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CDU-Spitzenkandidat
Stefan Evers spricht über homophobe Erlebnisse in der U-Bahn
Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat in einem Interview geschildert, wie ihm als schwulem Mann in der Öffentlichkeit Anfeindungen begegnen. Als Ursache sieht er auch "religiös-fundamentalistische Strukturen". Mit seinem Ehemann werde er im Wahlkampf nicht auftreten.

Stefan Evers ist seit Montag Landesvorsitzender der Berliner CDU und Spitzenkandidat für die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September (Bild: IMAGO / Metodi Popow)
- 16. Juli 2026, 06:28h 3 Min.
Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat von eigenen homofeindlichen Erfahrungen als schwuler Mann in der Öffentlichkeit berichtet. Auf die Frage, ob er persönlich bedrohliche Situationen erlebt habe, sagte er in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" (Bezahlartikel): "Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben. Und solange das so ist, dürfen wir im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen."
Evers engagiert sich seit vielen Jahren auch in der Queerpolitik, über Privates spricht er jedoch nur selten. Er stelle seine politischen Überzeugungen zur Wahl und nicht sein Privatleben, erklärte er gegenüber dem "Tagesspiegel". Sein Ehemann werde auch künftig in der Öffentlichkeit keine Rolle spielen.
Evers fordert "Anerkennung der Freiheit jedes Einzelnen"
"Ich finde Hassgewalt in jeder Form unerträglich", sagte der amtierende Finanz- und Kultursenator, der seit Montag auch CDU-Landesvorsitzender ist, in dem Interview. "Jeder in dieser Stadt, ganz gleich woher er kommt, ganz egal, was er glaubt, ganz egal, wen er liebt, soll sich hier sicher und frei bewegen können." Wenn sich ein schwules Paar im Nollendorfkiez nicht sicher fühlen könne, dürfe man "nicht untätig" bleiben, so der Spitzenkandidat der CDU. Auch mit Blick auf Jüd*innen mit Kippa in Neukölln sagte Evers, man habe "noch viel zu tun".
Auf die Nachfrage, was dagegen zu tun sei, verwies Evers auf kulturelle und religiöse Ursachen: "Vielfach stehen kulturelle Hintergründe oder religiös-fundamentalistische Strukturen hinter Vorurteilen und Übergriffen." Er berief sich dabei auf eine Studie der Bildungsverwaltung, wonach für fast 30 Prozent der muslimischen Schüler*innen die Scharia und nicht das Grundgesetz gelte. "Da geht es los", so Evers. "Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat. Dazu zählt auch ganz klar die Anerkennung der Freiheit jedes Einzelnen."
Berlin als Stadt der "unendlichen Möglichkeiten"
Seine Vision für Berlin sei, "dass bei uns alle Menschen eine Chance haben, ihre persönliche Vision zu verwirklichen", sagte Evers, der in Herdecke geboren wurde und in Paderborn aufwuchs. Das verbinde ihn auch persönlich mit der Hauptstadt: "Seit ich mit 19 hier angekommen bin, hat diese Stadt mir unglaubliche Freiheiten gegeben, sie hat mir unendliche Möglichkeiten eröffnet. Das findet man so an keinem anderen Ort der Welt. Hier kann man wirklich alles werden, sogar Spitzenkandidat über Nacht. Das ist Berlin, das ist die Stadt, die ich liebe."
Die Berliner CDU hatte Stefan Evers am Montag nach dem Rückzug des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner zum neuen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gekürt (queer.de berichtete). Auf die Frage, was passiere, sollte er die Wahl nicht gewinnen, antwortete Evers im "Tagesspiegel"-Interview knapp: "Das ist nicht vorgesehen." Er spiele "immer auf Sieg". (mize)














