Ich hatte das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Musikalisch habe ich enorm viel gelernt, einfach weil diese Songs so außergewöhnlich sind. Und ich durfte an Orte reisen und vor riesigen Publikumsmengen auftreten. Die Art, wie Queen tourt, ist sehr luxuriös, das macht Spaß. Meine Soloarbeit ist dagegen etwas völlig anderes: Das sind meine Geschichten, meine Songs, meine Perspektive. Wenn ich sie singe, kommt das aus einem anderen, persönlicheren Ort. Bei Queen war die Herausforderung immer: Wie mache ich diese Songs zu meinen eigenen, ohne Freddie und der Band nicht gerecht zu werden? Ich musste herausfinden, wie ich meine Wahrheit darin finde, obwohl es nicht meine Songs sind. Das hat gedauert. Es ist fast wie Schauspielerei: Man spielt eine Rolle, ohne die Person zu imitieren, und sucht die Emotion im Material.

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Apropos Schauspielerei: Könntest du dir vorstellen, noch mehr zu schauspielern – so wie Lady Gaga, die inzwischen viele Film- und Serienrollen spielt?

Absolut. Ich würde das sehr gerne machen. Ich komme ja ursprünglich aus dem Theater, ich war viele Jahre Schauspieler. Vor anderthalb Jahren war ich wieder am Broadway und habe sechs Monate lang "Cabaret" gespielt. Das hat großen Spaß gemacht! Letztes Jahr habe ich ein paar Shows von "Jesus Christ Superstar" gemacht. Es war schön, wieder in Rollen zu schlüpfen. Ich habe auch ein bisschen vor der Kamera gearbeitet: Ich war in dem Independent-Film "Fairyland", der vor ein paar Jahren herauskam, und ich habe eine Staffel von "Glee" gedreht. Das war super! Ich würde sehr gerne wieder mehr Schauspielprojekte machen. Das reizt mich total.

Zum Abschluss: Du feierst dein Album mit einer Release-Show am 23. Juli in Berlin. Hast du eine besondere Verbindung zur queeren Community dort?

Ja, tatsächlich. Als ich 22 war, habe ich etwa sechs Monate in Deutschland gelebt, vier davon in Berlin. Ich habe damals im Schiller-Theater das Musical "Hair" gespielt. Wir hatten eine großartige Zeit: Wir waren ständig unterwegs, haben die ganze Stadt erkundet. Ich habe direkt am Nollendorfplatz gewohnt und war oft in den Bars dort. Ich war sogar ein paar Mal im KitKat-Club – das war ziemlich wild. Ich liebe Berlin. Wenn ich heute dort bin, ist es meistens wegen Arbeit oder Tour, deshalb habe ich selten viel Zeit. Aber jedes Mal fühle ich mich sehr nostalgisch. Dieses Mal habe ich nach dem Konzert am 23. sogar ein paar freie Tage, vielleicht bleibe ich ein bisschen länger. Das neue Album passt sehr gut zum queeren Spirit Berlins. Ich glaube, das ist ein perfektes Match – hoffentlich hören die Leute rein.

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