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Live-Blog

Nach CSD-Anschlag: Redmann will Gefährdern Führerschein entziehen

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann plant, Gefährdern das Mieten von Fahrzeugen zu erschweren. Am Tatort soll eine Regenbogenbank aufgestellt werden. Letzte Reaktionen und Entwicklungen zum islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD im Live-Blog.


Am Tag nach dem Anschlag wurde das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben angestrahlt (Bild: Orator / wikipedia)

Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gerast und hat mindestens einen Menschen getötet. Über 20 weitere Menschen wurden nach Angaben von Polizei und Feuerwehr am Samstagabend im Tiergarten verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich (queer.de berichtete). Abdul Ballout, der mutmaßliche Täter, wurde am frühen Sonntagabend von der Berliner Polizei erschossen. Er soll Anhänger der Terrororganisation IS gewesen sein.

Die Community reagierte geschockt – und mit dutzenden Mahnwachen und weiteren Veranstaltungen in ganz Deutschland, die wir in dieser Terminübersicht bündeln.

In diesem Live-Blog berichten wir über weitere Reaktionen und neue Entwicklungen in dem Fall. Reaktionen und mehr gibt es auch in unserer Presseschau. (mize/dpa/AFP/spot)


Live-Ticker (abgeschlossen, Start)

02.08., 06:24h

Berlin zeigt beim Hamburg Pride Präsenz

Eine Woche nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hat eine Delegation aus der Hauptstadt auch an der Demoparade in Hamburg teilgenommen. Etwa 120 Menschen reisten an und waren mit einem eigenen Truck im Zug durch die Hansestadt dabei. Aus Respekt vor der in Berlin getöteten Frau und den 31 zum Teil schwer verletzten Menschen trugen sie schwarze T-Shirts.

"Die Stimmung ist durchwachsen. Es ist ein Auf und Ab", sagte Monique King, die beim Berliner CSD das Bühnenprogramm verantwortet und ehemaliges Vorstandsmitglied des Ausrichtervereins ist. "Wir sind hier, um Flagge und Präsenz zu zeigen. Um zu zeigen: Wir weichen keinen Schritt zurück und lassen uns nicht verängstigen."

Auf dem Truck der Hauptstädter wurde auch die übliche Musik gespielt. "Das gehört dazu", sagte King, die für alle Verständnis zeigte, die nach dem Schrecken des vergangenen Wochenendes bis jetzt nicht wieder in der Lage gewesen seien, die Reise nach Hamburg anzutreten. "Wir wollen das Beste aus der Situation machen." (dpa)

02.08., 06:16h

Mahnwache am Sonntag in Berlin

Mit einer Mahnwache soll am Sonntag um 18 Uhr in Berlin der Opfer des islamistisch motivierten Anschlags auf den Berliner CSD am Wochenende zuvor gedacht werden. Dazu laden der LSVD+ – Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg und der Bundesverband gemeinsam ein: "Kommt mit uns zusammen. In Gedenken. In Solidarität. Für Menschlichkeit."

Die Mahnwache ist am Ort des Anschlags am Ahornsteig im Großen Tiergarten geplant. "Wir wollen der Opfer gedenken, den Betroffenen und ihren Angehörigen unsere Solidarität zeigen und als Community zusammenstehen", erklären die beiden Verbände. "Hass und Gewalt dürfen niemals das letzte Wort haben." Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat seine Teilnahme angekündigt.

Eine ständig aktualisierte Termin-Übersicht mit Gedenkveranstaltungen in ganz Deutschland gibt es hier.

02.08., 06:10h

Frei: Vorschläge für Gesetzesverschärfungen wohl noch im August


Unionsfraktionschef Thorsten Frei (Bild: Dr. Frank Gaeth / wikipedia)

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) rechnet nach dem islamistischen Terroranschlag gegen den Berliner CSD mit zügigen Gesetzesverschärfungen. "Ich bin davon überzeugt, dass der Bundesinnenminister und die Bundesjustizministerin in den nächsten Wochen – vermutlich noch im August – entsprechende Vorschläge unterbreiten werden", sagte Frei der "Bild am Sonntag" mit Blick auf Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD).

