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Monitoring-Bericht
Rechtsextreme machen Queerfeindlichkeit zum Kampfthema
Queerfeindlichkeit sei "kein Randphänomen", warnt das Demokratiezentrum Hessen in einem neuen Monitoring-Bericht – und beklagt "Enthemmungs- und Radikalisierungsprozesse".

Symbolbild: Neonazi-Demo gegen den CSD Döbeln 2025 (Bild: IMAGO / Bernd März)
- 9. Juli 2026, 06:28h 2 Min.
Rechtsextreme nutzen nach Einschätzung des Demokratiezentrums Hessen zunehmend queerfeindliche Angriffe als Mobilisierungsthema. Mit Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und körperlichen Attacken gegen queere Menschen sowie Störungen bei Veranstaltungen zum Christopher Street Day stellten sie "demokratische Errungenschaften gezielt infrage", teilte das Zentrum an der Universität Marburg in einem neuen Monitoring-Bericht (PDF) für den Zeitraum Februar bis Juni 2026 mit. Das Zentrum fungiert als Koordinierungsstelle des "Beratungsnetzwerks Hessen – Gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus".
Die Autor*innen verwiesen auf die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeslandes: "Wurden 2022 noch 33 queerfeindliche Straftaten registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 141 – mehr als eine Vervierfachung innerhalb von vier Jahren." Vermutet werde zudem eine erhebliche Dunkelziffer, da viele Betroffene Vorfälle aus Angst oder Scham nicht meldeten.
Queerfeindliche Vorfälle haben "alarmierendes Ausmaß erreicht"
Die queerfeindlichen Vorfälle bilden einen Schwerpunkt des Monitoring-Berichts, "weil sie in ihrer Häufung und Intensität ein alarmierendes Ausmaß erreicht haben". Die dokumentierten Fälle reichen von queerfeindlichen Stickern über massive verbale Anfeindungen bis hin zu körperlichen Angriffen mit erheblicher Brutalität.
"Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit bundesweiten Trends und unterstreichen, dass Queerfeindlichkeit weiterhin ein strukturell verankertes Problem darstellt", schreiben die Autor*innen. "Sie speist sich aus antifeministischen und anti-genderistischen Narrativen, die in rechtsextremen Ideologien eine zentrale Rolle spielen und zunehmend auch im öffentlichen Diskurs sichtbar werden."
"Enthemmungs- und Radikalisierungsprozesse"
In ihrem Monitoring-Bericht spricht die Koordinierungsstelle von Anzeichen einer zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung: "Die Entwicklungen im Berichtszeitraum weisen auf Enthemmungs- und Radikalisierungsprozesse hin", schreiben die Autor*innen. "Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen. Sie ist strukturell sichtbar, gesellschaftlich wirkmächtig und zugleich in vielen Bereichen weiterhin untererfasst, weil Vorfälle nicht gemeldet oder nicht als queerfeindlich erkannt werden."
Im Kontext von Pride Month und CSD-Saison nutzten rechtsextreme und antifeministische Gruppen und Personen queerfeindliche Narrative, "um demokratische Errungenschaften infrage zu stellen und gesellschaftliche Vielfalt zu delegitimieren", heißt es weiter im Bericht.
Stimmen aus queeren Initiativen und Beratungsstellen verdeutlichten zudem, wie stark die aktuelle Entwicklung das Sicherheitsgefühl vieler queerer Menschen beeinträchtige: "Berichtet wird unter anderem von zunehmender Vorsicht im Alltag, der Sorge vor Anfeindungen und einer hohen Belastung durch digitale Gewalt." (mize/dpa)
Links zum Thema:
» Der Monitoring-Bericht als PDF














