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Queer Cinema
Das waren die queeren Highlights beim Filmfest München
Auch jenseits der großen Cannes-Importe bot das Filmfest München 2026 queere Highlights, die von Selbstbehauptung im Alter, der Ballroom-Szene als Ort der Gemeinschaft, lesbischen Frauen in der Comedy und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben erzählen.

Szene aus der spanisch-deutschen Koproduktion "Strange River" (Bild: Salzgeber)
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4. Juli 2026, 14:09h 6 Min.
Dass das Filmfest München längst als erste große Festivalstation nach Cannes gilt, spiegelte sich auch in diesem Jahr im queeren Programm. Zu dessen Höhepunkten gehörten mit Ira Sachs' "The Man I Love" und Pedro Almodóvars "Bitteres Fest" gleich zwei große queere Filme, die kurz zuvor noch im Wettbewerb an der Croisette zu sehen waren – über beide haben wir bereits berichtet.
Doch die queeren Entdeckungen des Filmfests erschöpften sich keineswegs in den prominenten Cannes-Importen. Auch abseits des Wettbewerbsprogramms bot das Sommerfestival wieder zahlreiche sehenswerte Beiträge mit LGBTI-Perspektiven – von Spielfilmen über Dokumentationen bis hin zu Serien.
Mit "Strange River" von Jaume Claret Muxart gewann sogar ein queerer Film den mit 100.000 Euro dotierten CineCoPro Award, den Hauptpreis des Filmfests München.
Ein Überblick über die Highlights.
QMS-Award-Gewinner: "Maspalomas"
Es ist eine Perspektive, die das Kino allzu selten beleuchtet: "Maspalomas" erzählt vom 76 Jahre alten Vicente (José Ramón Soroiz) der im titelgebenden Urlaubsparadies auf Gran Canaria eigentlich ein freies Leben führt. Frisch von seinem langjährigen Partner getrennt, zieht er gemeinsam mit seinem etwa gleichaltrigen Freund Ramón (Zorion Eguileor) durch die weitläufigen Cruising-Areas an abgelegenen Stränden oder die Fetisch-Clubs der Stadt – bis er einen Schlaganfall erleidet.
Da Vicente nach der Trennung weitgehend mittellos ist, wird er daraufhin zurück auf das ihm verhasste Festland, nach San Sebastián, verbracht – und dort von seiner Tochter (Nagore Aranburu) im Pflegeheim untergebracht. Mit genauer Beobachtungsgabe und feinem Gespür für die Gefühlswelt ihres Protagonisten zeichnen die Regisseure Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga, der auch das Drehbuch verfasste, nach, was dieser erneute Zwang zur Geheimhaltung der eigenen Sexualität bedeutet.
"Maspalomas", der völlig zu Recht mit dem zum zweiten Mal in München von der Queer Media Society vergebenen QMS Award ausgezeichnet wurde, ist letztlich aber auch eine Mut machende Erzählung über die Möglichkeit der Selbstbehauptung im hohen Alter. Zugleich macht der Film deutlich, wie beschwerlich dieser Weg ist – und erinnert damit daran, wie wichtig Räume und Gemeinschaften sind, in denen queere Menschen auch im Alter unter Gleichgesinnten leben können. (Im September 2026 in der Queerfilmnacht, Filmkritik von Ralf Kaminski)
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CineCoPro Award-Gewinner: "Strange River"
Die spanisch-deutsche Koproduktion "Strange River" bildet dazu in jeder Hinsicht das Gegenprogramm. Regisseur Jaume Claret Muxart, der das Drehbuch gemeinsam mit Meritxell Colell entwickelte, begleitet den jugendlichen Dídac (Jan Monter Palau) auf einem Fahrradurlaub entlang der Donau, den er etwas widerwillig mit seiner katalanischen Familie unternimmt.
Dídac ist sanfter als seine jüngeren Brüder, stiller vor allem, und trägt den Schmerz einer enttäuschten Verliebtheit mit sich herum. Jan Monter Palau verleiht dieser inneren Unruhe eine bemerkenswerte Präsenz, mit wenigen Gesten und Blicken macht er die Verletzlichkeit seiner Figur greifbar. Als Dídac eines Tages einen rätselhaften jungen Mann erblickt – zunächst nur als Körper im Wasser, der wie aus einem Gemälde von Caravaggios herausgelöst scheint -, taucht der Film endgültig ins Mythische ein.
Überhaupt ist "Strange River" ein Werk, das sich ganz der Schönheit verschrieben hat: der von Flusslandschaften und Sommerlicht durchzogenen Natur, der Anziehung zwischen Körpern und nicht zuletzt jenen schwer zu benennenden Gefühlen des Erwachsenwerdens. Dieser schwebenden, traumartigen Atmosphäre folgt man nur allzu gern, versinkt in ihr und erinnert sich an eigene schwierig-schöne Empfindungen der Jugend. Umso bedauerlicher ist es, dass der Film seine Andeutungen schließlich in eine konkrete Konfrontation überführt. Denn gerade im wohligen Ungefähren, in seinen Blicken, Sehnsüchten und Projektionen, findet "Strange River" seine größte Kraft. (Kinostart: 27. August 2026, Interview mit Hauptdarsteller Franceco Wenz)
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Dokumentarfilm: "The Beauty of Ballroom"
Mit "The Beauty of Ballroom" richtet Regisseur*in Sze-Wei Chan den Blick auf eine Szene, die im westlichen Kino bislang kaum Beachtung findet: die Ballroom-Kultur in Südostasien. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren begleitete sie ihre Protagonist*innen Sun, Teddy und Xyza in Thailand, Malaysia und auf den Philippinen und zeichnet sehr unterschiedliche Lebenswege nach. Was sie eint, ist die Erfahrung von Ballroom als Wahlfamilie und Zufluchtsort vor Homo- und Transfeindlichkeit und der anhaltenden Stigmatisierung von HIV.