"Wir können sehr schnell agieren und auch umsetzen, wenn es notwendig ist, und das müssen wir auch", sagte Frei weiter. Die Bürger erwarteten jetzt Konsequenzen von der Politik. "Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass wir nicht nur über diese Dinge sprechen, sondern dass wir sie auch tatsächlich umsetzen. Das ist unser fester Wille. Und daran können sie uns auch messen."

Dobrindt hatte sich für einen verstärkten Einsatz elektronischer Fußfesseln und eine bundesweit einheitliche Regelung zur Präventivhaft für Gefährder ausgesprochen. Zudem nannte er die Anwendung des Jugendstrafrechts bei erwachsenen Gefährdern "inakzeptabel". (dpa/cw)

01.08., 15:25h

"8-Punkte-Plan für Sicherheit und Akzeptanz für die LSBTIQ-Community"


LiSL-Bundesvorsitzender Michael Kauch (Bild: FDP)

Die FDP-nahen Liberalen Schwulen, Lesben, Bi, Trans und Queer (LiSL) haben ein Maßnahmenpaket für Sicherheit und Akzeptanz für die LSBTIQ-Community gefordert – von Maßnahmen gegen Islamismus und Rechtsextremismus über die Bekämpfung der steigenden anti-queeren Hassgewalt bis hin zur Akzeptanzarbeit bei Jugendlichen.

Der LiSL-Bundesvorsitzender Michael Kauch, auch Sprecher für LSBTI im FDP-Bundesvorstand, kritisiert den Verlauf der politischen Debatte nach dem Attentat auf den Berliner CSD scharf: "Je nach politischer Agenda werden der islamistische Attentäter oder queerfeindliche Motive verschwiegen, Islamisten zu Rechtsextremen umdefiniert, die Benennung von Islamismus als anti-muslimischer Rassismus gebrandmarkt, pauschal Muslime mit Islamisten gleichgesetzt, Extremismus hierarchisiert oder so getan, als seien alle Islamisten Ausländer und könnten schnell abgeschoben werden. Das ist völlig inakzeptabel. Wer die Realität derart verzerrt – und zwar gleich aus welcher Partei – schadet der Sicherheit der LSBTIQ-Community. Nur wer Tatsachen vollständig benennt, kann an Problemen arbeiten."

Hier der Beschluss des LiSL-Bundesvorstandes:

Lehren aus dem Anschlag beim CSD Berlin -
8-Punkte-Plan für Sicherheit und Akzeptanz für die LSBTIQ-Community

Der LiSL-Bundesvorstand ist immer noch schockiert von dem feigen Anschlag auf den Berliner CSD. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Getöteten und der Verletzten, denen wir vollständige und schnelle Genesung wünschen.

Das Attentat war ein Anschlag auf die LSBTIQ-Community und ihre Freiheit. Wir erwarten von allen politischen und gesellschaftlichen Akteuren, dass dies anerkannt und benannt wird. Zugleich war es ein Anschlag auf unsere freie und vielfältige Gesellschaft als Ganzes. Deshalb ist es gut, wenn Politik dies auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift.

Wir werden vor dieser Gewalt nicht zurückweichen. Wir bleiben sichtbar. Als politische LSBTIQ-Organisation werden wir unseren Forderungen für queere Bürgerrechte und gesellschaftliche Akzeptanz noch mehr Nachdruck verleihen. Angesichts zunehmender Hassrede und Hassgewalt, die nun in einer terroristischen Tat gipfelte, muss zudem das Thema Sicherheit stärker in den Blick genommen werden.

Der Attentäter war ein islamistischer Terrorist. Das deutlich zu benennen, ist ein Gebot der Ehrlichkeit und Grundlage für mögliche Prävention künftiger Taten. Wer Islamismus nicht beim Namen nennt, weil er jede Kritik daran zu anti-muslismischen Rassismus erklärt, opfert damit die Sicherheit unserer Community. Intersektionale Ideologie darf nicht zur Waffe gegen die Realität werden. Besonders absurd wird es, wenn Teile der politischen Linken den Islamismus zum Rechtsextremismus umdefinieren, damit die Welt wieder ins gewohnte Raster passt.

Zudem erwarten wir die Umkehr von Teilen der politischen Linken, die zu oft unter dem Deckmantel von Antikapitalismus, Antirassismus und Dekolonialisierung mit islamistischen Kräften paktiert oder ihnen zumindest unnötigen Freiraum gegeben haben. Insgesamt muss sich die politische Linke fragen, ob sie zu lange auf dem Auge des Islamismus blind war. Queers for Palestine ist keine internationalistische Folklore, sondern Unterstützung für islamistische Organisationen wie die Hamas.

