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NRW

Wesel: Rechtsextreme Gegendemo zum ersten CSD

Aktivisten der Partei "Die Heimat" und der Neonazi-Szene wollen am Samstag gegen den ersten Pride in der Kreisstadt mobilisieren. Die CSD-Organisator*innen rufen zur regen Teilnahme an ihrer Kundgebung auf.


Ausschnitte aus den Ankündigungen des CSD und der Rechtsextremen, Graustufen durch uns

Die Welle rechtsextremer Mobilisierungen gegen Pride-Veranstaltungen in Deutschland reißt nicht ab. So hat die rechtsextreme Partei "Die Heimat" zu einer Demonstration am Samstag in Wesel aufgerufen, wo der erste CSD der nordrhein-westfälischen Kreisstadt stattfindet.

Ein Sharepic der Partei – früher bekannt als Nationaldemokratische Partei bzw. NPD – zu der Veranstaltung lautet auf die Überschrift "Heimat – Familie – Tradition statt LGBTQ – CSD-Propaganda" sowie den Aufruf "Schützt unsere Kinder". Angekündigt werden mehrere Redner, darunter der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer, der auch Aktivist der "freien Kameradschaften" ist, also informeller Neonazigruppen. Als "freier Aktivist" wird zudem der bekannte Rechtsextremist Sven Skoda angekündigt.

Ein sehr ähnliches Sharepic hatten die Partei und "Heimatjugend" bereits zu einer Kundgebung mit Infostand am 27. Juni in Sangerhausen veröffentlicht, bei der ebenfalls Skoda sprechen sollte. "Setzt ein Zeichen für traditionelle Familien und eine gesunde Gesellschaft", schrieb dazu der Bundesvorstand in sozialen Netzwerken. In der Kreisstadt in Sachsen-Anhalt fand an dem Tag der erste CSD Kreis Mansfeld-Südharz statt.

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"Nie wieder still" – "jetzt erst recht"

Für "Vielfalt, Respekt und gleiche Rechte" will hingegen am Samstag der erste CSD werben – veranstaltet vom Verein Wesel für Demokratie und Vielfalt ist eine Demonstration ab 15 Uhr unter dem Motto "Nie wieder still" vom Großen Markt zum Berliner Tor geplant, wo es ab 16 und bis 20 Uhr ein Bühnenprogramm und Infostände geben soll. Auch eine After-Show-Party ist vorgesehen.

Die Neonazis beginnen ihre Demonstration durch die Innenstadt laut ihrer Ankündigung bereits um 13 Uhr am Hauptbahnhof. Die Polizei betonte gegenüber Medien, dass man sich auf den Tag mit einer Verstärkung von Einsatzkräften vorbereite und die Lage beobachte. Die Demonstrationen würden getrennt gehalten und die Routen sich nicht überschneiden.

Man werde sich nicht von einer eventuellen Gegendemo vom CSD abhalten lassen, betonten die Veranstalter*innen gegenüber dem WDR oder auch in sozialen Netzwerken: "Jetzt erst recht." Die Polizei werde dafür sorgen, "dass der CSD ungestört bleibt und wir alle sicher feiern und demonstrieren können". Man bitte alle, "sich durch Ankündigungen und Provokationen von Menschenfeinden nicht aus der Ruhe bringen zu lassen", sich nicht selbst in Gefahr zu begeben und nicht den Fokus zu verlieren: Man biete keine Gegendemo zur Gegendemo an, sondern bitte um friedliche Teilnahme am eigentlichen CSD.

Bürgermeister Rainer Benien (SPD) hatte den Pride vor wenigen Wochen bereits in einem Offenen Brief an die Bürger*innen verteidigt, nachdem er mehrere Schreiben gegen die Veranstaltung erhalten habe (queer.de berichtete).

Fast 30 CSDs in ganz Deutschland

Am Wochenende sind in ganz Deutschland fast 30 CSD-Veranstaltungen geplant, darunter der CSD Cottbus, wo es im letztem Jahr Gegenproteste gab. Aktivist*innen sind besorgt, nachdem in der letzten Woche Molotow-Cocktails auf das alternative Wohnprojekt "Zelle 79" geworfen worden waren (queer.de berichtete). An der Fassade hing zum Zeitpunkt der Tat eine Regenbogenfahne anlässlich des Pride Month. Wenig später war eine Scheibe an einem Grünen-Büro zerstört und eine Regenbogenfahne gestohlen worden.

Ähnliche Sachbeschädigungen hatte es in Cottbus in den letzten Jahren häufiger gegeben. Zur Unterstützung des CSD bieten diverse Gruppen gemeinsame Anreisen etwa aus Berlin an. Letzte Infos bietet die CSD-Instagramseite. (cw)

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