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Umfrage von Booking.com
Die meisten queeren Reisenden verschweigen ihre Identität
Wenn queere Menschen verreisen, versuchen sie aus Angst vor Diskriminierung meist, ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität geheim zu halten.

So offen zeigen sich die meisten queeren Reisenden aus Angst vor Diskriminierung nicht (Bild: magnific.com)
- 10. Juli 2026, 13:31h 3 Min.
Die Mehrheit der queeren Menschen aus Deutschland versteckt auf Reisen ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. Das ist das Ergebnis des aktuellen "Travel Proud Report 2026", für den das Buchungsportal Booking.com weltweit über 13.300 queere Personen aus 19 Ländern befragt hat, darunter gut 1.000 Menschen aus Deutschland.
Demnach gaben lediglich 17 Prozent der deutschen Befragten an, im Urlaub offen zu ihrer queeren Identität zu stehen – im Alltag gegenüber engen Freund*innen liegt dieser Wert bei 68 Prozent. Um ein Wunsch-Reiseziel überhaupt erleben zu können, nehmen viele bewusste Einschränkungen in Kauf: 46 Prozent der Befragten aus Deutschland gaben an, bereit zu sein, ihre Identität vor Ort zu verbergen, wenn sie damit "ein Reiseziel von ihrer Wunschliste erleben" könnten.
Die Notwendigkeit von Sicherheitsvorkehrungen ist laut der Umfrage im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. 44 Prozent der Befragten aus Deutschland treffen heute mehr Vorsichtsmaßnahmen als früher. Dazu zählen das Teilen des Live-Standorts mit Kontakten zu Hause (22 Prozent), die Nutzung von VPN-Diensten zur Verschleierung von Online-Aktivitäten (22 Prozent), das Mitführen eines Zweithandys (20 Prozent) oder das Löschen von Dating-Apps vor dem Überqueren von Landesgrenzen (18 Prozent). Zudem gaben 47 Prozent der deutschen Teilnehmenden an, ihre Umgebung ständig genau zu beobachten, bevor sie ihren Partner*innen in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigen.
Besondere Belastung für trans Personen
Der Bericht verdeutlicht deutliche Unterschiede innerhalb der Community. Insbesondere trans Reisende berichten von einem gestiegenen Unsicherheitsgefühl. In Europa gaben 43 Prozent der trans Befragten an, in den vergangenen Jahren ängstlicher im Bezug auf Reisen geworden zu sein – unter allen queeren Menschen liegt dieser Wert bei 26 Prozent.
Während für die Gesamtheit der Community vor allem der Aufenthalt im öffentlichen Raum nach Einbruch der Dunkelheit als angstauslösend gilt, stellt für trans Personen europaweit die Nutzung von geschlechtsspezifischen Einrichtungen wie Toiletten oder Umkleiden das größte Sicherheitsrisiko dar (21 Prozent).
Die Studie zeigt auch auf, dass das Versteckspiel durchaus erfolgreich sein kann: Die Gruppe der nicht-geouteten Reisenden berichtet global am seltensten von Diskriminierungserfahrungen (34 Prozent). Bei offen lebenden queeren Reisenden liegt dieser Wert bei 62 Prozent, bei trans Personen sogar bei 73 Prozent. Sicherheit wird in der Praxis demnach häufig durch Unsichtbarkeit erkauft.
Positive Entwicklungen und die Rolle von KI
Trotz der bestehenden Hürden verzeichnet die Umfrage auch positive Tendenzen. 53 Prozent der deutschen Befragten sehen eine generelle Verbesserung der gesellschaftlichen Akzeptanz in den letzten Jahren. Zudem berichteten 90 Prozent von mindestens einer positiven, identitätsbezogenen Erfahrung im vergangenen Jahr, beispielsweise durch sichtbare Inklusionszeichen in Unterkünften wie Regenbogenflaggen oder geschlechtsneutrale Toiletten oder die korrekte Verwendung von Pronomen durch das Personal.
Ein neuerer Trend zeigt sich bei der Reiseplanung: 73 Prozent der deutschen Befragten nutzen künstliche Intelligenz (KI) für ihre Reiseorganisation. Rund 39 Prozent gaben an, sich sicherer dabei zu fühlen, sensible Fragen zur lokalen queeren Szene einer KI zu stellen, anstatt echte Menschen vor Ort um Auskunft zu bitten. 38 Prozent nutzen KI gezielt, um ausdrücklich queerfreundliche Orte zu finden.
Booking.com hatte 2021 "Travel Proud" gestartet. Das Ziel des Programms ist es, geschultes Personal und sicherere, gastfreundliche Unterkünfte für queere Reisende erkennbar zu machen, um Diskriminierung beim Check-in oder während des Aufenthalts zu reduzieren (queer.de berichtete). (cw)
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