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Luxemburg
Bettel über Leihmutterschaft im Ausland: "Nur etwas für die Schwulen-Bourgeoisie"
Der luxemburgische Ex-Premierminister Xavier Bettel ist eigentlich für die Legalisierung von Leihmutterschaft – im Fall von Jens Spahn sieht er aber Probleme.

Vize-Premierminister Xavier Bettel (re.) und sein Ehepartner Gauthier Destenay im Oktober 2025 beim Galadinner anlässlich der Abdankung von Großherzog Henri und der Thronbesteigung seines Sohnes, Erbgroßherzog Guillaume, im Großherzoglichen Palais (Bild: IMAGO / DPPA)
- 22. Juli 2026, 14:30h 3 Min.
Der luxemburgische Spitzenpolitiker Xavier Bettel hat in einem Interview mit der deutschsprachigen Zeitung "Luxemburger Wort" (Bezahlartikel) attestiert, dass die Leihmutterschaft des CDU-Politikers Jens Spahn einen Beigeschmack habe. Der 53-Jährige erklärte etwa, dass die mehrfach geäußerte politische Ablehnung der Leihmutterschaft von Spahn ein Problem sei. Es sei eben kompliziert, "wenn man politisch gegen etwas ist, es dann aber selbst macht". Bettel ist mit Spahn und dessen Ehemann befreundet, wusste aber vorher nichts von den Kinderplänen des deutschen Paares.
Er habe auch ein Problem damit, dass die Leihmutterschaft für luxemburgische oder deutsche Bürger*innen im Ausland erlaubt, aber im Inland verboten sei, fuhr Bettel fort: "Wenn man es krass formulieren möchte, kann man sagen, das ist nur etwas für die stattliche Schwulen-Bourgeoisie, die es sich leisten kann, nach Amerika zu fliegen, um dort eine Leihmutterschaft in Auftrag zu geben. Und wer sich das nicht leisten kann, der darf das nicht. Das finde ich einfach nicht gerecht."
Deswegen fände er es besser, "dass es einfacher und legal geregelt ist, und wir eben nicht den Fall haben, dass es nur für den geht, der es sich leisten kann. Das ist etwas, das ich in der Politik nie mag", so der offen schwule Politiker.
Bettel gehört seit längerem zu den wichtigsten Figuren in der luxemburgischen Politik. Von 2011 bis 2013 war er Bürgermeister der Stadt Luxemburg, danach war der Liberale zehn Jahre lang Premierminister des Großherzugtums – als erster offen schwuler Mann. Nach einer verlorenen Wahl ist er seit 2023 Außenminister und Vize-Premierminister unter dem konservativen Regierungschef Luc Frieden.
Für Bettel war Kinderkriegen keine Option
Für ihn und seinen Ehmann sei Leihmutterschaft nie in Betracht gekommen, da sie sich wegen ihrer Arbeitslast wenig um das Kind hätte kümmern können. "Ich will nicht ein Kind großziehen, für das ich keine Zeit habe", erklärte der Politiker der Demokratesch Partei. "Ein Kind bedeutet Verantwortung. Deswegen haben wir dann entschieden, das nicht zu machen. Bei unserem Lebensstil hätte das nicht funktioniert."
Bettel hatte seinen Partner, den Architekten Gauthier Destenay, während seiner Zeit als Regierungschef im Jahr 2015 geheiratet (queer.de berichtete). Danach warb er auch dafür, das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in Deutschland aufzuheben (queer.de berichtete). Die Ehe wurde schließlich im Oktober 2017 auch in der Bundesrepublik geöffnet.
"Die Gesetzgebung ist da, um sie der Realität der Menschen anzupassen"
In dem Interview begründete Bettel auch, warum er sich für die Liberalisierung von Leihmutterschaft einsetzt: "Meine Einstellung ist die: Die Gesetzgebung ist da, um sie der Realität der Menschen anzupassen", so Bettel. "Es ist derzeit nur möglich für die Leute, die es sich leisten können. Mit einer Gesetzgebung könnten wir das anpassen. Es darf natürlich nicht sein, dass wir dadurch einen Handel mit Leihmutterschaft fördern. Aber wenn wir zum Beispiel eine Frau haben, die sich dazu bereit erklärt und das auch gerne macht, warum nicht?"
Es gehe dabei auch um heterosexuelle Paare, bei denen eine Person unfruchtbar sei. "Und es ist letztlich auch im Interesse der Kinder", erklärte der 53-Jährige. "Da spielt es doch keine Rolle, ob sie hetero- oder homosexuelle Eltern haben. Wenn zwei Menschen die Zeit und die Freude haben, Liebe an ein Kind weiterzugeben, dann ist das doch völlig egal. Hauptsache, das Kind bekommt die Liebe, die es braucht. Das ist für mich das Wichtigste." (dk)















