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  • 06. November 2006 14 3 Min.

Ein Outing bewegt Amerika: Callboy Mike Jones zeigt, wie Pseudo-Pfarrer an ihren selbstgesetzten Standards scheitern.

Von Dennis Klein

Callboy Mike Jones brachte es in einem Interview auf den Punkt: "Ich wollte einen Heuchler entlarven", sagte er, als er seine dreijährige "Geschäftsbeziehung" mit Pfarrer Ted Haggard öffentlich machte. Damit hat Jones wohl einen seiner besten Kunden verloren: Der Prediger hatte ihn mit 200 steuerfreien Dollar pro Treffen reichlich entlohnt - und manchmal auch noch Crystal Meth dazugekauft, das Jones ebenfalls anbot.

Haggard war nicht gerade der liebe Dorfpfarrer. In seiner 8.000 Plätze umfassenden "Megachurch" betrieb er knallharte Politik. Er war einer der lautstärksten Befürworter einer Verfassungsänderung, die es Schwulen und Lesben bis in alle Ewigkeit unmöglich machen soll zu heiraten. Seine Ehe, die fünf Kinder hervorbrachte, pries er stets als Ideal - andere Lebensformen machte er in gewohnt pointierter Rhetorik während seiner "Gottesdienste" nieder (ein Beispiel auf YouTube.com). Auch im nationalen Fernsehen warnte er stets davor, dass "moralischer Relativismus" die USA in den Untergang führen würden. In diesen Interviews prahlte er auch davon, mindestens einmal die Woche mit Präsident Bush über die großen moralischen Themen zu sprechen.

Jones wollte diese Heuchelei beenden - und entschied sich eine Woche, bevor eine Volksabstimmung zum Verbot der Homo-Ehe zur Wahl stand, Haggard zu outen. Der hatte seine Gemeinde und das ganze Land via TV geradezu genötigt, mit "Ja" zu stimmen - sonst sei Gott böse. Jones stellte sich diesem moralischen Besserwisser entgegen, und das ohne die Hilfe von Parteien oder anderen Organisationen, versichert er. Von Haggards wahrer Identität - er hatte sich zuvor als "Art" vorgestellt - hat der 49-Jährige bereits ein halbes Jahr zuvor erfahren, als ein Witzbold einen Kirchensender in seinem Fitness-Studio im Fernsehen eingestellt hatte - und dort predigte gerade Haggard.

Jones hätte den Pfaffen erpressen können, hätte er es nur auf Geld abgesehen. Er hatte Beweise - Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und einen Brief. Doch der Callboy entschied sich gegen das Geld und für die Wahrheit. Haggard dagegen log, bis es nicht mehr ging: Als die Geschichte die Runden durch die Lokalnachrichten machte, hatte er erst alles mit seinem treuherzigen Blick abgestritten. Nachdem die Beweise zum Vorschein kamen, gab er stückchenweise sein "Verfehlungen" zu.

Natürlich hat jeder, auch Haggard, ein Recht auf Privatsphäre. Natürlich fängt nun eine harte Zeit für seine Kinder und seine Frau an, die an dieser Situation völlig unschuldig sind. Dennoch war das Outing richtig: Er hat sich seine Brötchen damit verdient, Millionen von Schwulen und Lesben das Leben schwer zu machen. Selbst hat er sich aber ein erträgliches Doppelleben eingerichtet - Mittags gegen Schwule lästern, abends mit dem Callboy heiße Quickies samt Drogenkonsum. Dank Jones ist dieses Doppelleben jetzt bekannt geworden. Es stellt nicht nur die Glaubwürdigkeit dieses einen Mannes in Frage, sondern die der gesamten Evangelikalen-Bewegung, die sich selbst als unfehlbar sieht und die Welt quasi im Alleingang selig machen will. Der Callboy mit den muskulösen Oberarmen verdient den Homo-Orden, weil er die Doppelzüngigkeit in die Abendnachrichten gebracht hat.

6. November 2006

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-w-

#1 hwAnonym
  • 06.11.2006, 16:55h
  • hero !
    ..und dabei auch noch ein schönes fettes teil erwischt...begnadet schön das ganze...
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#2 seb1983
#3 WolfgangAnonym