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"Burning Berlin"
Neues Musical über Berlins "Lesbian Power Couple"
Lotte Hahm und Käthe Fleischmann verliebten sich im queeren Berlin der 1920er Jahre – und kämpften gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Ihre Geschichte kommt nun als Musical auf die Bühne. Premiere ist im August.

Das Team hinter dem Musical "Burning Berlin"
- Von Britta Meyer
8. Juli 2026, 13:43h 4 Min.
Zwischen schillernden Nachtclubs, politischen Debatten und den Schatten des aufkommenden Nationalsozialismus verliebten sich einst Lotte Hahm und Käthe Fleischmann ineinander. Die wilde, romantische und bewegende Geschichte will das Musical "Burning Berlin" erzählen, das am 24. August im Berliner SO36 Premiere feiern wird.
Berlin war einst die unbestritten queere Hauptstadt Europas. Ende der 1920er Jahre gab es hier rund 170 queere Treffpunkte, darunter mehr als 30 lesbische Bars, Ballsäle, Cabarets und Vereine. Im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld lebten und arbeiteten trans Menschen, erhielten geschlechtsangleichende Behandlungen und konnten sich mit einem sogenannten "Transvestitenschein" ihrer Geschlechtsidentität entsprechend auch öffentlich bewegen.
Was weiter geschah, ist dunkle Geschichte. Nur wenige Jahre später zerstörten SA-Männer und Angehörige der Deutschen Studentenschaft Hirschfelds Institut und verbrannten dessen Bibliothek. Mit zehntausenden Büchern und wissenschaftlichen Dokumenten gingen auch die Geschichten unzähliger queerer Menschen verloren.
Bars, Bälle und politischer Widerstand
Mitten in diesen unruhigen Zeiten verliebten sich Lotte Hahm und Käthe Fleischmann. Das Stück beginnt 1929 in Schöneberg, als die frisch geoutete Käthe den legendären Damenclub "Violett"a betritt. Aus der ersten Begegnung entwickelt sich eine Liebesgeschichte, eine gemeinsame politische Mission und der Versuch, queeres Leben in einer zunehmend feindlichen Gesellschaft zu bewahren. Erzählt wird ihr gemeinsamer Weg über fast vier Jahrzehnte bis ins Jahr 1967, als Käthe rückblickend fragt, wie Lotte Hahm erinnert werden soll.

Foto von Lotte Hahm aus dem Jahr 1927 (Bild: DDF)
"Wir brennen für die vielen unerzählten Geschichten queerer Menschen, die vor uns kamen und so viel für uns erkämpft haben", sagt die Mitproduzentin des Musicals Giuseppina Lettieri. Viele dieser Biografien sind zerstört worden und aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Sie werden nur von denen wiederentdeckt, die sie gezielt in den Papieren des Berliner Lesbenarchivs "Spinnboden" recherchieren. Das Team hinter dem Musical holt sie aus den Aktenordnern auf die Bühne und macht sie einem breiteren Publikum zugänglich.
Aktivistinnen der ersten Lesbenbewegung
Lotte Hahm und Käthe Fleischmann waren weit mehr als ein Liebespaar. Gemeinsam betrieben sie Bars und Veranstaltungsorte, organisierten rauschende Damenbälle und schufen sichere Räume, in denen lesbische Frauen einander begegnen konnten. Hahm engagierte sich politisch, warb für queere Selbstorganisation, setzte sich gegen den Paragrafen 175 ein und gründete 1929 eine eigene "Transvestiten"-Gruppe. Nach Verfolgung, Krieg und Exil arbeitete sie zusammen mit Kati Reinhardt daran mit, die Berliner Community wieder aufzubauen.
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Das Musical betont, dass ihre Leistungen nie isoliert geschehen sind und würdigt auch die kollektive Arbeit vieler weiterer Menschen wie Charlotte Charlaque, Toni Ebel, Hilde Radusch, Claire Waldoff und Kathi Reinhardt. Zwar stehen Lotte Hahm und Käthe Fleischmann im Mittelpunkt der Handlung, dennoch ist es dem Team wichtig, ein Mosaik verschiedener Persönlichkeiten zu zeigen, die diese Zeit mitprägten.
Hinter dem Musical steht ein leidenschaftliches Berliner Kreativteam. Regie führt Mel Suan-Baum, die gemeinsam mit Fani Suan-Baum auch das Drehbuch schrieb. Theresa "Terry" Zanon, gründende Person des FLINTA*-Chors D-Dur Dykes*, schrieb die Musik und verantwortet zugleich Komposition, Liedtexte und musikalische Leitung. Produziert wird das Projekt von Giuseppina Lettieri, Politikwissenschaftlerin und Kuratorin des Queer History Month Berlin im Spinnboden Lesbenarchiv. Grafikdesign und Social Media übernehmen Lena Link und Jennifer Berning.
Parallelen zur Gegenwart
Das Stück versteht sich ausdrücklich nicht als nostalgischer Rückblick auf das "goldene" Berlin der 1920er Jahre. Vielmehr will das Team zeigen, wie fragil gesellschaftliche Freiräume sein können.
"Es finden sich viele beängstigende Parallelen zwischen den 1920er und den 2020er Jahren", sagt Lettieri. Fast ein Jahrhundert nach der Zerschlagung der queeren Szene durch die Nationalsozialisten erlebt Europa erneut einen Rechtsruck und zunehmende Queerfeindlichkeit. Das Musical soll deshalb nicht nur erinnern, sondern auch Mut machen und Widerstand sichtbar machen.
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Am 24. August soll "Burning Berlin" im Berliner SO36 Premiere feiern. Das Drehbuch ist fertig, die Proben laufen und das Ensemble steht. Noch ist die Produktion jedoch nicht vollständig finanziert. Deshalb hat das Team eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Die Eintrittspreise sollen möglichst niedrig bleiben, gleichzeitig müssen vier Aufführungen mit einem siebenköpfigen Ensemble gestemmt werden.
"Wir geben alles dafür, die Geschichte von Lotte Hahm und Käthe Fleischmann zu erzählen", sagt Lettieri. "Lesbische Geschichte lebt."
Links zum Thema:
» Crowdfunding-Kampagne für "Burning Berlin"
» Instagram-Seite zum Musical
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de