Zugleich weisen wir aber jede Gleichsetzung von Moslems mit Islamisten sowie jede Instrumentalisierung des Attentats für eine Migrationsdebatte zurück. Natürlich müssen ausländische Straftäter und Gefährder abgeschoben werden. Doch dieser Islamist ist wie viele andere nicht nach Deutschland eingewandert, er ist vielmehr in unserem Land geboren und aufgewachsen. Die Verhinderung der Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen ist das zentrale Thema für die Zukunft.

Wir stellen uns im übrigen gegen jede Hierarchisierung von Extremismus. Die Debatte, welcher Extremismus in welcher Lebenssituation die größere Gefahr für Deutschland oder die queere Community ist, will nur eins: Argumente für die eigene politische Agenda nutzen. Wenn insbesondere die Rechtspopulisten den Rechtsextremismus verharmlosen und sich gar als Retter der Schwulen und Lesben aufspielen, dann ist das angesichts ihrer sonstigen Verachtung für unsere Community schlicht widerwärtig. Als liberale LSBTIQ-Organisation fordern wir, dass sowohl der Rechtsextremismus als auch der Islamismus als die Hauptmotive für Gewalt gegen Schwule, Lesben und trans* Personen benannt und bekämpft werden.

Als Antwort auf den Anschlag beim CSD-Berlin gehören die Bürgerrechtspolitik für LSBTIQ, eine entschlossenere Bekämpfung des Islamismus, die Prävention von Hassgewalt und die Förderung gesellschaftliche Akzeptanz zusammen.

Daher fordern wir:

1. Islamisten müssen konsequent bekämpft werden: vollständige Aufklärung der fehlgeschlagenen Überwachung des Attentäters, Abschiebung von ausländischen Gefährdern und einschlägigen Straftätern, ausgeweitete Nutzung elektronischer Fußfesseln, Überprüfung des Jugendstrafrechts, Umsetzung von Vereinsverboten, gezielte Bekämpfung von Islamismus im Internet, personeller Aufbau von Polizei und Verfassungsschutz in diesem Bereich.

2. Die Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen muss präventiv besser verhindert werden: Ausbau entsprechender Jugendarbeit mit Mitteln des Bundes und der Länder, Präventionsarbeit über Social Media sowie Einbindung derjenigen muslimischen Gemeinden, die sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen.

3. Hasskriminalität gegen LSBTIQ muss konsequent bekämpft werden: bessere Erfassung und Verfolgung entsprechender Straftaten, bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung von Polizei und Justitz zu Hasskriminalität wegen sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität, Einrichtung hauptamtlicher LSBTIQ-Ansprechpersonen bei allen Polizeibehörden, Umsetzung der erweiterten Strafbarkeit von antiqueerer Hasskriminalität nach §46 StGB in der Strafprozessordnung

4. Opfer von Hasskriminalität müssen besser unterstützt werden: zielgruppenorientierter Opferschutz und psychosoziale Unterstützung für Betroffene von Hassgewalt.

5. Die Prävention von LSBTIQ-feindlicher Hasskriminalität muss durch eine entschlossene Akzeptanz-Arbeit in Schule und Jugendarbeit gestärkt werden: Ausbau von Schulaufklärungsprojekten, verpflichtenden Aufnahme in die Lehrpläne weiterführender Schulen, Ausbau von Projekten, die sich insbesondere an Jugendliche mit rechtem Gedankengut bzw. Jugendliche aus bestimmten migrantischen Mileus richten, Akzeptanzarbeit in Social Media.

6. Der Aktionsplan "Queer leben" für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt muss unter Einbindung der Community wiederbelebt und mit ausreichenden Finanzmitteln – gerade für Aufklärung und Gewaltprävention – ausgestattet werden.

7. Die sexuelle Identität gehört in Artikel 3 des Grundgesetzes. Homosexuelle sind die letzte Opfergruppe des Nationalsozialismus, die keinen besonderen Schutz durch das Grundgesetz haben. Bei wachsendem Einfluss rechtsextremer Positionen ist dieser Schutz keine Symbolpolitik, sondern Vorsorge gegen die Rückabwicklung bestehender Rechte.

