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"Atlantis Gay Cruise"
Auch Ägypten weist schwule Kreuzfahrt ab
Nach der Türkei verweigert auch Ägypten dem Kreuzfahrtschiff "Scarlet Lady" mit überwiegend schwulen Passagieren die Einfahrt. Der geplante Stopp in Alexandria fiel kurzfristig aus, das Schiff musste umkehren.

Mit Bildern wie diesem wirbt das Reiseunternehmen Atlantnis Events für seine "Atlantis Gay Cruise" (Bild: Atlantis Events)
- 10. Juli 2026, 07:21h 3 Min.
Nach der Türkei hat nun auch Ägypten dem Kreuzfahrtschiff "Scarlet Lady"
die Einfahrt in seine Gewässer verweigert. Das Schiff des Reeders Virgin Voyages ist im Rahmen der "Atlantis Gay Cruise" unterwegs, einem Angebot speziell für schwule Reisende. Ein für Donnerstag geplanter Zwischenstopp im ägyptischen Alexandria musste deshalb kurzfristig gestrichen werden, wie mehrere Reise-Portale und der britische "Guardian" berichteten.
Virgin Voyages sei in der Nacht zum Donnerstag darüber informiert worden, dass dem Schiff das Befahren ägyptischer Gewässer nicht gestattet werde, hieß es. Eine offizielle Begründung der ägyptischen Behörden liegt bislang nicht vor, eine Stellungnahme von offizieller Seite gibt es nicht. Gegen 23:20 Uhr deutscher Zeit habe die "Scarlet Lady" daraufhin ihren Kurs nordwärts in Richtung internationaler Gewässer geändert. Aus dem geplanten Landtag wurde ein zusätzlicher Seetag mit Kurs auf Griechenland. An Bord befinden sich rund 1.860 Passagiere und 1.139 Besatzungsmitglieder, wie der griechische Rundfunk ERT berichtete.
Ähnliche Route im Vorjahr ohne Probleme
Die Passagier*innen wurden per Kabinenbrief informiert. Atlantis-Events-Präsident Rich Campbell schrieb darin von einer "großen Enttäuschung" und erklärte, man sei von der Absage "völlig überrascht" worden, da die Reederei im Vorjahr eine ähnliche Route ohne Probleme habe absolvieren können.
Bereits kurz vor Reisebeginn hatten türkische Behörden kurzfristig den geplanten Stopp in Kuşadası untersagt (queer.de berichtete). Als Begründung wurden moralische Bedenken angeführt; die Reisegruppe sei für Verhaltensweisen bekannt, "die mit dem Gefüge unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten unvereinbar sind", hieß es damals vonseiten der Behörden. Die Reederei wich daraufhin auf Alexandria aus – nun fiel auch der ägyptische Ersatzhafen weg. Das Schiff steuerte stattdessen außerplanmäßig den Hafen von Souda auf der griechischen Insel Kreta an. Nach dem Aufenthalt in Souda soll die "Scarlet Lady" ihre Reise planmäßig in Richtung Montenegro fortsetzen. Ziel der Kreuzfahrt, die in Athen startete, ist Venedig.
Der mitreisende Influencer Randy Slovacek schrieb in seinem Blog, in der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens Atlantis sei es noch nie vorgekommen, dass einem Schiff die Einfahrt in ein Hafenbecken verweigert wurde – nun sei dies binnen einer Woche in zwei Ländern geschehen.
Ägypten verfolgt queere Menschen mit Moral-Gesetzen
Sowohl in der Türkei als auch in Ägypten ist Homosexualität nicht ausdrücklich unter Strafe gestellt. In Ägypten werden queere Menschen jedoch mit schwammigen Gesetzen "zum Schutz der Moral oder Religion" verfolgt, die mehrjährige Haftstrafen vorsehen. 2020 kritisierte Human Rights Watch in einem Bericht, dass die ägyptische Polizei und die Nationale Sicherheitsbehörde willkürlich queere Menschen verhaften, unter unmenschlichen Bedingungen festhalten und systematisch Misshandlungen einschließlich Folter aussetzen (queer.de berichtete). Das Auswärtige Amt warnt explizit davor, "dass ägyptische Behörden auch Dating-Apps einsetzen, um LGBTI ausfindig zu machen" (queer.de berichtete).
Auch Patti LuPone an Bord
An Bord der "Scarlet Lady" befindet sich auch die Broadway-Performerin Patti LuPone. "Der Atlantis-Kreuzfahrtschiff, auf dem ich nächste Woche auftreten werde, darf nicht in die Türkei einlaufen", schrieb die 77-jährige Tony-Preisträgerin am vergangenen Wochenende auf Instagram.. "Ein Schiff – ein prächtiges Schiff – voller schwuler Männer. Und ich. Die Einfahrt in die Türkei wurde verweigert, nur weil diese Menschen an Bord sind." Sie sei "wütend", aber werde trotzdem mitfahren. "Ich bin bereit, für all die wunderbaren Männer auf dieser Atlantis-Kreuzfahrt aufzutreten, die so viel Besseres verdient haben als das hier."
Bereits in der Vergangenheit kam es zu Problemen mit Gay Cruises, die in queerfeindlichen Ländern anlegten. 2012 wurden etwa zwei Männer einer schwule Atlantis-Kreuzfahrt im karibischen Dominica wegen Homosexualität festgenommen (queer.de berichtete). (cw)














