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Queerfeindliche Partei

Weidel kritisiert AfD-Wahlprogramm: "Ich lebe etwas anderes"

AfD-Chefin Alice Weidel lebt mit einer Frau zusammen und zieht mit ihr zwei Kinder groß. Reaktionäre Aussagen zum Familienbild im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt kommentiert sie erstmals kritisch.


Deutschlandfahnen über alles: Alice Weidel am Samstag auf dem AfD-Parteitag in Erfurt (Bild: IMAGO / Revierfoto)

AfD-Chefin Alice Weidel kritisiert reaktionäre Aussagen im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt zum Familienbild, lässt sich nach eigenen Angaben davon aber nicht provozieren. "Die können reinschreiben, was sie wollen. Ich lebe etwas anderes", sagte sie am Rande des Bundesparteitages in Erfurt im RTL/ntv-Interview auf eine entsprechende Nachfrage.

In dem Programm heißt es, "eine intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern, ist erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung". Die AfD Sachsen-Anhalt beklagt zudem, dass "sexuelle Abweichungen" angeblich derzeit "offensiver beworben werden als die normale Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen" (queer.de berichtete). Weidel lebt mit einer Frau zusammen und zieht mit ihr gemeinsam zwei Kinder groß.

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Weidel: Leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität

"Wenn Sie mich persönlich fragen: Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen", sagte Weidel. "Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität. Also gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln."

Die AfD-Chefin verteidigte zugleich die grundsätzliche Orientierung ihrer Partei beim Familienbild: "Wenn ich als Politikerin von einem gesellschaftlichen Zielbild rede, und das ist nun mal die traditionelle Familie, dann kann ich mich dafür einsetzen und es ist kein Widerspruch."

Geld für "Brauchtum" statt "Regenbogenideologie"

In ihrem Wahlprogramm will die AfD Sachsen-Anhalt allerdings auch die Förderung von Projekten für queere Menschen künftig verbieten. Statt "Regenbogenideologie" solle staatliches Geld in "Religion, Brauchtum und (echte) Kultur" fließen. Der Staat müsse sich zudem "weltanschaulich und politisch neutral" verhalten und "zur normativen Normalität der Gesellschaft" bekennen – queere Menschen stehen demnach außerhalb dieser "Normalität". Ferner heißt es, dass etwa Vereine künftig nur unterstützt werden, wenn sie nicht "der perversen Regenbogenagenda" dienten.

In dem Programm wird queeren Menschen auch ganz pauschal vorgeworfen, heimlich die Gesellschaft kaputt machen zu wollen: So nehme die "LQBTQ-Bewegung" (sic) "die angebliche Vertretung der Interessen nicht heterosexueller Menschen zum bloßen Vorwand, um in Wahrheit die tradierte Normalität, die wir für die gedeihliche Entwicklung unserer Gesellschaft brauchen, zu zerstören".

Weidel: "Ich bin nicht queer"

Das Paradox, dass eine offen lesbische Frau eine extrem queerfeindliche Partei anführt, wird seit Jahren immer wieder von Medien angesprochen. So war Alice Weidel etwa 2023 im ARD-Sommerinterview mit der Frage konfrontiert worden, wie sie die Queerfeindlichkeit der AfD mit sich vereinbare. Ihre Antwort "Ich bin nicht queer, sondern ich bin mit einer Frau verheiratet, die ich seit 20 Jahren kenne", sorgte bundesweit für Kopfschütteln (queer.de berichtete). Sie selbst fühle sich als homosexuelle Frau nicht diskriminiert, meinte Weidel, distanzierte sich von der Regenbogenflagge und stellte die Akzeptanz von trans Menschen als Gefahr für Kinder dar.

Im vergangenen Jahr sprach sich Weidel sogar indirekt für die Abschaffung der Ehe für alle aus. Sie sei überzeugt, "dass Lebenspartnerschaften von Homosexuellen – Frau und Frau, Mann und Mann – gleichgestellt sein sollten, ohne das Institut der Ehe zu berühren", sagte die AfD-Vorsitzende damals in der TV-Sendung "Wahlarena" (queer.de berichtete).

Im Bundestag hatte die Rechtsaußenpartei bereits den Antrag eingebracht, die Ehe für alle wieder abzuschaffen (queer.de berichtete). Auch Weidel selbst machte Stimmung gegen die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Berühmt-berüchtigt ist ihr Wahlplakat aus dem Jahr 2017, in dem sie die Ehe für alle wegen des Islams ablehnte. Ihr Slogan lautete damals: "Ehe für alle, wenn das Land islamisiert wird?". (mize/dpa)


Alice Weidel will weiter diskriminiert werden (Bild: Facebook / AfD)

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