8. Alle CSDs sind als Demonstration anzuerkennen und Sicherheitskonzepte von Städten, Polizei und Veranstaltern weiterzuentwickeln.

01.08., 12:37h

Polizeigewerkschaft warnt vor ausfallenden Versammlungen

Angesichts der Kosten für die Sicherung von Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day (CSD) warnt der Berliner Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) vor möglichen Folgen. Steigende Sicherheitsanforderungen führten dazu, dass insbesondere kleinere Veranstalter*innen organisatorisch und finanziell an ihre Grenzen geraten, warnte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Bodo Pfalzgraf. "So wird die Versammlungsfreiheit faktisch eingeschränkt."

Deshalb sei ein staatlicher Schutzfonds notwendig. Dieser soll außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen wie mobilen Zufahrtsschutz, Fahrzeugsperren, Sicherheitsplanung oder weitere Schutzmaßnahmen finanzieren.

"Der Staat darf die Kosten der Terrorabwehr nicht auf diejenigen abwälzen, die ihre demokratischen Freiheitsrechte wahrnehmen", so Pfalzgraf. "Wer unsere freiheitliche Gesellschaft angreift, darf nicht erreichen, dass Weihnachtsmärkte, Straßenfeste oder Demonstrationen am Ende an den Kosten für ihre Sicherheit scheitern", sagte er.

Hintergrund der Forderung ist der Gewerkschaft zufolge die zunehmende Bedrohung durch islamistischen Terror, die sich immer stärker auf die praktische Ausübung von Freiheitsrechten auswirke. "Die Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht und muss auch unter einer erhöhten terroristischen Bedrohungslage praktisch wahrnehmbar bleiben."

Klar sei aber: Die Gefahrenabwehr und der Schutz der öffentlichen Sicherheit müssten staatliche Kernaufgaben bleiben und dürften weder organisatorisch noch finanziell auf private Veranstalter*innen verlagert werden. (dpa/cw)

01.08., 05:27h

Beauftragter verspricht schnelle Finanzhilfe für Terroropfer

Die Opfer des Terroranschlags beim CSD Berlin können nicht nur auf medizinische oder seelische Hilfe hoffen, sondern auch auf schnelle materielle Unterstützung. "Terroropfer haben Anspruch auf sofortige finanzielle Hilfe", sagte der Bundesopferbeauftragte Roland Weber der Deutschen Presse-Agentur.

Die sogenannten Härteleistungen werden demnach vom Bundesamt für Justiz ausgezahlt und können dort beantragt werden. Ihre Höhe richtet sich nach dem Verletzungsgrad. Verletzte Menschen erhalten laut Weber in einem abgestuften Verfahren zunächst 3.000 bis 5.000 Euro, Hinterbliebene von Todesopfern bis zu 30.000 Euro. "Es handelt sich um eine erste Leistung zur Überbrückung bestimmter Kosten. Sie kann sehr schnell fließen", so Weber. Seine Geschäftsstelle biete – wenn nötig – praktische Hilfe beim Ausfüllen der nötigen Anträge an.

Den Opfern stünden mittel- und langfristig je nach individueller Situation und Bedarf weitere Leistungen aus anderen Töpfen zu. Das könnten etwa Entschädigungszahlungen, die Finanzierung von Umschulungen, Renten oder Versicherungsleistungen sein. Auch hier bietet Weber praktische Hilfe an, um solche Ansprüche geltend zu machen.

Um den Opfern des Attentats zu helfen, hat Weber nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Zentralen Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen im Land Berlin Kontakt zu den Angehörigen der getöteten Frau und zu den Verletzten aufgenommen – soweit diese bekannt sind. Sie hätten umfassende Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bekommen, etwa über Hotlines, Angebote im Internet, Netzwerke oder Hilfseinrichtungen.

Weber nimmt aber auch eine andere Gruppe mit womöglich seelischen Wunden in den Blick. "Es gibt Augenzeugen, Menschen, die in der Nähe eines Anschlags waren, und die laufen oft weg", schilderte er. "Manchen geht es bald wieder gut, die stecken das weg und verkraften das. Andere nicht. Diese Gruppe ist am schwersten zu erreichen."

