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Warnung vor Antibiotikaresistenzen

Großbritannien: Anstieg von Shigellose-Infektionen unter schwulen und bisexuellen Männern

Shigellose-Infektionen nehmen derzeit in England stark zu, insbesondere unter Männern, die Sex mit Männern haben. Kopfzerbrechen bereitet, dass viele Bakterienstämme bereits Resistenzen gegen gängige Antibiotika aufweisen.


Die Shigellen-Bakterien in einer stark vergrößerte Mikroskop-Aufnahme (Bild: Ajay Kumar Chaurasiya / wikipedia)

Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) vermeldet einen anhaltenden und deutlichen Anstieg von sexuell übertragenen Shigellose-Infektionen im größten Landesteil England. Betroffen von diesem Infektionsgeschehen sind laut den epidemiologischen Daten vor allem Männer, die Sex mit Männern haben.

Im Jahr 2025 wurden in England 2.560 Fälle von sexuell übertragener Shigellose bei erwachsenen Männern registriert, die zuvor nicht im Ausland gereist waren – das entspricht einem Anstieg von etwa 25 Prozent im Vergleich zu 2023. Mehr als die Hälfte der Diagnosen (54 Prozent) entfällt dabei auf den Großraum London.

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Kritische Entwicklung bei Antibiotikaresistenzen

Die eigentliche Herausforderung für das Gesundheitssystem liege in der biologischen Veränderung der Erreger. Der Anteil von bakteriellen Proben, die Resistenzen gegen gängige Antibiotika aufweisen, hat laut der britischen Gesundheitsbehörde ein kritisches Niveau erreicht: Bei der Art Shigella sonnei zeigten 86 Prozent der untersuchten Proben Resistenzen, bei Shigella flexneri gar 94 Prozent.

Das schränkt die Behandlungsmöglichkeiten bei schweren Verläufen drastisch ein. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise bei einer nicht optimal eingestellten HIV-Infektion, steigt dadurch das Risiko für schwerwiegende klinische Komplikationen.

So werden Shigellen übertragen

Bei der Magen-Darm-Erkrankung Shigellose reicht bereits eine sehr geringe Menge an Bakterien (10 bis 100 Keime) für eine Infektion aus. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral, was im Rahmen sexueller Aktivitäten – insbesondere durch Rimming oder den direkten Hand-zu-Mund-Kontakt nach dem Sex – geschehen kann. Zu den typischen Symptomen gehören wässriger oder blutiger Durchfall, Fieber, Übelkeit und schmerzhafte Bauchkrämpfe.

Aufgrund internationaler Mobilität und der Vernetzung queerer Communitys zirkulieren diese resistenten Bakterienstämme global. Bereits seit den 1970er Jahren ist es immer wieder zu Shigellen-Epidemien unter homo- und bisexuellen Männern in hochentwickelten Staaten gekommen. Ähnliche Cluster und Fallzahlanstiege wurden in den vergangenen Jahren auch in deutschen Großstädten wie Berlin beobachtet. Die in den letzten Jahren unter Männern, die Sex mit Männern haben populärer gewordene Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) schützt übrigens nur gegen HIV, nicht gegen andere sexuelle übertragbare Krankheiten.

Gemeinschaften und Organisationen der sexuellen Gesundheit raten zu verstärkten Hygienemaßnahmen beim und nach dem Sex. Dazu zählen gründliches Händewaschen oder die Nutzung von Kondomen. Zudem sollten insbesondere sexuell aktive Schwule bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden gezielt eine medizinische Praxis aufzusuchen und auf das sexuelle Risiko hinzuweisen, damit eine passende Laboruntersuchung veranlasst werden kann. (cw)

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