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Neonazi zieht erneut um
Liebich in Männergefängnis verlegt
Nach seiner Flucht ins Ausland ist Rechtsextremist Sven alias Marla Svenja Liebich erst seit Mittwoch wieder in Deutschland. Zunächst wurde er in ein Frauengefängnis gebracht – doch dabei bleibt es nicht.

Liebich bei der Einfahrt ins Frauengefängnis Chemnitz am Mittwoch – oben ist zu sehen, wie er sich auf X präsentiert (Bild: IMAGO / Chempic, X)
- 16. Juli 2026, 09:55h 4 Min.
Obwohl Neonazi Sven (Marla Svenja) Liebich offiziell als Frau gilt, soll er seine Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer verbüßen. Das habe die Anstaltsleitung im Frauengefängnis in Chemnitz entschieden, teilte das sächsische Justizministerium am Donnerstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur mit. 2025 war bekanntgeworden, dass Liebich den Geschlechtseintrag von männlich zu weiblich hatte ändern lassen, was insbesondere aus der queeren Community als eine Provokation gewertet wurde.
Nach seiner Auslieferung von Tschechien nach Deutschland am Mittwoch war Liebich zunächst in das Frauengefängnis in Chemnitz gebracht worden (queer.de berichtete). Noch am selben Tag sei er in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im Landkreis Meißen verlegt worden, hieß es nun.
Abwägung maßgeblicher Aspekte
"Gut, dass die JVA schnell Klarheit geschaffen und sich nicht auf Inszenierungen eingelassen hat", sagte Sachsens Justizministerin Constanze Geiert (CDU). Die Entscheidung der Anstaltsleitung wurde demnach unter anderem nach einem Gespräch mit Liebich und einer Untersuchung von ihm getroffen. In der Abwägung maßgeblicher Aspekte sei es auch um die Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen, hieß es.
Seit Liebichs Ankunft in der JVA Chemnitz ist die sächsische Justiz für ihn zuständig. Die Staatsanwaltschaft Halle bleibt jedoch die zuständige Vollstreckungsbehörde für den Fall Liebich. Dort habe man auch schon vor der Entscheidung zur Verlegung von Liebich mit den Verantwortlichen in Chemnitz in engem Austausch gestanden, sagte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der dpa. Dass Liebich nun nach Zeithain gebracht wurde, sei auch das Ergebnis aus einem engen Austausch zwischen allen beteiligten Behörden – auch denen in Tschechien.
Gerichtsentscheidung zu Änderung von Geschlechtseintrag steht aus
Im Juli 2023 war der Rechtsextremist – damals noch mit männlichem Geschlechtseintrag und dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Ursprünglich sollte Liebich die Haft schon Ende August 2025 antreten.
In der Zwischenzeit hatte Sven Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja ändern lassen. Kritiker*innen sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Vor dem Amtsgericht in Halle steht derzeit noch eine Entscheidung darüber aus, ob die Änderungen rückgängig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte nach eigenen Angaben im Dezember 2025 rechtliche Schritte für eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet.
Weil Liebich dennoch seit der Änderung offiziell als Frau gilt, war er zum Haftantritt in das Frauengefängnis Chemnitz geladen worden. Es ist das nächstgelegene Gefängnis von Liebichs Meldeadresse. Allerdings trat der Rechtsextremist seine Haft im vergangenen Jahr nicht an, floh stattdessen und wurde erst im April dieses Jahres in Tschechien gefasst (queer.de berichtete).
Liebich wollte nicht nach Deutschland gebracht werden
Daraufhin wurde er nach Pilsen (Plzeň) gebracht. Vor dem Gericht in der Stadt im Westen Tschechiens gab Liebich an, nicht nach Deutschland gebracht werden zu wollen, weil er Angst habe, in einem deutschen Männergefängnis ums Leben zu kommen. Schließlich gab die tschechische Justiz aber grünes Licht für die Auslieferung.
Liebich hatte seit 2014 regelmäßig Demonstrationen organisiert, oft auf dem Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandersetzen. Er protestiere auch immer wieder gegen CSDs und beschimpfte queere Menschen – außerdem warnte er vor "Trans-Faschismus".
Dass Liebich seine Geschlechtsidentität zur Provokation nutzt, zeigte auch ein Vorfall Anfang dieses Jahres: Der damals Flüchtige wolle seinen Geschlechtseintrag jetzt zu "nichtbinär" ändern und seinen Namen zu "Anne Frank" (queer.de berichtete). Die Namensübereinstimmung mit der bekanntesten Symbolfigur für die Opfer des Holocaust bezeichnete er als zufällig, eine Bezugnahme zur historischen Anne Frank sei "zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt" gewesen, behauptete er naiv. Weil es sich bei der Änderung des Geschlechtseintrags um eine offensichtliche Fake-Aktion handelt, nutzt queer.de für den Neonazi weiterhin männliche Personalpronomen.
In dem Prozess gegen Liebich, der mit dem rechtskräftigen Urteil zur Freiheitsstrafe endete, hatte die Staatsanwaltschaft Halle in sechs Anklagen unterschiedliche Vorwürfe gegen den 1970 in Merseburg im Saalekreis geborenen Rechtsextremisten erhoben. Einige Vorfälle lagen zu Beginn des Prozesses bereits mehrere Jahre zurück. (dpa/cw)