Einen stärkeren erzählerischen Fokus hätte man sich dabei durchaus gewünscht, mitunter wirkt das Material eher mosaikartig zusammengesetzt denn stringent komponiert. Dennoch machen allein die Geschichten der Protagonist*innen diesen Film sehenswert. Besonders faszinierend ist Teddy aus Malaysia, dessen markante Gesichtstattoos bereits in dem mehrheitlich muslimisch geprägten Land ein Statement darstellen und den "The Beauty of Ballroom" bis nach New York begleitet – an den Ursprungsort einer Kultur, die für ihn zum Sehnsuchtsort geworden ist.
Seine größte Kraft entfaltet der Dokumentarfilm allerdings ausgerechnet in den eigens inszenierten Tanzsequenzen, die sich zwischen die beobachtenden Passagen schieben. Die eleganten Bilder zeigen eindrucksvoll, wie die Performer*innen die Traditionen und Bildwelten ihrer jeweiligen Heimat in die Ballroom-Kultur einfließen lassen und daraus etwas Eigenes schaffen. (Kinostart: 24. September 2026)
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Dokumentarfilm: "Was haben wir gelacht"
Dass das Fernsehen der 1980er und 1990er Jahre keineswegs nur harmlose Samstagabend-Unterhaltung war, führen wiederum die Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider mit ihrem Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" überzeugend vor Augen. Darin kommen die TV-Größen und weiblichen Comedy-Pionierinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Esther Schweins und Gaby Köster selbst zu Wort und blicken zurück auf eine Medienlandschaft, in der sexistische Grenzüberschreitungen – mitunter gerne als "Herrenwitze" verharmlost – beinahe zum Alltag gehörten.
Zahlreiche Ausschnitte aus Sendungen wie "Wetten, dass…?" oder "Tutti Frutti" dokumentieren dabei nicht nur die Rollen, die Frauen im Fernsehen zugedacht waren – meist die des dekorativen Beiwerks – sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der männliche Moderatoren wie Thomas Gottschalk über ihr Aussehen urteilten oder ihre körperlichen Grenzen missachteten.
Parallel dazu entsteht das Porträt einer Generation von Frauen, die sich ihren Platz im deutschen Fernsehen gegen erhebliche Widerstände einfordern mussten. So entwickelt sich "Was haben wir gelacht" letztlich auch zu einem Film, der über die Machtfragen des Humors nachdenkt und mit Nachdruck unterstreicht, wie mühsam Fortschritt erkämpft wird und wie schnell er wieder in Frage gestellt werden kann. (Kinostart: 16. Juli 2026)
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Deutsche Serie: "München Beats"
Und schließlich feierte auf dem Filmfest München auch eine Serie ihre Weltpremiere, die dem Schauplatz des Festivals selbst huldigt. In erster Linie erzählt "München Beats" zwar von Linda (Jule Hermann) und ihrem Traum, in der bayerischen Hauptstadt als Techno-DJane durchzustarten. Doch die von Michaela Kezele inszenierte Serie interessiert sich ebenso für die Umbrüche, die München in den 1990er Jahren prägten.
Als der von Theo Meinhardt (Tobias Moretti) geführte "Pfanni"-Konzern sein Werk schließt, gerät nicht nur Lindas Bauernfamilie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zugleich entsteht auf dem brachliegenden Gelände die Idee eines neuen kulturellen Freiraums, aus dem später die legendäre Clublandschaft des Kunstpark Ost hervorgehen soll.
Vor diesem Hintergrund erzählt "München Beats" von Menschen, die sich während der Zeit des gesellschaftlichen Wandels ein anderes Leben erträumen. Das gilt für Linda ebenso wie für ihren Bruder (Ben Münchow), der eigentlich den elterlichen Hof übernehmen soll, sich aber nach einem Leben jenseits der dörflichen Enge sehnt. In München beginnt er ganz allmählich, sein Schwulsein zu akzeptieren, als er den Friseur John (Helge Mark Lodder) kennenlernt.
Mit Feingefühl zeichnet die Serie nach, wie Lindas Bruder nicht nur mit Freunden aus dem Dorf aneinandergerät, sondern auch mit seinem Vater, der vor allem das Gerede der anderen fürchtet. Zwar bleibt "München Beats" zumeist eine durchaus routinierte Fernsehunterhaltung, findet aber gerade in seinem queeren Erzählstrang berührende Momente. (Ab 7. August 2026 in der ZDF-Mediathek)
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