Betroffene des Anschlags, insbesondere Hinterbliebene, Verletzte und deren Angehörige, Augenzeug*innen oder Menschen, die am Tatort spontan erste Hilfe geleistet haben, können sich mit allen Anliegen an die kostenfreie Hotline des Opferbeauftragten 0800 0009546 wenden (aus dem Ausland: +49 30 18 580 – 8050).

"Dort bieten Fachleute auch 24 Stunden psychosoziale Beratung an", so Weber. Viele Menschen hätten sich bereits gemeldet. Auf der Internetseite der Zentralen Anlaufstelle des Landes Berlin finden sich zahlreiche weitere Kontakte und Angebote für Betroffene.

Weber appellierte an Opfer des Anschlags, Angehörige, Augenzeug*innen, Helfer*innen oder Personen, denen das Geschehen aus anderen Gründen stark zu schaffen macht, sich an ihn oder die Zentrale Anlaufstelle zu wenden. "Bitte melden Sie sich, haben Sie keine Scheu und keine Sorge, dass wir das womöglich nicht ernst nehmen. Wir unterstützen Sie", so Weber. (dpa/mize)

01.08., 05:08h

SPD-Fraktionschef wünscht sich Besuch des Kanzlers beim CSD


Ganz entspannt zum CSD? Bundeskanzler Friedrich Merz und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (Bild: IMAGO / photothek / Florian Gaertner)

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch greift eine Forderung von queer.de auf: "Es wäre ein sehr gutes Zeichen, wenn der Kanzler zu einem CSD kommen würde", sagte Miersch der Funke Mediengruppe. "Ich finde es wichtig, dass wir als politische Verantwortungsträger in der aktuellen Lage Flagge zeigen."

Miersch selbst will heute beim CSD in Hamburg dabei sein, zu dem rund 250.000 Menschen erwartet werden. "Viele der CSD-Teilnehmenden leiden nach der Tat sehr, auch wenn sie nicht unmittelbar betroffen gewesen sind", sagte der schwule SPD-Fraktionschef. "Ich bin Teil dieser Community, die angegriffen wurde, und kann sehr gut nachvollziehen, wie viele sich emotional fühlen."

Miersch kritisierte, dass Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) die Mittel für Demokratie-Förderprogramme kürze. "Davon sind zum Beispiel Organisationen betroffen, die gerade außerhalb von Städten queere Menschen unterstützt haben", so der SPD-Politiker. "Mich sprechen zunehmend jüngere Menschen an, die wegen ihrer sexuellen Identität Probleme haben. Deswegen werden wir die von Karin Prien geplanten Streichungen überprüfen." Das gelte auch für Programme und Projekte, die sich gegen Islamismus engagiert hätten. "Diese Kürzungen werden wir so nicht hinnehmen."

Bereits am Tag nach dem Terroranschlag in Berlin hatte queer.de-Herausgeber Micha Schulze in einem Kommentar an Bundeskanzler Friedrich Merz appelliert: "Besuchen Sie endlich einen CSD! Der Hamburg Pride am kommenden Samstag wäre eine gute Gelegenheit, zu zeigen, dass die queere Community in Deutschland nicht allein ist." (cw/dpa)

01.08., 04:48h

Umfrage: Knapp 40 Prozent fühlen sich nach CSD-Anschlag weniger sicher

Nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Berliner CSD hat das Sicherheitsgefühl bei rund vier von zehn Deutschen einer Umfrage zufolge abgenommen. 38 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Civey Befragten gaben an, dass ihr Sicherheitsgefühl seit dem Anschlag von vor einer Woche eindeutig oder eher abgenommen habe.

Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) schätzt ihr persönliches Sicherheitsgefühl in der Umfrage im Auftrag der Funke Mediengruppe unverändert ein. Sieben Prozent der Befragten sagten, ihr Sicherheitsgefühl habe eindeutig oder eher zugenommen. Ein Prozent antwortete mit "Weiß nicht".

Auf die Frage "Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: "Deutschland ist ein stabiles und sicheres Land"?" sagte rund die Hälfte (51 Prozent) der Befragten ab 18 Jahren, sie stimmten eindeutig oder eher nicht zu. Eher oder eindeutig zustimmend äußerten sich in der Umfrage 37 Prozent der Teilnehmenden. Weitere 12 Prozent gaben an, unentschieden zu sein.

