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Sorge vor "Homo-Propaganda"
Russischer Sender retuschiert Regenbogen aus "SpongeBob"-Folge
Die Zensur steht wohl in Verbindung mit dem zunehmenden Vorgehen Russlands gegen queere Inhalte, Einrichtungen und Personen nach "Propaganda"- und "Extremismus"-Gesetzen.

Die in Russland ausgestrahlte Fassung (l.) und der Original-Regenbogen aus "SpongeBob" (Bild: Screenshot, Nickelodeon)
- 8. Juli 2026, 11:56h 3 Min.
Ein russischer Fernsehsender hat offenbar nachträglich einen Regenbogen aus einer Folge der Zeichentrickserie "SpongeBob Schwammkopf" entfernt. Statt des mehrfarbigen Bogens war in der ausgestrahlten Version lediglich ein einfarbiger gelber Bogen zu sehen. Über entsprechende Hinweise von Zuschauer*innen berichtete zunächst das unabhängige russische Medium "Astra".
Die betroffene Szene ist weltweit ein beliebtes Meme: mit den Händen zeichnet SpongeBob einen halben Regenbogen als Beispiel für seine Vorstellungskraft. In der Fassung, die der russische Sender 2x2 ausstrahlte, wurden der Regenbogen grob durch einen gelben Streifen ersetzt.
Eine offizielle Erklärung des Senders, der zur Gazprom-Media-Holding gehört und vor allem Zeichentrickserien und Animationsprogramme ausstrahlt, liegt bislang nicht vor. Medien bringen die Änderung jedoch mit den in Russland in den vergangenen Jahren erheblich verschärften Vorschriften gegen angebliche "LGBT-Propaganda" in Verbindung, sowie mit den zunehmenden "Extremismus"-Ermittlungen rund rum queere Inhalte, Personen und Organisationen.
Verfolgungswelle zu "Propaganda" und "Extremismus"
Wenige Monate nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine war das 2013 eingeführte und auf Bußgelder setzende sowie oft für Versammlungsverbote und Zensur herhaltende "Propaganda"-Gesetz verschärft worden, es betrifft nun auch entsprechende Handlungen gegenüber Erwachsenen und verbietet auch Informationen, die "zum Wunsch einer Geschlechtsänderung" führen (queer.de berichtete).
Im November 2023 hatte Russlands Oberstes Gericht auf Antrag des Innenministeriums zudem die nicht näher definierte "internationale LGBT-Bewegung" als extremistisch verboten (queer.de berichtete). Das Organisieren entsprechender Aktivitäten kann mit bis zu zehn Jahren Haft, eine Beteiligung etwa durch die Verbreitung von "Materialien" mit fünf Jahren Haft belegt werden.
Inzwischen wurde rund ein dutzend Verfahren rund um queeren "Extremismus" angestrengt, darunter der sogenannte "Verleger-Prozess" gegen ehemalige Mitarbeiter von Popcorn Books (queer.de berichtete). Das größte Verlagshaus des Landes hatte offenbar noch mehrere queere Bücher angeboten. Ein Mitarbeiter erhielt vier Jahre auf Bewährung, zwei weitere warten noch auf ihren Prozess.
Haftstrafen häufen sich
Ende Juni erließ ein Gericht nach einem "Extremismus"-Verfahren mehrjährige Haftstrafen gegen Betreiber*innen eines queeren Clubs (queer.de berichtete). Weitere ähnliche Verfahren nach Razzien sind anhängig. Erst am letzten Wochenende hatte es eine neue Razzia im St. Petersburger Club "Cabaret" gegeben. Zu den weiteren aufsehenerregenden Fällen im Zusammenhang mit angeblichem "LGBT-Extremismus" gehört das Verfahren gegen Andrej Kotow, dem Inhaber des Reisebüros "Men Travel". Er verstarb in der Untersuchungshaft und wurde posthum schuldig gesprochen (queer.de berichtete).
So wie viele Medien inzwischen auf eine Vorabzensur setzen, haben viele Clubs oder Unternehmen der Szene inzwischen geschlossen, einige Organisationen und Aktivist*innen, die auch als vermeintliche "internationale Agenten" verfolgt wurden, arbeiten inzwischen aus dem Ausland. Weitere Sanktionen gab es nach "Rowdytum"-Vorwürfen oder zu angeblicher Pornografie: Im Mai wurde eine Fotografin zu 18 Monaten Zwangsarbeit verurteilt, die online schwule Fanfiction über eine koreanische Boyband veröffentlicht hatte. (cw)














