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Almodóvars bislang persönlichste Selbstbefragung

Wie sehr darf ein Regisseur sich am Leben seiner Freund*innen bedienen, wenn er ein Drehbuch schreibt? Über diese Frage künstlerischen Schaffens sinniert Pedro Almodóvars neuer Film "Bitteres Fest" – gewohnt leuchtend und melodramatisch.


Leonardo Sbaraglia (r.) als Filmemacher Raúl und Quim Gutiérrez als sein Lebenspartner Santi in einer Szene aus "Bitteres Fest" (Bild: El Deseo / Iglesias Más)

Mehr als ein Dutzend weiße Vasen stehen sauber aufgereiht in einem Wandregal in Elsas Wohnzimmer. Die frühere Regisseurin wird von einer heftigen Migräne geplagt. Sie bittet ihren Partner Bonifacio, sie deshalb ins Krankenhaus zu bringen. Ihr Zustand, nicht nur wegen der Kopfschmerzen, ist so fragil wie die Keramik hinter ihr. Ein symbolisches Bild, wie es Pedro Almodóvar beherrscht wie kaum andere.

Ihr wird schnell geholfen, doch sie soll lieber über Nacht in der Klinik bleiben. Ihr deutlich jüngerer Freund bleibt bei ihr. Er ist Feuerwehrmann und Stripper. Der neugierigen Ärztin kommt er so bekannt vor – von einem Junggesellinnenabschied, wie sich herausstellt. Und auch ihre Patientin kennt sie bereits. Vor Jahren drehte Elsa einen Film in genau dem Zimmer, in dem sie jetzt behandelt wird.

"Bitteres Fest" kreist um ihn selbst


Poster zum Film: "Bitteres Fest" startet am 30. Juli 2026 bundesweit im Kino

Es ist 2004, telefoniert wird mit Klapphandys. In diesem Jahr setzt Regisseur Raúl die Geschichte der Regisseurin an, an der er in der Gegenwart arbeitet. Raúl Durán ist ein gefeierter Filmemacher. Er soll einen queeren Preis erhalten, erklärt ihm seine Assistentin Mónica. Und er ist zum Filmfestival in Katar eingeladen, doch er winkt ab. Er könne es sich ja nochmal überlegen, der Golfstaat zahle gut. Einen Film hat Raúl schon länger nicht mehr gedreht.

Mit "Bitteres Fest" erzählt der spanische Altmeister Pedro Almodóvar, 76, einmal mehr eine autobiografische Geschichte. Doch so sehr um ihn selbst wie jetzt hat sich wohl noch keiner seiner Filme gekreist.

Kreative Freiheit oder schamloses Ausnutzen?

Denn im Grunde lässt er sein Alter Ego Raúl ein Drehbuch schreiben, in dem wiederum die Hauptfigur Elsa deutliche Ähnlichkeit zu ihm selbst aufweist: Almodóvar dreht einen Film über Almodóvar, der einen Film über Almodóvar dreht.

Dabei schafft er eine Tragikomödie, die vor allem eine Reflexion übers Filmemachen und über kreative Freiheit wird: Denn Raúl bedient sich großzügig einer Geschichte, die ihm seine Assistentin Mónica über ihre Partnerin erzählt hat. Wie weit dürfen Kunstschaffende gehen? Was ist Inspiration, was ein schamloses Bedienen an Erzählungen anderer?

Die Opfer eines Filmemachers

Raúl hat darauf eine klare Antwort: Der Film ist Fiktion, also ist alles erlaubt. Er könne nur in absoluter künstlerischer Freiheit arbeiten. Mónica dagegen ist aufgebracht und wütend auf ihn, mit dem sie seit Jahrzehnten zusammenarbeitet.

"Bitteres Fest" lässt sich auch als Selbstkritik lesen: Als Parabel darüber, welche persönlichen Opfer ein Filmemacher zu bringen bereit sein muss, um die Geschichten ins Kino zu bringen, die er für wichtig hält. Der schwule Kultregisseur selbst sagte, es sei der Film gewesen, bei dem "ich am grausamsten mit mir selbst war".

Das alles ist auf einer Meta-Ebene interessant. Die zwei parallel erzählten Handlungsstränge – insbesondere der über die Regisseurin – sind jedoch zu langatmig, um wirklich zu packen. Eine echte Verbindung zu Elsa mag nicht wirklich entstehen.

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Eine faszinierende Konstruktion der Selbstbefragung

"Bitteres Fest" sieht dabei aber natürlich fabelhaft aus: Die Farben leuchten, selbst wenn sonst alles düster ist. Das Dunkelgrün ist kräftiger als anderswo, der rote Jeep strahlt inmitten der schwarzen Strände von Lanzarote. Stoffe, Oberflächen und Muster machen den Almodóvar-typischen Look perfekt. Und auch die Wohnungen der Figuren sind so großzügig und durchgestylt, wie man es von ihm kennt.

Ein Streichorchester tobt sich in den dramatischen Momenten aus, fast hektisch und drängend wirkt die Musik. Doch egal, wie laut die Geigen klingen: Sie können die inhaltlichen Schwächen nicht übertönen. Die Konstruktion der Selbstbefragung fasziniert mehr, als sie emotional berührt.

Infos zum Film

Bitteres Fest. Dramödie. Spanien 2026. Regie Pedro Almodóvar. Cast: Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aïtana Sánchez-Gijón, Patrick Criado, Victoria Luengo, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma. Laufzeit: 111 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Studiocanal. Kinostart: 30. Juli 2026
Galerie:
Bitteres Fest
13 Bilder
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