Für die den Angaben nach repräsentative Umfrage wurden zwischen dem 28. und 30. Juli online 5.000 Bürger*innen befragt. (dpa/mize)

31.07., 18:48h

CSD-Anschlag: Polizei stellt nahe dem Tatort Poller auf

Rund um den Ort des Terroranschlags am Rande des CSD im Berliner Tiergarten erhöht die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen. Beamte stellten an Zugangswegen schwere Poller auf, so dass dort kein Auto mehr durchkommt. Die Poller sollen aber nicht dauerhaft dort bleiben. Das Vorgehen gehöre zu polizeilichen Maßnahmen anlässlich einer Gedenkveranstaltung für die Anschlagsopfer am Sonntag und weiterer angekündigter Versammlungen in der direkten Umgebung, teilte die Polizei auf dpa-Anfrage mit.

Die Poller sind demnach Teil eines "gesamtheitlichen Sicherheitskonzeptes" und sollen nach jetzigem Stand temporär, also zeitlich begrenzt, im Tiergarten stehen. "Vergleichbare Maßnahmen für zukünftige Einsatzlagen können jedoch nicht ausgeschlossen werden", hieß es.

Am Sonntag ist am Tatort eine Mahnwache für die Opfer des Anschlags geplant, zu der unter anderem der LSVD+ Berlin-Brandenburg einlädt, auch der CSD hatte zur Teilnahme aufgerufen. Angemeldet sind laut Polizei 1.000 Menschen. "Der Anschlag hat die queere Community weit über Berlin hinaus tief erschüttert", schrieb der Verband in seiner Einladung. Die Mahnwache biete Raum für Trauer und gemeinsames Gedenken. Sie solle zugleich zeigen, dass Gewalt gegen queere Menschen benannt, verfolgt und wirksam bekämpft werden müsse.

"Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen weiterhin im Großen Tiergarten für alle Menschen bereit, die Unterstützung oder einfach ein offenes Ohr brauchen", teilte die Polizei mit. "Niemand muss mit seinen Sorgen oder seiner Trauer allein sein. Sprechen Sie unsere Einsatzkräfte vor Ort an – wir nehmen uns Zeit, hören zu und helfen, wo wir können." (dpa/cw)

31.07., 16:33h

Berliner Moschee erinnert beim Freitagsgebet an Terroropfer


Khadija Moschee (Bild: Said A. Arif / wikipedia)

Rund 500 Menschen haben in der Khadija Moschee in Berlin-Pankow der Opfer des islamistischen Terroranschlags auf den CSD am vergangenen Wochenende gedacht. Gemeindemitglieder versammelten sich zu einem offenen Freitagsgebet, zudem auch Gäste willkommen waren. Schwerpunktthema der Predigt war der Islamismus und die Verantwortung muslimischer Gemeinschaften im Umgang mit Extremismus.

"Es war eine entsetzliche Tat, für die unsere Religion instrumentalisiert wurde", sagte Imam Scharjil Khalid anschließend der Deutschen Presse-Agentur. "Wir verurteilen sie unmissverständlich." Der Islam rechtfertige keinen Terror. "Jetzt liegt es an uns, auf die Menschen in Berlin zuzugehen, ihre Sorgen ernst nehmen, ihre Fragen zu beantworten und zu zeigen, wofür der Islam wirklich steht." Die Deutungshoheit dürfe nicht Extremist*innen überlassen werden.

Kritik übte Khalid an Politiker*innen, die nach dem Anschlag Moscheevereine und den Islam an sich pauschal als Problem identifiziert hätten. "Sie müssen verstehen, das muslimische Organisationen in erster Linie Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sind", sagte der Imam. "Man muss sie endlich als Verbündete und nicht Verdächtige verstehen. Sie haben die beste Ahnung, um Extremismus vorzubeugen." Extremismus entstehe aus mangelndem theologischem Wissen und aus Isoliertheit. "Beides kann bei einem Muslim die Moscheegemeinde am besten bekämpfen."

Die Khadija Moschee im Stadtteil Heinersdorf wird betrieben vom Islamverband Ahmadiyya Muslim Jamaat. Die Gemeinschaft verweist auf ihre eigene Historie als von Islamisten verfolgte muslimische Bewegung. "Viele ihrer Mitglieder sind selbst vor religiösem Extremismus nach Deutschland geflohen", teilte sie mit. Die Gemeinde im Norden Berlins hat etwa 700 Mitglieder. (dpa/cw)

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