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Debatte zur Leihmutterschaft
Rechte und Feministinnen sind sauer auf Spahns Kinderglück
Der umstrittene Politiker Jens Spahn bekommt ein Kind per Leihmutterschaft. Viele Menschen, insbesondere auf Social Media, haben etwas dazu zu sagen – die Wahrheit bleibt dabei oft auf der Strecke.
- 16. Juli 2026, 11:28h 4 Min.
Am frühen Mittwochabend wurde bekannt, dass CDU-Fraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Väter eines Kindes mit Hilfe von Leihmutterschaft geworden sind (queer.de berichtete). Dies hat zu teils heftigen Reaktionen geführt.
So gibt es viel Kritik daran, dass Spahns in Interviews erklärt hatte, am Verbot selbst altruistischer Leihmutterschaft in Deutschland festhalten zu wollen, er persönlich aber einen kommerziellen Dienst in den USA nutzt (siehe queer.de-Kommentar). Aus rechten und feministischen Kreisen gibt es dagegen auch ideologische Kritik daran, dass Spahn Vater wird – und dabei wird auch viel mit Lügen und Halbwahrheiten gearbeitet.
US-Leihmütter sind reicher als der Durchschnitt
Ein Beispiel ist die queerfeindliche Rechtsaußen-Publikation "Nius", die sich des Klischees der ausgenutzten, bitterarmen Frau bedient, die ihr Kind verkaufen muss: "Es sind oft Frauen aus prekären Verhältnissen, die man unter Umständen vielleicht in ihrer prekären Situation, ihrer Armut ausnutzt", behauptete Redakteur Alexander Kissler am Donnerstag in der morgendlichen "Nius"-Talkshow.

(Bild: X)
Freilich hat das mit der Wirklichkeit der Leihmutterschaft in den Vereinigten Staaten wenig zu tun: Amerikanische Leihmutterschaftsagenturen setzen voraus, dass eine Leihmutter finanziell stabil ist. Wer Sozialhilfe erhält oder von Lebensmittelmarken lebt, wird in der Regel direkt vom Prozess ausgeschlossen. Studien zeigen, dass US-Leihmütter im Durchschnitt über ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen in ihrem jeweiligen Bundesstaat verfügen und oft gut ausgebildet sowie berufstätig sind. Die Frauen erhalten zwischen 45.000 und 75.000 Dollar, manchmal auch mehr, für ihre Dienste.
Judith Sevinç Basad: "Das Kind von Jens Spahn fühlt sich bei ihm weder wohl noch geborgen"
Auch die Journalistin Judith Sevinç Basad – die einst die "Bild"-Zeitung verlassen hat, weil der Springer-Konzern angeblich zu transfreundlich ist – erregt sich über die Vaterschaft Spahns: "Das Kind von Jens Spahn fühlt sich bei ihm weder wohl noch geborgen – es will zurück zu seiner Mutter", behauptete sie auf X. Heute schreibt Basad für Publikationen wie "Nius" oder das feministische Magazin "Emma".
Auch dass es Kindern aus Leihmutterschaften schlechter geht, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, ganz im Gegenteil: Eine Studie der Universität Cambridge hat etwa keine überhöhten Raten an psychischen Störungen bei Kindern aus Leihmutterschaften festgestellt. In der Untersuchung wurden Kinder im Alter von 3, 7, 10, 14 und 21 Jahren standardisierten psychologischen Tests unterzogen. Es zeigten sich im Jugend- und Erwachsenenalter keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Selbstwertgefühl, Depressivität, Angststörungen oder soziale Anpassung im Vergleich zu Kindern, die bei biologischen Eltern leben.
Auch die "Emma" zeigte sich empört über Spahn. Eine Redakteurin des Alice-Schwarzer-Magazins, das in den letzten Jahren vor allem trans Frauen als Gefahr für "echte" Frauen dämonisierte, schrieb etwa: "Es geht nicht um Elternschaft! Es geht darum, dass Frauen und Kinder zur Ware gemacht werden, Herr Spahn! Es geht um Menschen, die bestellt und verkauft werden."

(Bild: Facebook)
In Kommentaren arbeiten sich dabei manche Leserinnen an der sexuellen Orientierung und am Geschlecht Spahns ab: Eine Nutzerin schrieb etwa auf Facebook: "Schwule Männer werden seit Jahrzehnten gefeiert (vielen schwulen Promis sei Dank, die als lustige Knuddelbären und Entertainer vermarktet werden) und gehören zu den Lieblingen der Boulevardpresse (während Lesben, selbst als Promis, häufig in der Versenkung verschwinden)." Eine weitere Frau schrieb, sie sei dagegen, "das gleich geschlechtige kinder bekommen" (sic).
Spahn macht es Elton John und Co. nach
Leihmutterschaften sind international sehr umstritten. In den USA gehören sie hingegen fast zur Normalität. Jeder Bundesstaat regelt dabei selbst, was erlaubt ist und welche Voraussetzungen gelten. Viele bekannte schwule Promis haben Kinder durch amerikanische Leihmütter austragen lassen, etwa Lance Bass, Elton John oder Neil Patrick Harris. Aber auch Frauen nutzen die Möglichkeit, etwa die lesbische Schauspielerin Rebel Wilson (queer.de berichtete).
In Deutschland hatte sich vor allem die FDP für eine Teillegalisierung von Leihmutterschaft eingesetzt, was aber aus den Reihen von CDU und Grünen abgelehnt wurde (queer.de berichtete).
Hierzulande sind Leihmutterschaften aus dem Ausland nicht verboten und werden anerkannt. Allerdings hat das Finanzgericht in Münster 2022 entschieden, dass die künstliche Befruchtung einer ausländischen Leihmutter nicht von der Steuer abgesetzt werden könne (queer.de berichtete). Die Kosten für eine Leihmutterschaft in den USA betragen insgesamt etwa 100.000 bis 200.000 Euro – und sind damit nur für Menschen in einer sehr stabilen finanziellen Situation möglich. (dk)















