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Männer im öffentlichen Raum
Auf Herrenklos wird nicht geredet
Vielleicht gehört das Männer-WC zu einem der mutigsten Orte, um das Patriarchat abzubauen. Gedanken nach einer unvergesslichen Begegnung auf einer Restaurant-Toilette.
- Von Merlin Ferox
5. Juli 2026, 10:29h 3 Min.
"Das war mir nicht unangenehm!", sagte ein Mann mit hochrotem Kopf, dem es sichtlich unangenehm war. "….Was?" Ich war verwirrt. Es war der Mann, mit dem ich mir zehn Minuten vorher auf der Männertoilette die Hände gewaschen hatte. Wir standen gemeinsam an dem einzelnen Waschbecken an, ich scherzte, wahrscheinlich über das Schlangestehen. Er reagierte kaum – Männerklos sind ein wirklich schwieriges Publikum.
Ich dachte nicht weiter darüber nach, bis zu dem Moment, als er mich kurz vor dem Verlassen des Restaurants eindringlich aufhielt: "Das eben auf der Toilette", führte er aus, "das war mir nicht unangenehm!" Ich war mir sicher, dass er mein Transsein erkannt hatte.
Hat er mich als trans Mann erkannt, hielt er mich für schwul?
Auf dem Weg nach Hause versuchten meine Freund*innen und ich, die Situation zu verstehen, als es mich wie ein Blitz traf: Seine Anspannung beruhte nicht auf meinem Transsein, sondern auf meinem vermeintlichen Schwulsein. Ich war erleichtert, denn Passing ist Sicherheit. Doch etwas saß trotzdem nicht, vielleicht die lackierten Nägel oder der Gesprächsversuch. Mein cis männlicher Freund schüttelte nur den Kopf: "Auf Männerklos wird nicht geredet."
Auf dem Weg nach Hause dachte ich an den komplett aufgelösten trans Mann, den ich letzte Woche in einem Social-Media-Clip herzzerreißend weinen sah. Dabei sprach er von Dingen, die Frauen gemeinsam auf der Toilette machen: das lockere Quatschen, die selbstverständliche Unterstützung, der verletzliche Zugang zueinander und die freigiebige Wärme. All diese schönen Dinge sind mit der Transition in das Passing für ihn fast verloren gegangen. Er kämpft damit, neue Freund*innen als Mann zu finden, und damit, wie berührungsscheu Menschen um ihn herum geworden sind.
TikTok / wearemanenough@wearemanenough This pridemonth, let's remember the importance of meaningful #connection and building #community @James He/Him
original sound – wearemanenough
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In jeder Sekunde seines Videos würde ich ihn gerne halten. An jedem Tag, an dem ich seit Kurzem von meiner Umwelt als Mann verstanden werde, fällt mir die Brutalität und das Misstrauen zwischen Männern im öffentlichen Raum auf. An den kühlen Umgang konnte ich mich gewöhnen. An die gelegentlichen Situationen, in denen ich schon um acht Uhr morgens Angst bis in meinen Kern haben muss, nicht. Am Anfang dachte ich, das wären Ausnahmen. Bis sich genau diese Situationen häufen, die mir manchmal fast das Herz brechen.
So ist es halt, Mann zu sein – oder?
Manche andere User sind irritiert von seinem Schmerz: So ist es halt, Mann zu sein, ist es nicht das, was er sich gewünscht hatte?
Ich lese aufrichtige Irritation und auch Schmerz aus ihren Reaktionen. Sie erinnern mich in überspitzter Form an meine cis männlichen Freunde, wenn ich sie auf fiese Situationen anspreche, die ich mit ihnen zusammen auf der Straße erlebe. Wie sie dann mit den Schultern zucken und manchmal sogar frustriert über meine Traurigkeit sind. Andere flüstern verschwörerisch, wenn ich sie danach frage. Auch sie haben Angst vor anderen Männern.
Die meisten anderen Kommentare zu dem weinenden Mann sind allerdings ähnlich ergriffen – auch sie wollen ihn liebevoll berühren. Viele davon scheinen allerdings andere trans Menschen und cis Frauen zu sein.
Vielleicht gehört die Männertoilette zu einem der mutigsten Orte, um das Patriarchat abzubauen. Ich träume von Trost, von sanften Umarmungen, von Mitgefühl und Kümmern und von furchtlos geknüpften Freundschaften. Davon, mir still am Waschbecken die Hände zu waschen, während ich zwei Männern beim Scherzen zuhöre.















